Wirtschaft
25.12.2011

IWF-Chefin sieht Weltwirtschaft in Gefahr

Christine Lagarde gibt sich mit den Ergebnissen des Krisen-Gipfels nicht zufrieden und stellt noch weniger Wachstum in Aussicht.

IWF-Chefin Christine Lagarde sieht die Weltwirtschaft in Gefahr und ruft die europäischen Staaten zur Geschlossenheit in der Schuldenkrise auf. "Die globale Wirtschaft ist in einer gefährlichen Lage", sagte Lagarde der französischen Sonntagszeitung Journal du Dimanche. Vergangene Woche hatte sie erklärt, die Prognose des IWF für das weltweite Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr könne von derzeit vier Prozent gesenkt werden. Eine neue Zahl hatte die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds aber nicht genannt.

Der Zeitung sagte Lagarde, die Schuldenkrise sei eine Krise des Vertrauens in die Staatsschulden und die Solidität des Finanzsystems. Die EU-Staats- und Regierungschefs seien auf ihrem Euro-Krisengipfel am 9. Dezember bei Finanzfragen nicht genug ins Detail gegangen, kritisierte Lagarde. Das Ergebnis sei in den Grundprinzipien zu kompliziert. "Es wäre hilfreich, wenn die Europäer mit einer Stimme sprächen und einen einfachen und detaillierten Zeitplan in Aussicht stellten", sagte Lagarde. "Die Investoren warten darauf. Große Prinzipien beeindrucken nicht."

Der EU-Gipfel hatte schärfere Haushaltsregeln beschlossen und den Umbau der Euro-Zone zu einer Fiskalunion vorangetrieben. Dem Reformvertrag der 17 Euro-Staaten wollen sich neun weitere EU-Mitglieder anschließen. Großbritannien dagegen hatte seine Zustimmung zu einem europäischen Fiskalpakt verweigert.

Keine Zinsen für Entwicklungsländer

Der Internationale Währungsfonds (IWF) will für Kredite an arme Länder ein weiteres Jahr lang keine Zinsen nehmen. Dieser bereits im November von der IWF-Führung eingebrachte Vorschlag sei vom Verwaltungsrat automatisch angenommen worden, weil es keinen Widerstand dagegen gegeben habe, erklärte ein IWF-Sprecher am Freitag in Washington.

Bis Ende 2012 gilt demnach nun weiterhin ein Null-Zinssatz für Entwicklungsländer. Dieser war erstmals im Sommer 2009 wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise für die Jahre 2010 und 2011 beschlossen worden. Unter den betroffenen 25 Ländern sind 17 afrikanische Staaten.

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