Wirtschaft 05.12.2011

IWF-Chefin Lagarde eilt Italien zu Hilfe

Italien rückt ins Zentrum der Euro-Schuldenkrise. Der Währungsfonds soll ein 600-Milliarden-Euro-Hilfspaket vorbereiten.

In Italien brennt der Hut. Das Land hat Schulden in Höhe von fast 2000 Milliarden Euro und magere Konjunkturaussichten. Zwar wurde unlängst ein Faktor der Unsicherheit beseitigt - Premier Silvio Berlusconi machte Platz für den parteilosen Wirtschaftsprofessor Mario Monti. Dennoch rückt das Land immer mehr ins Zentrum der Euro-Schuldenkrise.

Nun will der Internationale Währungsfonds (IWF) offenbar in die Bresche springen. Laut einem Bericht der italienischen Tageszeitung La Stampa, bereitet der IWF ein milliardenschweres Hilfsprogramm für Italien vor. Konkret stelle der Währungsfonds dem Land Kredite in Höhe von bis zu 600 Milliarden Euro in Aussicht. Die Zinsen der Papiere würden sich zwischen vier und sechs Prozent bewegen, schreibt das Blatt. Damit wären sie deutlich niedriger als die Zinsen, die Italien derzeit am Markt zahlen muss.

Am Freitag vergangener Woche kletterte das Zinsniveau italienischer Staatsanleihen auf Rekordhöhe. Um Geld für zwei Jahre zu bekommen, muss das Land Investoren satte 7,7 Prozent bezahlen. Für sechsmonatige Anleihen sind es 6,5 Prozent - fast doppelt so viel wie noch vor einem Monat.

Auf diesem Zinsniveau wird es freilich immer schwieriger, Risiko-affine Geldgeber zu finden. Um seine Schulden zu refinanzieren, muss Italien aber 2012 rund 300 Milliarden Euro auftreiben. Allein in dieser Woche will Rom rund neun Milliarden am Kapitalmarkt erlösen.

Das Hilfspaket für Italien wird der IWF nicht alleine stemmen können, verschiedene Möglichkeiten der Finanzierung würden derzeit geprüft. Eine Variante: Die Europäische Zentralbank schießt Mittel zu, für die der IWF garantieren könnte.

"Finanz-Schengen"

Laut Welt am Sonntag wollen Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bereits diese Woche ein Gesamtpaket zur Stabilisierung der Euro-Zone vorlegen. Um eine EU-Vertragsänderung zu umgehen, werde der neue Stabilitätsvertrag - wie beim Schengener Grenzabkommen - bilaterale Sonderregelungen beinhalten. Zwischen einzelnen EU-Staaten würden demnach Verträge geschlossen, die strenge Defizitauflagen und Kontrollrechte für nationale Haushalte vorsehen.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011