Wirtschaft
26.04.2017

Italien will Alitalia stützen, Konkurrenz lauert

Ryanair hofft auf Slots der Italiener, um weiter zu wachsen. Die Regierung will die Airline mit Brüssels Erlaubnis stützen.

Der italienische Premier Paolo Gentiloni hat sich am Mittwoch wegen den Entwicklungen bei Alitalia besorgt gezeigt, schließt jedoch eine Verstaatlichung der maroden Fluggesellschaft entschieden aus. "Die Bedingungen für eine Verstaatlichung sind nicht vorhanden", betonte Gentiloni nach Medienangaben. Die Regierung werde sich jedoch bemühen, Arbeitsplätze bei Alitalia zu retten. "Die Ablehnung des Rettungsplans erschwert uns die Arbeit", betonte Gentiloni. Er erklärte sich darüber enttäuscht, dass die Belegschaft den mühsam mit Gewerkschaften und Management ausgehandelten Rettungsplan abgelehnt habe.

Die italienische Regierung will die schwer angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia mit einem Brückenkredit stützen. Das Kabinett prüfe die Möglichkeit, in Brüssel um die Genehmigung für ein Darlehen in Höhe von zwischen 300 und 400 Mio. Euro zu bitten, so Industrieminister Carlo Calenda am Mittwoch dem Sender Radio 24. Damit soll Alitalia weiterhin den Flugbetrieb garantieren, während ein Käufer für die Airline gesucht wird. "Wir denken, dass finanzielle Unterstützung für eine beschränkte Zeit mit den EU-Regeln verträglich sei", meinte Calenda.

Die Insolvenz könnte Italiens Staatskassen teuer zu stehen kommen. 700 Mio. Euro werden die Stützungsmaßnahmen für die Belegschaft kosten, sollte das Personal auf Lohnausgleichskasse gestellt werden, schätzte Arbeitsminister Giuliano Poletti. Die Zukunft der Airline betrachtet er als "ungewiss". "Wir haben alle hart für den Rettungsplan gearbeitet. Leider ist dieser von der Belegschaft abgelehnt worden. Jetzt steht Alitalia die ungewisse Zukunft der Insolvenzverwaltung bevor", so der Minister.

Belegschaft lehnte Pläne ab

Die Alitalia-Piloten, die mehrheitlich den Plan abgelehnt hatten, betrachten diesen als unrealistisch, um die Airline wieder auf Fahrt zu bringen. "Warum müssen immer die Arbeitnehmer für die Fehler der Manager zahlen?", fragte Riccardo Canestrari, Sprecher der Pilotengewerkschaften ANPAC. Diese hätten gravierende Fehler gemacht. Die Belegschaft hatte am Montag den Rettungsplan abgelehnt, der unter anderem Kürzungen bei den Personalkosten in Höhe von 670 Mio. Euro in fünf Jahren, die Streichung von fast tausend Jobs und Gehaltskürzungen vorsieht.

Die Aktionäre wollten sich dafür verpflichten, der Airline zwei Milliarden Euro zuzusteuern, neue Maschinen zu erwerben und neue rentable Langstrecken-Routen zu eröffnen. Der mühsam mit den Gewerkschaften ausgehandelte Plan überzeugte die kämpferische Belegschaft nicht.

Konkurrenten feiern

Die Konkurrenten feiern während dieser Entwicklung. Mehrere Billig-Airlines spitzen auf die Europa-Flugrouten der Italiener. Vor allem Ryanair, der in den letzten Jahren Alitalia arg unter Druck gesetzt hat, hofft auf Slots der krisengeschüttelten italienischen Gesellschaft, um weiter zu wachsen.

2016 ist Ryanair mit 117 Millionen Passagieren zur stärksten Fluggesellschaft Europas avanciert und hat damit Lufthansa mit seinen 107 Millionen Passagiere zurückgedrängt. Zum Erfolg des irischen Billigcarriers hat unter anderem der italienische Markt beigetragen. Schon 2015 war Ryanair zur stärksten Airline in Italien aufgerückt.

Investitionen in Höhe von 1,3 Mrd. Euro plant der irische Billigcarrier dieses Jahr im Stiefelstaat. Damit soll unter anderem die Zahl der Flüge von dem Airport Mailand Malpensa auf 16 verdoppelt werden. Die sieben neuen Flugverbindungen sollen Ryanair zusätzliche 1,7 Millionen Passagiere in Italien bescheren, berichtete Ryanair-Chef Michael O'Leary kürzlich in Mailand. 3,2 Millionen Passagiere werden 2017 in Italien mit Ryanair, der stärksten Airline in Italien, fliegen. Mit Ryanairs Beitrag soll die Zahl der Passagiere des Mailänder Flughafens Malpensa 2017 um drei Prozent auf 20 Millionen steigen.

Low-Cost-Attacke

O'Leary hatte im Jänner Alitalia geraten, sich von dem Partner Air France zu lösen und ein Abkommen mit Ryanair abzuschließen. "Alitalia wird nie eine Low-cost-Gesellschaft sein. Sie muss sich von Air France loslösen, die ihr Hürden bei Langstreckenflügen setzt und mit einer Airline wie Ryanair kooperieren", so O'Leary. Ryanair führt in Italien eine aggressive Politik und setzt dabei auch die lokalen Behörden unter Druck.- So hat Ryanair kürzlich beschlossen, ihre Präsenz auf dem römischen Flughafen Fiumicino zu reduzieren. Damit protestiert der Billigcarrier gegen die Tarifpolitik der Betreibergesellschaft des Flughafens ADR.

Nicht nur Ryanair könnte von der Alitalia-Misere profitieren. Auch andere Low-cost-Gesellschaften wie Easyjet und Vueling beobachten mit Interesse die Slots, die bei der Insolvenz Alitalias freikommen würden. In den letzten Jahren hat Alitalia nicht nur die Konkurrenz von Low-cost-Gesellschaften stark zu spüren bekommen. Auch der Erfolg der Hochgeschwindigkeitszüge auf der für Alitalia einst sehr rentablen Strecke Rom-Mailand hat der Fluggesellschaft große Einnahmenrückgänge verursacht. Zwei Bahngesellschaften - die Staatsbahnen FS und die private Gesellschaft NTV - machen mit dem Hochgeschwindigkeitsverkehr in Italien Millionengeschäfte.