Wirtschaft 13.01.2012

Italien und Spanien atmen auf

Der erste Verkauf von Staatsanleihen im Jahr 2012 lief erfreulich ab: Die Zinsen, die die beiden Staaten zahlen müssen, fallen.

Die beiden großen südeuropäischen Schuldnerländer haben im neuen Jahr das Vertrauen der Anleger zurückgewonnen: Die Investoren rissen sich geradezu um die neuen Staatsanleihen der Spanier. Auch Italien brachte seine Bonds problemlos am Markt unter.

Spanien hat mit zehn Milliarden Euro gleich doppelt so viel Staatsanleihen verkauft wie geplant. Der Zinssatz für diese Bonds mit Laufzeiten bis 2015 und 2016 lag mit 3,38 Prozent bzw. vier Prozent um jeweils einen Prozentpunkt tiefer als bei der letzten Emission 2011.

Italien verkaufte zwölf Milliarden Euro an kurzlaufenden Staatspapieren. Bei den einjährigen Anleihen sank der Zinssatz gleich um drei Prozentpunkte auf 2,735 Prozent.

Analysten glauben, dass die Geldschwemme, mit der die Europäische Zentralbank im Dezember die Banken beglückte, zum Erfolg der Anleihenverkäufe beigetragen hat. Die Banken können sich billig Geld von der EZB leihen und dieses in kurzlaufende Staatsanleihen stecken. Die sinkenden Zinsen für italienischen und spanische Anleihen haben auch die Zinsen der anderen Staatsanleihen gedrückt. Für Österreichs zehnjährige Staatsanleihen sind die Zinsen wieder unter drei Prozent gefallen.

Griechenland

Anhaltend schwierig bleibt hingegen die Finanzlage Griechenlands. Nach wie vor lassen sich die privaten Gläubiger – Banken, Versicherungen, Hedge Fonds – nicht auf einen freiwilligen Verzicht auf Schuldentilgung im Ausmaß von 100 Milliarden Euro ein. Das ist aber Voraussetzung für das zweite Hilfspaket der Euro-Partner über 130 Milliarden Euro. Einige Private sollen Kreditausfallsversicherungen gekauft haben. Diese werden aber nur ausbezahlt, wenn es keinen freiwilligen Schuldenverzicht gibt. Die Versicherungsleistung fließt nur im Fall einer echten Staatspleite.

Leitzinsen

Neu im Rat der Europäischen Zentralbank: Jörg Asmussen (Bild), Benoit Cœure und Peter Praet
© Bild: epa

Die Europäische Zentralbank hat bei ihrer ersten Sitzung 2012 wie erwartet den Leitzins bei unverändert einem Prozent belassen. Eine Reihe von Analysten erwartet, dass es im Februar zur nächsten Zinssenkung kommt, zumal sich die Konjunkturaussicht weiter verdunkeln dürfte.

Eröffnet wurde die EZB-Sitzung vom neuen Chefökonomen der EZB, dem Belgier Peter Praet, der dem im Vorjahr zurückgetretenen Jürgen Stark folgte. Mit am Tisch bei der Sitzung im Frankfurter Euro-Tower waren zudem zwei neue Direktoren: Der deutsche Ex-Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen und der französische Ökonom Benoit Cœure. Letzterer ersetzt den Italien Lorenzo Bini Smaghi, der nach politischem Druck gehen musste.

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( Kurier ) Erstellt am 13.01.2012