Digitalisierung
09/07/2016

"IT-Kräfte müssen wieder reden lernen"

Industrie 4.0 braucht kreative Querdenker.

von Irmgard Kischko

Was ist die liebste Freizeitbeschäftigung der heimischen Jugend? Am Handy surfen – und zwar alleine, zitierte der Radiosender Ö3 am Mittwoch eine Umfrage. "Das ist der falsche Zugang. Wir brauchen zwar digitale Kenntnisse. Aber die IT-Kräfte müssen auch wieder reden lernen", sagt Peter Lieber, Präsident des Verbands Österreichischer Software Industrie.

An IT-Fachleuten mangelt es seiner Ansicht nach in Österreich nicht. "Aber an der Kommunikation, am Feuer, das diese Spezialisten in sich tragen. Das ist das Manko", ist Lieber überzeugt. Die Fähigkeiten, die die zunehmende Digitalisierung den Menschen abverlange, gingen nämlich weit über Kenntnisse im Programmieren hinaus.

Dem kann Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst, nur beipflichten. "Das mantra-artige Herunterbeten von Industrie 4.0, digital age, Roboterisierung und die Bildung allein darauf auszurichten ist zu wenig", erklärt er. Die Digitalisierung erfordere vernetztes, fachübergreifendes Denken. Dem entspreche unser Schulsystem nicht. "Eines der großen Probleme ist ja, dass die Fachleute aus den verschiedenen Bereichen nicht miteinander reden", betont Bast. Seiner Meinung nach braucht die digitale Welt kreative Querdenker; Menschen, die "unlogisch und mutig" an Herausforderungen herangehen.

Schule hinkt nach

Doch in Österreichs Schulen ist dieses Denken noch lange nicht eingekommen. Informatik ist nicht einmal Pflichtfach in allen Schulen – eine Forderung, die die Österreichische Computergesellschaft, Träger der größten Ausbildungsinitiativen in diesem Bereich, bekräftigt. In Gymnasien gebe es gerade einmal zwei Wochenstunden Informatik in der 5. Klasse.

Dass Österreichs Schulen hier aufholen müssen, ist allen bewusst. "Jeder neue Mann in einem digitalen Job ersetzt fünf Männer, jede neue Frau in so einem Arbeitsplatz ersetzt zwanzig Frauen", warnt Harald Leitenmüller, CTO von Microsoft Österreich. Es gehe darum, dass Österreich ein Land sei, in dem digitale Jobs entstünden und nicht eines, in dem sie ersetzt würden.