Wirtschaft
17.03.2018

Ist Wohnen noch leistbar?

Zwei Immobilienexperten sind sich einig: Mieten ist günstiger als kaufen.

Die Immobilienpreise sind in den vergangenen zehn Jahren kräftig angestiegen, österreichweit im Schnitt um 29 Prozent bei gebrauchten Eigentumswohnungen, um 26 Prozent bei den frei finanzierten Mietwohnungen.

Mit großen regionalen Unterschieden: Während ein Grundstück in Niederösterreich 44 Euro pro Quadratmeter kostet, liegen die Preise in Wien bei rund 800 Euro. In Niederösterreich zahlt man für eine Eigentumswohnung 2642 Euro pro Quadratmeter, in Wien im Schnitt 4466 Euro.

Ob Wohnen noch leistbar ist, darüber diskutierten zwei namhafte Experten im KURIER Talk. Georg Spiegelfeld bestätigt, dass der Immobilienmarkt "teuer, in manchen Regionen sehr teuer geworden ist". Anton Holzapfel, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI) erklärt, "dass die Eigentumspreise in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen sind als die Mieten." Aber: der Markt sei so breit, 60 Prozent der Mietangebote würden aus dem kommunalen und gemeinnützigen Sektor kommen – "da ist für jeden etwas dabei, was auch leistbar ist", sagt Holzapfel.

22 Prozent des Einkommens werden in Österreich für das Wohnen aufgebracht, das sei im Vergleich zu anderen Ländern im niedrigen Bereich. Holzapfel: "Schwer tun sich junge Familien und AlleinerzieherInnen. Ältere haben meistens kein Problem, weil sie in günstigen Mietverträgen stecken oder schon vor vielen Jahren billig gekauft haben." Die Experten sehen hier das Potenzial eines Generationenkonflikts, weil Einkommen und Wohn-Ausgaben zwischen Jung und Alt so ungleich verteilt sind.

Die Preistreiber

Getrieben wurden die Preise vor allem durch die niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt. Da hätten viele die Anlage in Immobilien gesucht (hohe Nachfrage). "Es ist außerdem zu wenig Angebot auf dem Markt", erklärt Georg Spiegelfeld. Den enormen Zuzug nach Wien habe man beispielsweise völlig unterschätzt. "Wien wird in den nächsten zehn Jahren um weitere 200.000 Menschen wachsen, da kommt ganz Graz dazu", sagt Spiegelfeld.

Das Kauf-Miet-Verhältnis – ein Indikator, der angibt, wie viele Jahre eine Wohnung gemietet werden kann, bis der Kaufpreis erreicht ist – liegt in Wien im Schnitt bei 31,4 Jahren (zum Vergleich: St. Pölten und Eisenstadt unter 20). Für beide Immobilienexperten ist deshalb klar: "Das günstigere Modell ist ganz eindeutig das Mietmodell." Obwohl Wien im Vergleich zu anderen europäischen Städten immer noch relativ günstig ist.

Kaufen ist für die Experten dann die richtige Option, wenn man seinen Kindern die Immobilie später vererben will. Oder wenn man Geld hat, das man in einer Immobilie binden möchte. "Letztlich ist Kaufen oder Mieten eine Typsache", sagt Anton Holzapfel. Er selbst wohne in einem Objekt, das für ihn perfekt ist – und das sei ein Mietobjekt.