In Dubei findet ein Prozess gegen zwei Österreicherinnen statt.

© REUTERS/STRINGER

Islamic Banking
01/05/2015

Geldanlage nach Scharia wächst weltweit kräftig

Zinsen verboten: "Islamic Banking" boomt. Warum westliche Banken noch zurückhaltend sind.

Die potenzielle Kundenschar ist enorm: Mehr als 1,6 Milliarden Muslime gibt es weltweit - und sie wollen ihr Geld anlegen. Dabei steigt der Bedarf an Anlage- und Sparprodukten, die dem religiösen Gesetz der Scharia entsprechen und "halal", also "erlaubt" oder "zulässig" sind. Heißt umgekehrt: Zinsen sind verboten, Investitionen in Glücksspiel, Waffen und Porno ebenso tabu.

Doch westliche Banken zeigen sich zurückhaltend. Auch Österreich hinkt hinterher. Nach Berechnungen der Wirtschaftsberatung Deloitte machen scharia-konforme Anlagen bisher nur ein bis zwei Prozent aller Finanzwerte weltweit aus. Noch.

Denn das Geschäft zieht seit Jahren an.

Markt wächst zweistellig

Deloitte geht davon aus, dass die in islamischen Finanzprodukten verwalteten Mittel bis 2018 von knapp zwei auf etwa 3,4 Mrd. Dollar (2,82 Mrd. Euro) ansteigen werden. In den letzten vier Jahren sei der Markt mit einer Jahresrate von 17,6 Prozent gewachsen. Mehr als 300 islamische Banken und über 750 Investmentfonds bräuchten Finanzdienstleistungen, heißt es in einer Studie. Elf der 20 größten Staatsfonds stammten aus islamischen Ländern - große Erträge aus dem Ölgeschäft müssten investiert werden.

Luxemburg und London buhlen

"Die wachsende muslimische Bevölkerung sucht nach Anlageprodukten, die ihren Bedürfnissen entsprechen", sagt Deloitte-Experte David Capocci. Sein Unternehmen rührt kräftig die Werbetrommel, um Investoren aus islamischen Ländern nach Luxemburg zu locken. Der Euro-Zwergstaat bringt sich als westliches Zentrum für orientalische Geldgeschäfte in Stellung.

Luxemburgs Konkurrenz schläft aber nicht: Großbritanniens Premier David Cameron hat angekündigt, London zur Drehscheibe für islamische Finanzgeschäfte machen zu wollen. Eine britische Staatsanleihe unter Scharia-Recht gibt es bereits.

Nur was einem gehört, darf gehandelt werden

Neben den Umständen, Finanzprodukte nach Scharia-Recht zu konzipieren, schrecken aber auch die mageren Profitmargen ab. Die Beratungsfirma Ernst&Young (EY) hat herausgefunden, dass die Eigenkapitalrendite bei islamischen Banken viel niedriger ist als bei traditionellen Geldhäusern.

Das ist wenig verwunderlich: Das Anlageuniversum ist in der islamischen Finanzindustrie stark eingeschränkt - allein schon nur durch das Tabu, Unternehmen zu finanzieren, die mit Alkohol, Tabak, Rüstung, Schweinezucht sowie der Sex- und Unterhaltungs- oder Glücksspielindustrie zu tun haben.

Streng ausgelegt darf nach Scharia-Recht außerdem überhaupt nichts gehandelt werden, was dem Verkäufer nicht gehört. Dadurch kommen eigentlich nur reale Sachwerte wie Immobilien oder Firmenanteile in Frage. Der für Banken lukrative Billionenmarkt an Derivaten, mit denen auf Kursentwicklungen an den Finanzmärkten spekuliert wird, bleibt hingegen verschlossen. Wegen des Mangels an Anlagemöglichkeiten liegen bei islamischen Banken deshalb in großem Stil Geldreserven brach - die wegen des Zinsverbots aber auch keine Profite bringen und somit in eine Art Ertragsdilemma führen.

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