Wirtschaft 05.12.2011

Investmentprofi: "Aktienkurse sind derzeit zu tief"

Mathias Bauer, Chef des größten heimischen Fondsanbieters RCM, rechnet bis Jahresende mit einem Aufholen der erlittenen Verluste.

Besorgte Kleinanleger haben am Mittwoch die Möglichkeit genutzt, sich am KURIER-Fondstelefon von Mathias Bauer, Vorstandschef der Raiffeisen Capital Management (RCM), über ihre Investments beraten zu lassen. Im Folgenden die wichtigsten Fragen und Antworten.

Börsenchaos: Expertentipps für Anleger

Ich besitze Aktien. Soll ich jetzt verkaufen?
Mathias Bauer: Wer jetzt aussteigt, realisiert nur Verluste. Wer das Geld nicht braucht, ist bei den meisten Unternehmen weiter gut aufgehoben. Die Kurse sind derzeit zu tief, sie entsprechen nicht den Unternehmensgewinnen. Selbst bei einer Abflachung der Wirtschaft und in Folge der Gewinne stehen vor allem heimische Konzerne noch immer gut da und haben viel Geld auf der hohen Kante.

Wann geht es bei den Aktienkursen wieder aufwärts?
Sobald nicht mehr auf jede schlechte Nachricht panisch reagiert wird, sondern die Unternehmen wieder in den Fokus rücken. In den nächsten Monaten werden die Kurse wieder auf das Niveau von vor einem halben Jahr steigen. Viele Aktienkurse werden das Jahr mit einer schwarzen Null abschließen.

Wird es dann wieder so steil nach oben gehen wie nach dem Einbruch 2009?
Das Schlimmste sollten wir zwar hinter uns haben. Es wird aber weiter Schwankungen geben, weil das wirtschaftliche Umfeld unsicher ist. Die Zuwächse werden moderat bleiben, weil auch die Wirtschaft langsamer wachsen wird. Wir werden in der Erwartung der Erträge bescheidener werden müssen.

Ist ein Vergleich mit der wirtschaftlichen Situation von damals zulässig?
Nicht von den ökonomischen Verhältnissen, aber von den Erwartungen der Anleger, dass jetzt alles schlecht wird. Es reicht schon ein Gerücht, etwa über Frankreichs Bonität, und schon wird im großen Stil verkauft.

Bleibt der Euro bestehen?
Ja, auch wenn er eine harte Zeit durchmacht. Eine gemeinsame Währung verlangt aber nach einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik und einer Wirtschaftsregierung, damit die ökonomischen Unterschiede der einzelnen Länder geringer werden. Eurobonds können dazu auch beitragen, haben aber ihren Preis für Deutschland oder Österreich.

Soll ich Gold kaufen?
Bei Gold bin ich skeptisch, weil die Preisentwicklung sehr viel mit der Panik zu tun hat. Sobald man erkennt, dass Euro und Dollar erhalten bleiben, ist der Preis zu hoch. Zudem bringt Gold keinen Ertrag. Wer an ein Auseinanderbrechen der Wirtschaft glaubt, liegt mit Gold richtig. Ich ordne dem Szenario aber nur geringe Wahrscheinlichkeit zu.

Wie soll ich mein Geld veranlagen?
Es gibt keine unsinkbare Schiffe, daher ist eine breite Streuung nötig. Trotz der geringen Verzinsung sollten Sie auf ein Sparbuch nicht verzichten. Besser verzinst - auch als Staatsanleihen - sind Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität. Und bei Aktien halte ich Investments über Fonds in Wachstumsmärkte wie China, Brasilien oder Indien in den nächsten Jahren für am ertragreichsten. Denn dort gibt es hohes Wirtschaftswachstum, ähnlich wie in Osteuropa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011