Inspiration aus Silicon Valley

Interview mit den Geschäftsführern des Innovation …
Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Niko Pelinka und Eveline Steinberger-Kern gründeten den Innovation Club.

Private Initiative will heimische Unternehmen mit den Stars der Szene vernetzen.

Markus Wagner ist vermutlich einer der erfolgreichsten österreichischen Digital-Unternehmer. Der Gründer des Start-up-Inkubators i5invest half 123People, Runtastic, Tripwolf und Mobfox auf die Beine. Im Vorjahr übersiedelte er nach Palo Alto. Den Wiener Start-up-Förderer, bei dem kürzlich Johannes Raidl, Sohn von Nationalbankpräsident Claus Raidl andockte, unterstützt er weiterhin im Advisory Board.

Netzwerker Niko Pelinka, verhinderter SPÖ-Büroleiter von ORF-Chef Alexander Wrabetz und derzeit Geschäftsführer der Kobza Media Group, machte Wagner mit Eveline Steinberger-Kern bekannt. Die ehemalige Spitzenmanagerin (Verbund, Klimafonds, Siemens) arbeitet mit ihrem Unternehmen "The Blue Minds Company" an vielversprechenden IT-Innovationen im Energiebereich.

Die drei beschlossen, etwas für den Wirtschaftsstandort Österreich zu tun. Silicon Valley ist der dynamischste Hotspot weltweit. Wo Kreativität und Innovation sind, fließt das Geld hin. 25 Milliarden US-Dollar, ein Viertel des gesamten Venture-Capitals weltweit, wurden im Vorjahr in die Hightech-Region gepumpt.

Das Trio gründete den "Innovation Club". Mit dem Ziel, österreichischen Unternehmen die Welt des Silicon Valley zu öffnen. Heimischen Firmen wird angeboten, in mehrtägigen Touren in Kleingruppen spannende Unternehmen im Silicon Valley zu besuchen. Quer über die Branchen. Ansprechpartner sind die obersten Führungsetagen.

Der Club vermittelt auch Trainee-Programme für junge Mitarbeiter in den Innovationsabteilungen und High-Potentials. Zudem will man Unternehmer aus dem Valley zu Vorträgen und Diskussionen nach Österreich holen.

"Die alten Geschäftsmodelle funktionieren teilweise nicht mehr. Innovationskultur pflanzt man aber nicht von heute auf morgen in ein Unternehmen. Nicht im eigenen Saft schmoren, sondern hinausgehen und sich mit anderen Branchen austauschen", sagt Steinberger-Kern. "Nur kopieren wäre naiv, wir wollen den Unternehmen die Möglichkeit bieten, Innovation bei den Besten der Welt direkt zu erleben", assistiert Pelinka.

Strikt überparteilich

Trotz der Nähe Pelinkas zur SPÖ sieht sich der Club strikt überparteilich. Er könne "allen Politikern nur wärmstens empfehlen, sich Silicon Valley dringend anzuschauen", konstatiert Pelinka der etablierten Politik in Europa, "auf die unglaubliche Transformation des Wirtschaftssystems" noch keine ausreichenden Antworten zu haben. "Das Thema hat mit Parteipolitik nichts zu tun. Wenn wir uns nicht alle gemeinsam anstrengen, können wir im Rückspiegel bald sehen, wie Österreich überholt wird", argumentiert Steinberger-Kern.

Markus Wagner… Foto: /I5invest, BF Consult, Elfriede Kraft Markus Wagner Wagners Lebensgefährtin Laura Rudas hat übrigens gerade ihr Master-Programm in Stanford abgeschlossen. Sie soll bereits einige attraktive Jobangebote im Valley haben.

"Go Silicon Valley"

Bereits seit sechs Jahren helfen Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und das Wirtschaftsministerium österreichischen Unternehmen, die im Silicon Valley ins Geschäft kommen wollen. Von 85 Firmen, die bis dato teilgenommen haben, gründeten 16  Niederlassungen. Die  Headquarter sind nach wie vor in Österreich.

Sechs Unternehmen bekamen Zugang zu Venture Capital (Risikokapital), zwei davon wurden später übernommen.  Fast alle Unternehmen änderten nach der Rückkehr nach Österreich ihre Business-Pläne. Die Mehrheit der Teilnehmer, die von einer US-Jury aus Business Angels und Venture-Capital-Investoren ausgewählt werden, plant den Markteintritt in den USA, weiß Rafael Rasinger von der Außenwirtschaft der WKO. Alle Teilnehmer hätten von der Reise ins Valley profitiert, „sie lernten wie Start-ups funktionieren“. Auch Trainees werden unterstützt. Im Herbst wird das nächste Kandidaten-Casting beginnen.

Mittlerweile haben die rund 23.000 Firmen im Valley allerdings ein ziemliches Problem, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Das Durchschnittsgehalt für einen Mitarbeiter im High-Tech-Bereich ist mit 190.000 Dollar drei Mal höher als im Rest Kaliforniens und 4,5-mal höher als im US-Durchschnitt. Da hätte Österreich einen Wettbewerbsvorteil, meint Rasinger. ÖVP-Außenminister Sebastian Kurz, der im Mai Start-ups besuchte, will im Silicon Valley eine neue diplomatische Präsenz eröffnen.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?