Industriemetalle nehmen Abschwung vorweg

Kupfer und sein Preis gelten als Frühindikatoren für die Konjunktur.
Foto: APA/Marcus Brandt

Kupfer, Zink & Co.: Sinkende Nachfrage bei Industriemetallen lässt auf geringeres Wachstum schließen.

Wie geht es mit der Weltwirtschaft weiter? Zahlreiche Wirtschaftsforscher haben ihre Prognosen in den vergangenen Wochen nach unten revidiert, an den Börsen herrscht Skepsis. Glaubt man einem Experten, der bisher oft recht behielt, sind die Aussichten recht trübe: Dr. Kupfer. Das Industriemetall wird aufgrund seiner häufigen Verwendung in der Industrie weltweit als wichtiger Frühindikator für die künftige Wirtschaftsentwicklung gesehen. Seit Mitte Juli fiel der Preis für eine Tonne Kupfer von 9800 auf 8800 Dollar. Von den 3000 Dollar im Jahr der Finanzkrise 2008 ist man freilich noch meilenweit entfernt.

"Die Preise für Industriemetalle sind weniger Angebot-, als primär Nachfrage-getrieben", erklärt Clemens Klein, Manager des Rohstoffaktienfonds der Erste Sparinvest. "In den vergangenen drei Wochen hat sich die Stimmung an den Märkten gedreht hin zu einem deutlichen Abwärtstrend." Nachsatz: "Aber Kupfer hat sich noch ganz gut gehalten." Die Entwicklung in den nächsten Wochen wird laut Klein vor allem von der Geldpolitik der Zentralbanken abhängen. "Wenn die US-Notenbank die Geldpolitik erneut lockert, wird das die Märkte positiv beeinflussen", glaubt Klein, der einen Zufluss von spekulativem Geld erwartet.

Investments

Kupfer und sein Preis gelten als Frühindikatoren für die Konjunktur. Foto: APA/Marcus Brandt Kupfer und sein Preis gelten als Frühindikatoren für die Konjunktur.

Konjunkturdaten und billiges Geld sind die beiden Parameter, die die Rohstoffmärkte bewegen und für kräftige Ausschläge sorgen. Anleger können mittels Terminkontrakten auf die Preisentwicklung wetten, Aktien großer Rohstoffkonzerne wie Glencore, Vale, Aurubis oder Anglo American kaufen oder auf Zertifikate setzen. Vor allem Exchange Traded Commodities (ETC) - mit dem jeweiligen Rohstoff besicherte Finanzprodukte - erlebten im Sommer einen Aufwind durch Anleger, die sich gegen Inflationsrisiken absichern wollten.

Die Gewinnchancen im Rohstoffmarkt sind außergewöhnlich, allerdings auch die Verlustrisiken: Die hohe Volatilität lockt Spekulanten, und bei Hebelprodukten wie Termingeschäften droht der Verlust von mehr als dem eingesetzten Geld. Doch sind es meist die Rohstoffmärkte, die als erste nach einer Krise wieder boomen. Fondsmanager Klein verweist auf ausgezeichnete Kauf-Chancen im vergangenen Sommer: "Als die Stimmung am schlechtesten war, gab es tolle Einstiegschancen." Laut Hamburgischem Weltwirtschaftsinstitut legten die Rohstoffpreise 2010 um 31 Prozent zu, bei Kupfer, Zink oder Agrarrohstoffen fiel das Plus noch stärker aus. Bei den Agrarrohstoffen entspannten sich mit positiven Ernteaussichten im ersten Halbjahr die Preise, doch mittlerweile klettert die Notierung für Mais wieder nach oben. "Die Ernteprognose in den USA wird wegen Trockenheit permanent nach unten revidiert."

(kurier) Erstellt am
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