Wirtschaft 18.03.2016

Industrie fordert neue HTL für Wasserwirtschaft

Die Wasserwirtschaft hat großes Ausbau-Potenzial - nur fehlen die Techniker © Bild: APA/dpa-Zentralbild/Jens Büttner

Ein Drittel der österreichischen Betriebe hängt vom Wasser ab, 1000 Wasser-Techniker fehlen pro Jahr.

"Wasser ist der Ursprung aller Dinge", das wusste schon der griechische Philosoph und Mathematiker Thales von Milet. Doch man muss kein griechischer Philosoph sein, um die volkswirtschaftliche Wichtigkeit des Wassers in Österreich zu erkennen. Rund 118.250 Personen arbeiten hierzulande mit oder am Wasser: in der Wasserver- und Abwasser-Entsorgung, in der wassernutzenden Industrie, im Bereich Wasserkraft und in Wassertechnologie-Betrieben. Allein die Trinkwasserversorgung umfasst 5500 Unternehmen.

Rund ein Drittel aller heimischen Industriebetriebe nutzt beziehungsweise benötigt das kühle Nass für die Produktion – und das in großen Massen. Dazu zählen die Textil- und Papierindustrie, die Lebensmittel- und Pharma-Konzerne, die chemischen und metallerzeugenden Betriebe sowie die Glashersteller. Unterm Strich werden mit Wasser jährlich Produktionswerte in Höhe von 41 Milliarden Euro geschaffen, die Wertschöpfung beträgt fast zehn Milliarden Euro. Detail am Rande: Tatsächlich werden derzeit in Österreich nur 3,2 Prozent der Wassermenge, die zur Verfügung steht, von Haushalten, Gewerbe und Landwirtschaft genutzt.

20 Millionen für Forschung

"Wasser ist ein sehr wesentlicher Wettbewerbsfaktor für die Industrie, daher haben wir uns für 2016 vorgenommen, dem Thema Wasser einen Schwerpunkt zu setzen", sagt Peter Koren, Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV). Ähnlich dem Klimafonds schwebt Koren ein eigener Forschungsfonds insbesondere für die Wasseraufbereitung und Rückgewinnung vor. Rund 20 Millionen Euro sollte dieser Forschungstopf schwer sein. Außerdem sollen die hohen österreichischen Wasserstandards auch auf EU-Ebene umgesetzt werden.

"Wir stehen zu den Grenz- und Toleranzwerten für die Industrie", sagt Koren. Einzelne EU-Länder haben aber mit den österreichischen Standards gar keine Freude. Zugleich gibt es das Problem, dass in Österreich zugelassene Wassertechnologien damit noch nicht auch gleich in anderen EU-Ländern zugelassen sind. Hier könnte eine Exportförderung den heimischen Tech-Unternehmen unter die Arme greifen.

Ausbau der Wasserkraft

Laut Industriellenvereinigung sollen auch die Wasserkraft-Ausbaupläne der Energiewirtschaft ermöglicht werden. "Wir wollen den Ausbau der erneuerbaren Energien in Österreich, aber das wird ohne zusätzliche Wasserkraft nicht gehen", sagt Koren. "Ein Investment von 100 Millionen Euro in Wasserkraft bringt 850 neue Beschäftigte." Dieser Ausbau wird derzeit aufgrund des unattraktiven Strompreises von den Energieversorgern aber eher nicht verfolgt. Generell fordert Koren statt einer Dauerförderung (Einspeisetarife) eine einmalige Anschubförderung für erneuerbare Energieprojekte. Geht es nach ihm, sollten schon in den Schulen die technischen bzw. naturwissenschaftlichen Zweige um das Fach "Wasser" bereichert werden – vor allem in den Höheren Technischen Lehranstalten (HTL).

"Wir treten für eine Stärkung der HTL ein, denn zwei Drittel der Techniker kommen aus der HTL", sagt Koren. "Wir wollen gemeinsam mit den Unternehmen ein Konzept für eine HTL für Wasserwirtschaft entwickeln." Denn: Der Wasserwirtschaft fehlen jährlich rund tausend Uni-Absolventen. Diese Lücke schließen derzeit die HTL-Abgänger.

( kurier.at ) Erstellt am 18.03.2016