Wohnen
13.03.2018

Was tun, wenn es stinkt?

Faule Eier, Kuhstall, Fisch oder Urin – die geschriebenen Wörter rufen den unangenehmen Geruch, der ihnen anhaftet, schnell ins Gedächtnis.

Im Badezimmer riecht es nach Kuhstall. Und das mitten in der Stadt. Was zunächst für Verwunderung sorgt, ist zur Erleichterung von Nase und Geruchssinn schnell geklärt: Die neue Seife ist zwar ohne Palmöl, dafür aber mit eigenwilligem Aroma gekommen.

In den meisten Fällen findet sich die Ursache für penetranten Gestank im Wohnraum aber nicht so schnell. Das bestätigt Geruchsgutachter Peter Tappler. Er ist Präsident im Bundesverband für Schimmelsanierung und technische Bauteiltrocknung.

Kurioser Gestank

Einer der kuriosesten Fälle, die Tappler erlebt hat, war auf einen beißenden Gestank nach Fisch und Urin in einem Modegeschäft zurückzuführen. Dieser Geruch werde häufig von feuchter Glaswolle erzeugt, die unter dem Boden verlegt ist. "Ich war mir sicher, dass es daran liegt. Es hat sich aber herausgestellt, dass Handwerker eine Ecke des Baus als Pissoir verwendet haben und der Gestank hat sich seinen Weg durch den darübergelegten Bitumenboden gebahnt", so Tappler.

Bei einem anderen Einsatz meldete ein älteres Ehepaar, aus der darüberliegenden Nachbarwohnung würden Drogendämpfe kommen. "Wir konnten durch eine analytische Messung nachweisen, dass Lösungsmittel aus Klebern und Oberflächenbeschichtungen aus der Decke dampften", erzählt er. Bei Geruchsbelästigung durch die Nachbarn empfiehlt Tappler den Wohnraum, aus dem beispielsweise Zigarettenrauch austritt, besser abzudichten.

Geruchsgutachter im Einsatz

Auf Geruchsbeschwerden reagiert Tappler immer gleich: Am Anfang steht die Frage, an was der Geruch erinnert. "Aus den Antworten lassen sich wertvolle Infos ableiten und darauf folgt eine Begehung eines Geruchsgutachters." Dabei wird zuerst einmal gerochen. Im Anschluss saugt ein Gerät die Raumluft an und testet die Qualität. Wenn dieser Vorgang keine Ergebnisse bringt, dann wird unschädliches Tracer-Gas freigesetzt, um undichte Stellen in den Wänden ausfindig zu machen.

Schimmel und Kanal

Muffiger Geruch entsteht oft durch versteckte Feuchtigkeit. Tappler: "Alte Wände werden oft mit einer Vorsatzschalung verschönert. Wenn die Wand dahinter nass war, entsteht Schimmel und der macht sich nach einiger Zeit durch muffigem Geruch bemerkbar. "Weit verbreitet ist auch Kanalgeruch im Badezimmer. Hier ist der Grund allerdings zu wenig Feuchtigkeit. "Wird in den trockengelaufenen Siphon wieder Wasser gefüllt, ist das Problem gelöst", sagt er. Riecht es nach faulen Eiern, liegt das entweder an vergessenen Ostereiern oder an verdorbener Wandfarben. Bei beiden Prozessen entstehen ähnliche Schwefelverbindungen.

Teer und Kuhstall

"Teergeruch kommt oft bei Renovierungen alter Häuser vor", so der Experte. Bis in die 1970er Jahre wurde Teer im Bau verwendet. Werden Wände abgerissen, tritt der Geruch aus. Eine ganz andere Thematik ist Kuhstallgeruch "Wir hatten eine Bäckerei, die dieses Problem im Winter und bei Regen häufig gemeldet hat", so Tappler. Der Grund dafür war nasser PVC-Boden.

Aber auch in Lüftungsschächten verendende Tauben oder Mäuse können der Grund für schlechten Geruch sein, denn sie mumifizieren sich selbst. Problematisch werde das erst, wenn sie mit Feuchtigkeit in Verbindung kommen. "Denn dann verfaulen sie", sagt Tappler.

Warum wird man Geruchsgutachter?

Peter Tappler war vor 28 Jahren selbst mit unangenehmem Geruch im Wohnraum belastet. Der Boden war nicht giftig, habe aber fürchterlich gestunken. Studien zeigen, dass Menschen, die Gestank im Wohnraum ausgesetzt sind, an Symptomen wie Kopfschmerzen, Schleim- und Bindehautreizungen leiden. Tappler: "Diese Scheinerkrankung heißt Toxikopie."