Wo der Luxus wohnt

Penthouse in Wien von Marschall Immobilien…
Foto: Marschall Real Estate Offene Kamine und Original-Wandvertäfelung: Imperiales Ambiente in Wien.

Wer richtig viel Geld hat, lässt sich an den besten Adressen nieder: Heimische Hot-Spots im Luxussegment und gehobene Anwesen, die derzeit zum Verkauf stehen.

Das teuerste Einfamilienhaus der Welt ist 173 Meter hoch und steht in Mumbai, einer der ärmsten Städte Indiens: Das Hochhaus des indischen Milliardärs Mukesh Ambani beansprucht mit 27 Stockwerken und 37.000 Quadratmeter  Wohnfläche mehr Platz als Schloss Versaille. 50 bis 70 Millionen US-Dollar soll der Bau gekostet haben. Dafür spielt er alle Stückerln: In den oberen vier Etagen wohnt die Familie mit drei Kindern. Darunter gibt es ein Kino, mehrere Indoor-Pools, Fitness-Räume, einen Ballsaal, eine Panoramaterrasse mit Blick auf das Arabische Meer und die Skyline von Mumbai, Gäste-Apartments, drei Helikopter-Landeplätze, eine Flugverkehrskontrolle und, und, und. Die unteren sechs Etagen dienen als Parkhaus mit 168 Stellplätzen für die Familie und ihre Gäste.

Villa Sievering/ Avantgarde Properties… Foto: Hertha Hurnaus Sieben Schlafzimmer, acht Garagen: Villa in Alt-Sievering (Avantgarde Properties). Seit der Antilia-Turm 2010 fertiggestellt wurde, führt er die Hit-Liste der teuersten Immobilien weltweit an. Der Wert wird auf bis zu eine Milliarde US-Dollar geschätzt. "Super Homes wie diese sind hierzulande nicht zu finden", sagt Peter Marschall, Inhaber von Marschall Immobilien. "Der Markt in Österreich spielt in einer anderen Liga, allein schon aufgrund der Kaufkraft." Die meisten Luxus-Interessenten finden sich für Immobilien von 2,5 bis 5 Millionen Euro. Ab 10 Millionen Euro werden die potenziellen Käufer weniger. Marschall: "Bei 20 bis 25 Millionen Euro ist die Obergrenze erreicht. Alles darüber sind seltene Ausreißer."

Seegrundstück Wörthersee/ Seidl Immobilien… Foto: Seidl Immobilien Eine echte Rarität: Grundstück am Millstätter See mit 100 Meter Uferlänge. Der Kärntner Immobilienmakler Günther Seidl kann sich an einen solchen Super-Deal erinnern: "Vor einigen Jahren wurde in Pörtschach ein 5500 Quadratmeter großes Ufergrundstück am Wörthersee für 21 Millionen Euro verkauft." Im Vergleich dazu mutet die Seeliegenschaft des verstorbenen austroamerikanischen Milliardärs Gerhard Andlinger, die vor Kurzem am Attersee verkauft wurde, beinahe als Schnäppchen an: Das 29.000 Quadratmeter große Ufergrundstück wechselte für 18 Millionen Euro den Besitzer. "Faktoren, die den Wert beeinflussen, sind die Uferlänge, die Grundstücksgröße, die Bebauungsmöglichkeit und die Widmung – also ob ein privater Wohnbau möglich ist oder nur touristische Projekte realisierbar sind", erklärt Seidl.

Villa Sievering/ Avantgarde Properties… Foto: Hertha Hurnaus/Avantgarde Properties Den Besitzern der Sieveringer Villa wird das Leben mit einem Pool und einem Poolhaus versüßt. Wie Luxus aussieht, ist in erster Linie eine Geschmacksfrage und hat viel mit persönlichen Vorlieben zu tun. Eine gewisse Größenordnung, was den Kaufpreis betrifft und bestimmte Alleinstellungsmerkmale wie Uneinsehbarkeit und ein freier Ausblick sind jedoch gute Anhaltspunkte. "Das Objekt muss einen Top-Standort haben, das ist die Grundvoraussetzung", sagt Elisabeth Karoly von Avantgarde Properties. Das kann der Sonnberg in Kitzbühel, das Nordufer am Wörthersee oder die von Villen gesäumte Wiener Himmelstraße sein. "Leute, die Geld haben, suchen ein Umfeld, in dem man unter sich ist. Die Nachbarschaft ist sehr bedeutend", sagt Marschall. Auch auf die Infrastruktur kommt es an. "Schlösser in der Pampa sind unattraktiv, man will nicht stundenlang mit dem Auto fahren. Es wird die Nähe zur Metropole bzw. zu einem Flughafen gesucht."

Villa Cottageviertel/ Marlies Muhr… Foto: Marlies Muhr Immobilien Blick in die Küche einer renovierten Jugendstilvilla aus 1924 im 18. Bezirk. Das A und O ist auch eine hochwertige Ausstattung. "Marmor alleine genügt im Badezimmer nicht mehr. Es kommt darauf an, welcher Marmor und ob ein Soundsystem vorhanden ist, ob es einen Fernseher vor der Wanne gibt und ob diese beheizbar ist, ebenso wie die Wände und Böden", erzählt Karoly. Ebenso müssen Garagen in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Ein Lift, der direkt in die Wohnung führt ist heute ohnehin selbstverständlich.

Auch die Digitalisierung macht vor dem Hochpreissektor nicht halt. Karoly: "Die elektronische Ausstattung ist entscheidend. Kunden möchten ihre Immobilie von überall aus steuern können. Das bedeutet Luxus heute." Während die Ansprüche steigen, sinkt die Kompromissbereitschaft, sagt Peter Marschall: "Extreme Dachschrägen bei Penthouse-Wohnungen sind ein No-Go. Zudem sollten die Wohnbereiche und die Terrasse auf einer Ebene sein. Treppen sind ebenfalls unerwünscht. Wenn sich das Apartment schon über mehrere Geschoße erstreckt, müssen alle Ebenen über Lifte erreichbar sein."

Villa Ralf Schumacher Salzburg… Foto: /Marlies Muhr Immobilien Promiflair: Ex-Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher verkauft sein Anwesen bei Salzburg. Wer sich das Leben auf höchstem Niveau leisten kann? "Hauptsächlich Inländer", sagt Marschall. Das bestätigt der Otto Immobilienbericht: 84 Prozent der Käufer im Luxussegment stammen aus Österreich. Die restlichen Käufe werden aus anderen EU-Staaten, allen voran aus Deutschland, der Schweiz, Russland und Saudi-Arabien getätigt. Lange Zeit waren Käufer aus den GUS-Ländern die treibende Käufergruppe. Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Marschall: "Die Nachfrage der Russen geht seit einigen Jahren drastisch zurück, nicht zuletzt wegen der EU-Sanktionen. Sie hinterlassen ein großes Loch, denn sie waren bereit, den mühsamen bürokratischen Weg zu gehen, den Nicht-EU-Bürger auf sich nehmen müssen, um in Österreich eine Immobilie erwerben zu können. Den Asiaten sind diese Hürden viel zu mühsam. Die investieren eher in London, wo es ihnen weniger schwergemacht wird."

Blickt man sich in Wien um, könnte man meinen, die Zeiten für Immobilien zu Höchstpreisen stehen gut. So werden gerade eine Reihe prestigeträchtiger Objekte innerhalb des Rings fertiggestellt: Etwa in der ehemaligen k.k. Telegrafen Centrale am Börseplatz, im Palais Schottenring Vienna oder im Post Palais im Stubenviertel. Marschall: "Der Wiener Markt ist von einem großen Angebot und einer schwachen Nachfrage dominiert. Viele Objekte wurden projektiert, als der Markt noch geboomt hat." Wer also über das nötige Kleingeld verfügt, darf sich zur Zeit über eine besonders große Auswahl an noblen City-Immobilien freuen.

Teure Pflaster rund um den Globus

Wo die Welt-Geld-Elite daheim ist

Antilia Ambani building the world s most expensive Foto: imago/robertharding/imago stock&people Der 'Antilia Turm' in Indien ist das teuerste Einfamilienhaus der Welt. Lange Strände, coole Klubs und warmes Klima: Die Superreichen zieht  es an die US-Ostküste. Genauer gesagt nach Miami, wo die Nachfrage nach exklusiven Immobilien 2017 am höchsten war. Durchschnittlich 2,7 Millionen Euro haben die Reichen für ein neues Zuhause an der Gold Coast ausgegeben. Das hat die Jahresauswertung von LuxuryEstate.com ergeben, einer Online-Plattform, die mit rund 400.000 Objekten in 120 Ländern die größte Auswahl an exklusiven Immobilien weltweit bietet. Anders verhält es sich beim Zweitplatzierten New York: Der Big Apple zählt mit durchschnittlich 4,1 Millionen Euro pro Immobilie zu den teuersten Städten der Welt. In Europa interessierten sich die Millionäre der Welt am meisten für London, die mit durchschnittlich 3,2 Millionen pro Immobilie auf US-Niveau liegt.

Wie teuer prominente Adressen sind, ermittelt die Immobilienberatungsgesellschaft Knight Frank. Für den „11. Wealth Report“ wurden 100 Standorte weltweit analysiert. Demnach sind Monaco, Hong Kong und New York die teuersten Pflaster rund um den Globus. Festgestellt wird das anhand des „Piri-Index“ (Prime International Residential Index), mit dem ermittelt wird, wie viele Quadratmeter man für 1 Million US-Dollar bekommt: So erhält man in Monaco 17 m², Hongkong 20 m², New York 26 m², London 30 m². Zum Vergleich: In Wien bekommt man für’s gleiche Geld 49 m² Wohnfläche geboten.  

Interview

„Immobilien sind Frauensache“

Marlies Muhr vermittelt seit über 20 Jahren Luxusimmobilien in Österreich

KURIER: Sind Immobilien für Reiche auch künftig das Anlagemittel der Wahl?
Marlies Muhr: Häuser, Wohnungen oder Grundstücke  sind  nach wie vor  ein  sehr beliebtes Investment. Besonders  Frauen nehmen das  Thema sehr ernst. Sie können besser damit umgehen als mit anderen Anlageformen.  Immobilien sind angreifbar und verleihen Sicherheit. Man weiß, was man hat  und kann sie an Kinder weitergeben. Es sind bleibende Werte – auch, wenn man  heute nicht mehr  für die Ewigkeit kauft,  so wie früher.  Wohnobjekte kommen wieder schneller auf den Markt als noch  vor zehn oder 15 Jahren. Bedingt durch die Schnelllebigkeit, Scheidungen oder häufige Arbeitsplatz- und Wohnortwechsel  spielt die Lage  im Luxussegment daher eine noch wichtigere  Rolle. Ändert sich die Lebenssituation, wollen viele verkaufen –  und das ist einfacher, je besser die Lage ist.

Marlies Muhr Immobilien… Foto: /Caro Strasnik Marlies Muhr vermittelt Immobilien an drei Standorten in Wien, Salzburg und Kitzbühel. Werden Lagen wie Kitzbühel oder das Salzkammergut auch in Zukunft teuer bleiben? Oder merken Sie, dass sich neue Top-Adressen etablieren?
Diese Gegenden werden sicher auch weiter sehr beliebt bleiben. Aber das Angebot ist dort begrenzt. Städte wie Salzburg und Innsbruck sind  durch die Berge eingekesselt –  und den Boden können wir nicht vermehren. Erweiterung ist daher kaum möglich, wodurch die Preise  für Grund und Boden auch weiter steigen.  

Wo kann man noch echte Schnäppchen machen?
Was das Skifahren betrifft, tun sich einige neue Regionen hervor: Etwa Gastein, das endlich aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst wurde und wo sich in den nächsten Jahren viel bewegen wird. Durch den Gletscher (Sportgastein, Anm.)  ist hier auch die Saison verlängert. In Tirol sind Orte wie  St. Ulrich-Fieberbrunn besonders attraktiv, da sie durch neue Liftangebote mit großen Skigebieten wie  etwa Hinterglemm verbunden sind. Mittersill ist durch seine  Verbindung vom Tal direkt in Bergwelt interessant. Und Hollersbach ist durch die Nähe zu Kitzbühel, Saalbach und das Kitzsteinhorn mittlerweile eine gute Adresse. All das ist aber eher für Leute, die sich zurückziehen wollen und das Schickimicki weniger brauchen.

Chalet Hollersbach/ Marlies Muhr Immobilien GmbH… Foto: /Marlies Muhr Immobilien GmbH Hollersbach in Tirol zählt zu den aufsteigenden Gegenden. Diese Chalets werden gerade gebaut. Wonach ist die Nachfrage derzeit  besonders groß?
Wir spüren eine starke Tendenz zu den heimischen  Seen. Die Sehnsucht ins Salzkammergut, das mit kristallklarem Wasser und einem hohen Freizeitwert lockt, nimmt zu. Viele erinnert das an ihre Kindheit zurück, wo sie eine schöne Zeit verbracht haben. Am Attersee sind die Nachfrage und der Preis  sehr hoch, es gibt aber kaum verfügbare Immobilien. Viele Kunden weichen daher auf den benachbarten Traunsee aus und lassen sich dort nieder.

Was ist das wichtigste in Ihrem Geschäft?
Unser Auftrag ist es, Kunden nicht nur bis zur Vertragsunterfertigung sondern darüber hinaus zu begleiten. Türe auf und zu sperren, das reicht nicht. Käufer und Verkäufer müssen sich bei uns gut aufgehoben fühlen. Das ist ein wichtiger Aspekt, vor allem bei internationalem Klientel. Ein Kunde aus dem Ausland weiß ja zum Beispiel nicht, was nach dem Kauf einer Immobilie alles zu  tun ist – etwa wo man den Strom anmeldet oder wo man gute Handwerker herbekommt.   Außerdem wird die Selektion immer wichtiger: Kunden wollen nicht mit Informationen zugeschüttet werden. Man muss den Interessenten gut zuhören, ihre  Wünsche analysieren, konzentriert danach suchen und entsprechende Angebote vorlegen. Das schätzen internationale Kunden sehr. 

(kurier) Erstellt am
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