Wirtschaft | Immobiz
17.01.2013

Nette Nachbarn oder Tyrannen von nebenan?

Lärm und Gestank, Haustiere und Baumaßnahmen: Ein neuer Ratgeber informiert über die häufigsten Streitpunkte und die besten Lösungen.

Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn – versprach einst ein Werbespot für ein Geschirrspülmittel. Und wenn nicht? Was tun, wenn der Nachbarn nicht nett, freundlich und hilfsbereit ist, sondern eine richtige Nervensäge?

Lärm ist einer der häufigsten Gründe für Streit unter Nachbarn. Die einen ärgern sich über feiernde Studenten oder schreiende Kinder, die anderen über bellende Hunde oder zu laute Rasenmäher. Wer wegen nächtlicher Ruhestörung nicht schlafen kann, ruft am besten die Polizei. Die Beamten klären dann vor Ort, ob der Wirbel das ortsübliche Ausmaß übersteigt. Ist es zu laut, droht dem Störenfried eine Geldstrafe.

Grundsätzlich gilt: Zwischen 22.00 und 6.00 Uhr sind lärmende Tätigkeiten ebenso zu vermeiden wie in der Mittagszeit zwischen 12.00 und 15.00 Uhr. Auch an Sonn- und Feiertagen sollte man den Rasenmäher und die Bohrmaschine lieber nicht hervorholen. Zusätzlich gibt es in manchen Hausordnungen Regelungen zu Ruhezeiten. Außerdem ist in vielen ortspolizeilichen Verordnungen der Gemeinden festgelegt, wann lärmerzeugende Garten- und sonstige Arbeitsgeräte verwendet werden dürfen. Doch nicht nur Lärm erregt die Gemüter. Immer mehr Bewohner leiden unter dem Rauch von Nachbars Zigarette. „Wenn dieser am Balkon raucht und der Qualm beim Fenster hereinzieht, kann man nichts machen. Denn man kann dem Nachbarn das Rauchen nicht verbieten“, erklärt Barbara Walzl-Sirk, Wohnrechtsexpertin und Obfrau des Mieterschutzverbandes. „Wenn aber die Schwaden durch die Lüftungsanlage in die Wohnung ziehen, sollte man sich an die Verwaltung wenden und die Lüftung überprüfen lassen.“

Auch Die Nutzung der allgemeinen Flächen ist in vielen Häusern ein umstrittenes Thema: Diskussionen gibt es zum Beispiel über die Aufteilung der Parkplätze, über die Waschküche, die ständig belegt ist oder das Stiegenhaus, das nicht ordentlich geputzt ist. Bewohner von Einfamilienhäusern haben diese Sorgen nicht. Sie streiten eher über die Katze, die schon wieder das Blumenbeet mit dem Katzenklo verwechselt hat, über den Baum, dessen Äste über den Gartenzaun ragen, oder über die hohe Hecke, die dem eigenen Rasen das Licht wegnimmt.

Wer ein Einfamilienhaus wegen der guten Aussicht gekauft hat, wird wenig Freude haben, wenn diese verbaut wird. „In einem Bauverfahren hat der Nachbar Parteistellung und daher die Möglichkeit, seine Einwände im Baubewilligungsverfahren vorzubringen“, sagt Walzl-Sirk.

Wer sich über seinen Nachbarn ärgert, sollte zuerst versuchen, mit ihm über das Problem zu sprechen. Vielleicht findet sich eine Lösung, mit der alle zufrieden sind. „Ein Mieter hat sich beschwert, dass die Mieterin in der Wohnung darüber beim Blumengießen immer seinen Balkon unter Wasser setzt. Jetzt gießt die Dame ihre Blumen nur am Vormittag, wenn der andere im Büro ist“, erzählt Walzl-Sirk.

Hilft ein klärendes Gespräch nicht, kann man eine Besitzstörungs- oder eine Unterlassungsklage beim zuständigen Bezirksgericht einbringen. Oft reicht es schon, eine Klage nur anzudrohen. Denn der Weg zu Gericht führt nicht immer zum gewünschten Ergebnis.

Man muss sich dessen bewusst sein, dass es am Ende einer Verhandlung einen Gewinner und einen Verlierer gibt und damit der nächste Streit oft schon vorprogrammiert ist. Jeder Konflikt hat also eine Geschichte. Gerade bei Nachbarschaftsstreitigkeiten geht es in Wahrheit oft um Missverständnisse oder Kränkungen. Hier kann eine Mediation helfen.

Dabei wird gemeinsam aufgearbeitet, was hinter dem Konflikt steht. Und die Betroffenen können aktiv an der Lösung mitarbeiten. Es müssen allerdings alle Beteiligten aktiv mitmachen und vor allem rechtzeitig die Hilfe eines Mediators in Anspruch nehmen. Helfen weder Mediation noch Gerichtsverfahren, wird man mit dem bösen Nachbarn leben müssen. Meistens jedenfalls. Denn in Extremfällen können unangenehme Zeitgenossen ihre Wohnung verlieren.

Mieter können gekündigt werden, wenn sie ein besonders unleidliches Verhalten an den Tag legen. Bei Wohnungseigentümern funktioniert das nicht, doch in Extremfällen müssen auch sie ausziehen: Wenn ein Miteigentümer andere Bewohner oder allgemeine Teile des Hauses schädigt oder seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt, können die anderen eine Ausschlussklage gegen ihn einbringen. Kann man ein gravierendes Fehlverhalten des Eigentümers beweisen, könnte das Gericht die Versteigerung des Wohnungseigentumsobjektes verfügen. Doch Vorsicht: Ein solches Verfahren ist nicht leicht zu gewinnen und sollte daher nicht leichtfertig angestrebt werden.