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Immobilien
05/28/2013

Rekordpreise für Eigentumswohnungen

Innerhalb von zehn Jahren sind die Kosten in Wien um fast 40 Prozent gestiegen.

von Ulla Grünbacher

Mehr Zuzug, mehr Singlehaushalte und weniger geförderte Neubauten: Diese Mixtur hat die Wohnungspreise in Österreichs Ballungszentren in die Höhe schnellen lassen. Das Ergebnis: Leistbare Wohnungen sind knapp, Wenigverdiener finden kaum passende Angebote.

Besonders schwer haben es Wohnungssuchende derzeit in Wien und Salzburg. Die Immobilienpreise galoppieren davon. „Immobilien sind die einzige Geldanlage, die vor einem Totalverlust schützt, das haben die Leute erkannt“, sagte Thomas Malloth, Obmann des Fachverbandes der Immobilientreuhänder bei der Präsentation des Preisspiegels. In Wien kosteten neue Eigentumswohnungen durchschnittlich 3600 Euro pro m², ein Plus von mehr als neun Prozent in nur einem Jahr. Den höchsten Preisanstieg gab es aber in Salzburg mit über 14 Prozent. Um durchschnittlich 2950 Euro pro werden dort gebrauchte Wohnungen gehandelt. „In Salzburg wurde in den letzten Jahren nichts mehr gebaut, das hat die Preise in die Höhe getrieben“, erklärt Malloth.

Besonders deutlich wird das Ausmaß des massiven Preisanstiegs bei einem 10-Jahres-Vergleich. Um durchschnittlich 40 Prozent sind Eigentumswohnungen in Wien seit 2003 in die Höhe geschnellt. Österreichweit waren es knapp 32 Prozent.

Mieten

Moderater zeigt sich der Preisauftrieb bei den Wohnungsmieten. Am deutlichsten sind die Mieten (frei vereinbarter Mietzins im Neubau) im Vorjahr mit knapp sechs Prozent auf 8,16 Euro pro m² netto (ohne Betriebskosten) in Vorarlberg gestiegen. In Wien erhöhten sich die Mieten um 3,76 Prozent auf 9,11 Euro pro m². In den vergangenen zehn Jahren sind die Mieten im Österreich-Durchschnitt um knapp 21 Prozent gestiegen, in Wien um 24,11 Prozent.

Auch Baugrundstücke, lange Jahre auf demselben Niveau dahindümpelnd, haben 2012 preislich zugelegt. Das größte Plus gab es mit knapp 14 Prozent in der Steiermark – allerdings kostet hier der Quadratmeter Baugrund nur durchschnittlich 76 Euro, erläutert der Immobilientreuhänder Gerald Gollenz. Auch in Salzburg haben sich die Baugründe um fast zehn Prozent auf durchschnittlich 370 Euro pro verteuert. „Hochpreisige Baugründe verteuern in der Folge auch die Wohnungen.“

Wohnungspaket

Seit Monaten sucht die Politik nach Lösungen, um Wohnen erschwinglicher zu machen. Infrastrukturministerin Doris Bures ist aktuell mit einem neuen Vorschlag vorgeprescht. Im KURIER hat sie ein Konjunkturpaket für den Wohnbau mit Hilfe der Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen angekündigt. Weiteres Geld erhofft sie sich aus der Verlängerung der Bankenabgabe. In Summe sollten „600 Millionen Euro“ in die Hand genommen werden.

„Man muss versuchen, den Wohnimmobilienmarkt in den Griff zu bekommen“, sagt Thomas Malloth. „Das Familienmedianeinkommen steht in keinerlei Verbindung mehr mit den Preisen.“

Malloth hofft auf eine „groß angelegte Wohnrechtsreform“ nach der Nationalratswahl. Eine „Schnellschuss-Aktion“ vor dem Sommer würde „erheblichen Schaden für den Immobilienstandort Österreich nach sich ziehen“. Derzeit laufe die Debatte zum Thema leistbares Wohnen nicht auf einer Sachebene mit Experten sondern „sehr emotional“. Ziel sei ein neues, modernes Wohnrecht.

Mehr Infos zum Thema im KURIER-IMMO am Samstag.

Bilder: Die teuerste Wohnung Wiens

Die teuerste Wohnung Wiens

Luxuswohnung hoher markt…

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Miete: 34 Prozent des Einkommens

Die Oesterreichische Nationalbank hat vor kurzem die Höhe der Wohnkosten privater Haushalte unter die Lupe genommen. 44 Prozent der Österreicher wohnen in Hauptwohnsitz-Wohnungen, der Anteil der befristeten Verträge ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Damit verbunden sind Mehrkosten durch häufigere Umzüge.

Wohnungs- und Hauseigentümer zahlen zwar keinen Mietzins, allerdings sind sie häufig verschuldet, was Risiken mit sich bringt: Zinsschwankungen bei der Darlehenstilgung, Wechselkursschwankungen bei Fremdwährungskrediten, und natürlich die Kreditrückzahlungen. 68 Prozent der im Eigentum lebenden Haushalte haben ihre Liegenschaft fremdfinanziert.

Bei Eigentümern beträgt der Anteil der Wohnkosten durchschnittlich 25 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens, bei Mietern sind es 34 Prozent. Besonders im untersten Einkommensbereich ist die Wohnkostenbelastung mit 51 Prozent überdurchschnittlich hoch. In den vergangenen vier Jahren ist der Anteil der Wohnkosten am Einkommen um bis zu sechs Prozentpunkte gestiegen, Gebührenerhöhungen für Strom, Gas und Müll haben wesentlich dazu beigetragen.

Ein Drittel der Mieter muss für die Begleichung der Wohnkosten den Konsum einschränken. Sechs Prozent der privaten Haushalte sind in den letzten 12 Monaten zumindest einmal aufgrund finanzieller Engpässe mit der Miete oder den Betriebskosten im Rückstand gewesen.

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