Wirtschaft
27.05.2017

Immer weniger können sich Wohnungseigentum leisten

Auch wegen der hohen Immobilienpreise ist der Anteil der Eigentümer rückläufig.

Eigentumswohnungen in Ballungszentren sind nur für jene leistbar, die hohe Geldbeträge am Konto haben. In einigermaßen guter Lage müssen in Wien mindestens 4000 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden. Das macht bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung insgesamt 320.000 Euro. Bei einem Monatsgehalt von 3000 Euro netto müsste der Käufer inklusive Finanzierungskosten deutlich über zehn Jahre lang sein gesamtes Einkommen für den Wohnungskauf ausgeben. Das wird nicht passieren. Das Käuferpotenzial für teure Eigentumswohnungen ist also begrenzt.

"Die Eigentumsquote in Ostösterreich ist ohnehin deutlich niedriger als im EU-Schnitt", verweist Mathias Mühlbacher von der Immobilienrendite AG auf die Statistik. In osteuropäischen Ländern wie Rumänien, der Slowakei oder Ungarn wohnen laut Eurostat mindestens 90 Prozent in den eigenen vier Wänden. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes begann dort die große Privatisierung. Aber auch Länder wie Spanien, Portugal, Finnland oder Belgien kommen noch auf über 70 Prozent Eigentumsquote.

Schlusslicht Wien

Österreich kam 2015 auf 57 Prozent Eigentumsquote – doch es gibt ein starkes Ost-West-Gefälle. In Wien sind es nur 18 Prozent, so Mühlhofer. (Aber es gibt auch nirgendwo so viele Sozialwohnungen.) 2007 lag der Prozentsatz quer durch Österreich noch bei 60 Prozent.

Da es immer schwieriger wird, für große Eigentumswohnungen Käufer zu finden, baut Mühlhofer nun verstärkt Wohnungen mit 30 oder 40 Quadratmetern. Denn Eigentumswohnungen um die 100.000 Euro sind leichter zu verkaufen.

Die Zahl der neu gebauten Eigentumswohnungen allein sagt nicht viel aus. Eigentumswohnungen werden nämlich auch von Investoren gekauft und dann weitervermietet. Insgesamt steigt die Zahl jener, die in ihrer Eigentumswohnung leben, zwar. Die Bevölkerung insgesamt wächst durch die Zuwanderung aber rascher. Damit sinkt der Anteil der Eigner.

Deutschland

In Deutschland ist die Lage ähnlich. Auch dort sind die Immobilienpreise deutlich gestiegen. Immer weniger können sich Eigentumswohnungen leisten. "Bald nur noch Mieter in Deutschland" , titelte daher wallstreet-online.de.

"Die Eigentumsquote könnte sinken", lautet die Schlussfolgerung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Vertreter der Immobilienwirtschaft verlangen Steuererleichterungen beim Erstkauf. In Österreich hat der zurückgetretene VP-Chef Mitterlehner einst Ähnliches gefordert. In Deutschland ist die Eigentumsquote mit 53 Prozent sogar noch niedriger als in Österreich.

Schlusslicht in Europa ist die Schweiz mit einer Eigentumsquote von lediglich 44 Prozent. Bei den Eidgenossen waren Immobilien immer schon teurer als in anderen europäischen Ländern.