Immer mehr haben kein Geld fürs Heizen

Schätzungsweise jeder zehnte Haushalt wendet mehr als zehn Prozent des Haushaltsbudgets für Energie auf. Das ist jene Grenze, die als Definition für Energiearmut angenommen wird.
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Weniger Reallohn, steigende Energiekosten: In immer mehr Haushalten fehlt das Geld für Strom und Heizung.

Rund 300.000 Menschen in Österreich können ihre Wohnung nicht angemessen heizen und wissen nicht, wie sie ihre Stromrechnung bezahlen sollen. Stagnierende Reallöhne und steigende Energiekosten treiben immer mehr Haushalte in die Energiearmut. Die Arbeiterkammer Oberösterreich (AKOÖ) fordert ein Einlenken.

Die Strompreise sind laut Statistik Austria seit dem Jahr 2000 um 28 Prozent gestiegen, Gaspreise gar um 51 Prozent. Sinken die Großhandelspreise, werden sie kaum oder nur zeitverzögert an die Haushalte weitergegeben. Besonders betroffen von hohen Energiekosten sind einkommensschwache Haushalte, da diese oftmals auch von Zusatzbelastungen wie Mahnspesen, Gebühren für Ratenzahlungen und Ab- und Einschaltkosten zu stemmen haben. Schätzungsweise jeder zehnte Haushalt wendet mehr als zehn Prozent des Haushaltsbudgets für Energie auf. Das ist jene Grenze, die als Definition für Energiearmut angenommen wird.

Aktuell sind zwölf Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein beträchtlicher Teil der armutsgefährdeten Bevölkerung mit Energieproblemen zu kämpfen hat - genaue Zahlen liegen laut AKOÖ keine vor. Auch die genaue Zahl der Abschaltungen von Strom oder Gas ist nicht bekannt. Schätzungen zufolge dürften in Österreich etwa 60.000 Haushalten jährlich betroffen sein.

Was laut AKOÖ fehlt, sind effektive Maßnahmen zur Bekämpfung der Energiearmut und so fordert sie:

- einen jährlichen Bericht zum Thema "Energiearmut".

- die Einführung einer Art Spartarif bei den Netzgebühren: Alle Haushalte sollen künftig ein gewisses Kontingent an Frei-Kilowattstunden erhalten. Darüber hinaus sollen die verbrauchsabhängigen Netzkosten progressiv gestaltet werden. Dadurch würden einkommensschwache Haushalte entlastet, die unterdurchschnittliche Stromverbräuche aufweisen.

- die Befreiung von Fixkosten im regulierten Netzbereich für einkommensschwache Haushalte.

- die Einrichtung eines Energieeffizienzfonds: Dieser soll von den Energieunternehmen und der öffentlichen Hand finanziert werden und Gerätetausch, Energieberatung und Sanierungsmaßnahmen finanziell unterstützen.

(KURIER.at) Erstellt am
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