Wirtschaft 05.12.2011

Im Genuss der Genossenschaften

Wie ein kleiner Makler die Großaufträge der niederösterreichischen Wohnbaugenossenschaften an Land ziehen konnte.

Ein kleines Versicherungsmakler-Büro mit Sitz in Brunn am Gebirge erfährt in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg: 2006 schnappte sich Oliver Fichta, 42, den Maklerauftrag der großen niederösterreichischen Wohnbaugenossenschaften Gebau Niobau und NBG. Im Juni 2010 erklomm der Vermittler den vorläufigen Gipfel des beruflichen Erfolgs - er wurde auch von den Wohnbaugesellschaften Austria AG und WET als exklusiver Makler an Bord geholt. Die Gesellschaften sind landespolitisch dominiert, Vorstand und Aufsichtsrat jeweils ident besetzt.

Der Kuchen

Der riesige Versicherungskuchen umfasst einen beachtlichen Bestand: 25.000 Wohnungen, jährlich kommen bis zu 1000 neue hinzu. Da lässt sich gutes Honorar verdienen: Insider sprechen von gut zwei Millionen Euro, die binnen weniger Jahre an Provisionen an den Makler fließen können.

Mag sein, dass der Erfolgslauf des Oliver Fichta seinem dynamischen Engagement geschuldet ist. Die Maklerszene sieht im rasanten Wachstum des Kleinunternehmers einen anderen Grund: Bei allen vier Niederösterreich-Unternehmen, die Oliver Fichta beauftragten, sitzt Fichtas Vater Herbert im Aufsichtsrat, bei dreien als Vizepräsident. Beim jüngsten Fichta-Coup mit Austria AG und WET, der im Juni 2010 über die Bühne ging, wurden drei große Maklerfirmen, die sich die lukrative Betreuung über viele Jahre geteilt hatten, gekündigt. Zugunsten von Fichta junior. Ein involvierter Manager einer ausgebooteten Makler-Firma sagt: "Wir haben keine Rettungsversuche unternommen. Wir haben ganz genau gewusst, wo die Entscheidung herkommt. Da können Sie nicht mehr mit Zahlen, Daten, Fakten und Argumenten gewinnen, da haben Sie verloren."

Die Empörung

Vater und Sohn wehren sich gegen derartige Unterstellungen. Herbert Fichta, 67, zeigt sich empört: "Das ist natürlich kompletter Unsinn. Da ist alles bestens. Ich bin dort zufällig Aufsichtsrat und habe mich der Stimme enthalten, als die Geschäftsführung alles in eine Hand geben wollte. Mit meinem Sohn war man über Jahre zufrieden."

Oliver Fichta sekundiert: "Im Unterschied zu den Vormaklern wurden wir nicht nur durch die Geschäftsführer, sondern auch durch den Aufsichtsrat mit einem einstimmigen Beschluss beauftragt." Und überhaupt: Wie viel Provision man mittel- bis langfristig erhalte, könne er nicht abschätzen.

Der Deal

Trotz der formal korrekten Abwicklung im Aufsichtsrat muten Details im Zusammenhang mit der Vergabe der zweiten Tranche im Sommer 2010 seltsam an. KURIER-Recherchen ergaben nämlich, dass bereits im Jänner 2010 der Versuch unternommen worden war, Oliver Fichta als Monopol-Makler in Stellung zu bringen - der Deal scheiterte jedoch, wie ein Aufsichtsrat bestätigt, an der notwendigen Einstimmigkeit im damaligen Zweier-Vorstand. Vorstandschef Walter Mayr, 67, konnte Oliver Fichta nicht allein beauftragen, zumal der zweite Geschäftsführer die Entscheidung nicht mittragen wollte.

Der dritte Mann

Auch diese Hürde war wenige Monate später beseitigt: Ab Mai 2010 hatten die gemeinnützigen Wohnungsbauer plötzlich einen dritten Geschäftsführer - obwohl laut Syndikatsvertrag nur zwei Geschäftsführer vorgesehen wären. Dieser leistete dann im Juni 2010 die nötige zweite Unterschrift pro Fichta junior.

Dieser dritte Mann, Werner Schmitzer, 64, ist wiederum ein alter Weggefährte von Fichta senior. Schmitzer hatte sich eigentlich bereits 2007 als Vorstand der Niederösterreichischen Hypo in den Ruhestand verabschiedet - laut Standard mit einer kolportierten Abfindung von zwei Millionen Euro. Aufsichtsratschef der Hypo Niederösterreich (heute HIB) ist Fichta senior.

Hat der mächtige Aufsichtsrat Fichta etwa Einfluss genommen, damit sein Sohn zum alleinigen Makler der niederösterreichischen Wohnbaugesellschaften bestellt wird?
"Eher nicht", erklärt der Vorstandsvorsitzende Walter Mayr. Eher nicht? Mayr korrigiert sich: "Nein. Es war der Wunsch des Vorstandes. Ich wollte das gesamte Versicherungsgeschäft in eine Hand geben."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011