Die tief stehende Nachmittagssonne scheint auf die dampfenden Kühltürme des Braunkohlekraftwerks im südbrandenburgischen Jänschwalde.

© dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Energie
01/08/2015

"Wünsche mir Konkurse in der E-Wirtschaft"

Der enorme Stromüberschuss in Österreich und Deutschland drückt die Großhandels-Strompreise. Die heimische Windenergie-Branche erwartet daher Konkurse von Kohlekraft-Betreibern.

von Irmgard Kischko

Der Ausbau der erneuerbaren Energien könnte einen Höhepunkt erreicht haben. "Das Tempo der Errichtung neuer Anlagen wird mittelfristig drastisch zurückgehen", erwartet Stefan Moidl, Geschäftsführer der heimischen Interessensgemeinschaft der Windenergie-Betreiber, IG Wind. Der Strompreis im Großhandel sei derart niedrig, dass nach Ablauf der Förderung für Ökostrom (13 Jahre) nichts mehr zu verdienen sei. Zudem koste die so genannte Ausgleichsenergie in Österreich zu viel. Die Ausgleichsenergie deckt die Lieferlücken des Ökostroms, wenn etwa nicht genügend Wind bläst.

In Österreich werden heuer Windräder mit einer Leistung von 390 Megawatt neu errichtet werden nach 411 Megawatt im Vorjahr. Derzeit liefern österreichweit 1016 Windräder mit eine Leistung von 2095 Megwatt (entspricht etwa zehn mal dem Kraftwerk Freudenau) Strom für 1,3 Millionen Haushalte. 7,5 Prozent des heimischen Stromverbrauchs werden durch Windenergie gedeckt.

Überschuss

Der rasche Ausbau der Ökostromanlagen - vor allem in Deutschland - hat zu einem beträchtlichen Überschuss an elektrischer Energie und damit einem Preisverfall am Strommarkt geführt. Viele konventionelle Energiekonzerne wie die deutschen RWE und E.ON oder der Verbund in Österreich sind wegen der niedrigen Großhandels-Strompreise in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen. Sie werfen der Ökostrom-Branche vor, gut von den Subventionen zu leben und fern vom Markt zu produzieren. Die Energiekonzerne fordern daher, dass etwa Windkraftanlagen abgedreht werden, wenn zu viel Strom erzeugt wird.

Moidl hält das für kompletten Unsinn. "Wind kostet nichts. Es müssten die Kohlekraftwerke und nicht die Ökostromanlagen abgedreht werden, fordert er. Tatsächlich findet am Markt ein harter Kampf zwischen den umweltschädlichen Braunkohlekraftwerken und den erneuerbaren Energien statt. Die Braunkohlekraftwerke laufen in Deutschland auf Hochtouren, weil sie auch beim aktuell tiefen Strompreis mit Gewinn arbeiten können. Gaskraftwerke und zum Teil auch Steinkohlekraftwerke dagegen produzieren Verluste. "Ich wünsche mir Konkurse in der E-Wirtschaft", sagt Moidl. Denn damit würden die unwirtschaftlichen Anlagen aus dem Markt fallen, die Preise könnten wieder steigen und der Ausbau der erneuerbaren Energien könnte weiter gehen.

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