Wirtschaft
30.10.2017

Ideen für ein fittes Pensionssystem

Die Pensionen sind solange sicher, wie wir uns die Zuschüsse leisten wollen.

Die gute Nachricht vorweg: Der Bund, also der Steuerzahler, muss derzeit weniger dazuzahlen, damit die Pensionen ausgezahlt werden können. Der sogenannte Bundeszuschuss ist von 10,11 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf 9,91 Milliarden Euro im Vorjahr gesunken. Heuer könnte es sich sogar mit 9,6 Milliarden ausgehen. Durch die Reform der Invaliditätspension ist das tatsächliche Pensionsantrittsalter gestiegen. Und die steigende Beschäftigung hat dafür gesorgt, dass es mehr Menschen gibt, die in das Umlagesystem einzahlen. Die schlechte Nachricht dabei: Das heimische Pensionssystem ist dadurch um nichts sicherer geworden.

Dem kurzfristig positiven Trend steht langfristig die demografische Entwicklung entgegen. Übersetzt heißt das: Aktuell kommt auf 2,6 Erwerbstätige ein Pensionist – hat kürzlich eine Untersuchung des heimischen Versicherers UNIQA ergeben. Künftig wird sich dieses Verhältnis sukzessive verschieben, im Jahr 2060 wird es schon fast 1:1 ausmachen. Die künftige Regierung wird sich rasch um die Lösung dieses Problems kümmern müssen.

Mit Blick auf die Nachhaltigkeit, sprich die langfristige Finanzierbarkeit, schneidet Österreichs Pensionssystem schlecht ab. Das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Mercer, das die Systeme in 30 Ländern verglichen hat: Mercer reiht Österreich nur auf Platz 21, bei der Nachhaltigkeit ist überhaupt nur noch Italien schlechter. Im Gegensatz zu anderen Systemen fehle in Österreich eine automatische Anpassung an demografische Entwicklungen.

AutomatikEine Anpassung ist auch gleich eine der Empfehlungen, die Experten immer wieder an den Gesetzgeber richten: Mit der steigenden Lebenserwartung wird auch das Pensionsantrittsalter steigen müssen. Wo auch immer das "errechnete" Pensionsalter liegen wird: Das heißt nicht, dass jeder tatsächlich so lange arbeiten muss. Wer sich aber früher zurückzieht, muss mit Abschlägen kalkulieren. Wer länger beschäftigt ist, soll dafür Aufschläge bekommen.

Frauen mit 65Nach langem Ringen hat sich schließlich auch Österreich entschlossen, das Antrittsalter von Frauen jenem der Männer anzupassen. Ab 2024 steigt das Frauen-Pensionsalter (ASVG) schrittweise von 60 auf 65. Der OECD geht das zu langsam, die Organisation hat Österreich ein rascheres Anheben empfohlen. Die voraussichtlichen Koalitionspartner haben das allerdings bereits abgelehnt.

Systemumbau Das Umlagesystem gehört um eine kapitalgedeckte Variante erweitert, lautet ein Vorschlag. Die Idee: Das, was sich die Beschäftigten durch eine – hoffentlich baldige – Steuersenkung ersparen, muss auf ein individuelles Pensionskonto eingezahlt werden. So wird eine Zusatzpension aufgebaut, die vom Umlageverfahren unabhängig ist. Auch dadurch würden die Zuschüsse des Staates sinken.

Auch wenn kapitalgedeckte Systeme heftige Kritiker haben – unter ihnen die Arbeiterkammer: Ohne Umbauten wird es im sozialen Gefüge heftig knirschen. Die Milliarden-Zuschüsse, die die Pensionen sichern, fehlen schließlich in anderen Bereichen, zum Beispiel bei Familien und Bildung.