Vladimir Zagorec: Hypo soll Plausibilität seiner Projekte nicht geprüft haben.

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Wirtschaftskrimi
12/03/2014

Hypo: Anklage gegen Ex-General Zagorec

Klagenfurter Staatsanwalt hat vier Personen wegen dubioser Immobilienkredite im Visier.

von Kid Möchel

Während sich die Republik Österreich abmüht, die Balkantöchter der Hypo Alpe-Adria-Bank an Investoren zu verscherbeln, räumt die Klagenfurter Justiz weiter in der Causa Hypo auf. Oberstaatsanwalt Robert Riffel hat eine 206 Seiten starke Anklage im Fall "Zagorec" vorgelegt.

Riffel will vier Personen wegen des Verdachts der Untreue zur Verantwortung ziehen: den Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger, den kroatischen Ex-General Vladimir Zagorec, den Steuerberater Hermann Gabriel und einen Liechtensteiner Anwalt. Strafdrohung: bis zu zehn Jahre Haft. Im Mittelpunkt steht die Vergabe von Krediten unter anderem für dubiose Immobilienprojekte in Kroatien. Der angeklagte Schaden: 19,8 Millionen Euro. Die Vorwürfe werden bestritten. Die Anklage ist nicht rechtskräftig. Steuerberater Gabriel hat dagegen Einspruch erhoben. "Er hatte mit diesen Liechtenstein-Deals nichts zu tun", sagt Gabriels Verteidiger Matthias Preuschl, von der Anwaltskanzlei PHH Prochaska Havranek Rechtsanwälte, zum KURIER."Herr Zagorec hatte schon früher ausreichend Erfahrung mit Stiftungskonstruktionen in Liechtenstein.“

Drehkreuz Vaduz

Etwa im Jahr 2004 kam der kroatische Ex-Militär Zagorec zur Hypo. Der "VIP-Kunde" soll laut Anklage vom Günter Striedinger persönlich betreut worden sein. In der Folge vergab die Hypo vier Kredite an drei Liechtensteiner Stiftungen und eine Schweizer Aktiengesellschaft, hinter denen Vladimir Zagorec steckte. Doch das soll den Hypo-Mitarbeitern lange verheimlicht worden sein. Striedinger und Gabriel sollen Zagorec erst auf die Idee gebracht haben, liechtensteinische Stiftungen zu nutzen, damit der Ex-General bei den Kreditvergaben nicht als wirtschaftlich Berechtigter aufscheint. Zagorec war gerade dabei, diverse Liegenschaften-Projekte aufzuziehen und wollte Grundstücke in Kroatien kaufen. Unter Striedingers Federführung soll die Hypo den Zagorec-Firmen Kredite in Höhe von insgesamt 49,3 Millionen Euro gegeben haben. "Die Kredite waren wirtschaftlich unvertretbar", so der Staatsanwalt. Sie sollen nämlich "für fiktive und überhöhte Grundstückpreise" gewährt worden sein. Oder anders gesagt: Zagorec soll für die Liegenschaften tatsächlich viel weniger gezahlt haben als die Kredite ausmachten. Das nennt man "Über-Finanzierung".

Überhöhte Kredite

Fortan soll der Ex-General die Differenz zwischen den Grundstücks-Kaufpreisen und den überhöhten Krediten "zu seiner persönlichen Bereicherung abgeschöpft" haben – als eine Art Vorabgewinn.

Zugleich soll er 16,2 Millionen Euro Kickback-Zahlungen getarnt als "Consulting & Development-Leistungen" eingestreift haben. Zum Beispiel: Für den Kauf einer Liegenschaft auf der Insel Hvar sollen 8,4 Millionen Euro aus den Hypo-Krediten an den Verkäufer überwiesen worden sein, so die Anklage, aber 4,9 Millionen Euro als "Beratungsaufwendungen" an Zagorec zurückgeflossen sein. Im Endeffekt war das Firmennetzwerk des Ex-Generals eine tickende Zeitbombe für die Hypo. "Keine einzige Gesellschaft wies eine auch nur annähernd ausreichende Bonität auf", heißt es in der Anklage. "Keine der Gesellschaften, die Kredite aufnahm, brachte wirklich Eigenkapital ein."

Vorwürfe bestritten

"Mein Mandant ist unschuldig. Die Kredite waren nicht überhöht, sondern dem Wert der Liegenschaften angemessen", sagt Elisabeth Rech, Verteidigerin von Zagorec, zum KURIER. "Die Bank hat die Schätzungen durchgeführt, auf die er sich verlassen hat." Es hätten "alle in der Hypo gewusst", dass Zagorec hinter den Liechtenstein-Gesellschaften stehe. "Es stimmt, dass in Liechtenstein knapp 17 Millionen Euro beschlagnahmt wurden", bestätigt Rech. "Mein Mandant hat zugestimmt, dass der Betrag für die Rückzahlung der Kredite der Hypo übereignet wurde." Zagorec habe weder Gelder persönlich abgeschöpft noch Kickback-Zahlungen erhalten.

Striedinger und Gabriel sitzen

Der Verteidiger von Günter Striedinger wollte Anfrage des KURIER keine Stellungnahme zu den Vorwürfen in der Anklage abegeben. Sein Mandant Striedinger sitzt seit 1. Oktober 2013 eine vierjährige Haftstrafe wegen Untreue aus einem früheren Hypo-Verfahren ( 18 Hv 100/11f) ab. Zuvor ist er in einem ersten Verfahren auch wegen des Vergehens der Bilanzfälschung (§ 255 Aktiengesetz) rechtskräftig zu 220 Tagsätzen zu je 400 Euro bzw. 110 Tage Ersatz-Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Hermann Gabriel wurde im Hypo-Verfahren (18 Hv 100/11f) wegen Beitragstäterschaft zum Verbrechens der Untreue verurteilt. Er fasste laut Anklagebehörde 4,5 Jahre Haft aus und sitzt die Strafe laut seinem Verteidiger derzeit ab.

Vom Waffenhändler zum Entwickler von Immobilien

Der gelernte Vermessungstechniker Vladimir Zagorec, Jahrgang 1963, hat eine erstaunliche Karriere hinter sich. Vom Chauffeur des Verteidigungsministers stieg er zum General und Vize-Verteidigungsminister Kroatiens auf. Während des Jugoslawien-Krieges (1991–’95) soll sich der Gefolgsmann des Präsidenten Franjo Tudjman als gewiefter Waffeneinkäufer eine Namen gemacht haben. Zagorec war Chef der staatlichen Waffenhandels-Firma Alan.

Im Jahr 2000 zog es ihn nach Österreich, wo er auf die Immobilien-Entwicklung umsattelte. 2007 wurde der Ex-General aufgrund eines internationalen Haftbefehls in Österreich erstmals festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, Staatsvermögen (Diamanten) im Wert von fünf Millionen Dollar veruntreut zu haben, als er seinen Posten im Verteidigungsministerium (2000) räumen musste. Eineinhalb Jahre später wurde er nach Kroatien ausgeliefert. Im März 2009 wurde er dann wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe (inklusive Anrechnung der Vorhaftzeiten) wurde er im Juni 2013 „bedingt aus der Haft entlassen“.

Da er auch zur Zahlung von sechs Millionen Euro an den Staat Kroatien verdonnert wurde, wird seine Pension bis auf das Existenzminium gepfändet. Zagorec lebt heute in Wien. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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