Wirtschaft
01.11.2017

Hotel- und Ferienclub-Pleite: 15.300 Investoren bangen um fast 58 Millionen Euro

Der Konzern Imperial/Cordial drehte mit stillen Beteiligungen das große Rad. Eine Investorin brachte das Geschäftsmodell per OGH-Urteil zum Einsturz.

Das Geschäftsmodell der Linzer Hotel- und Ferienklub-Betreibergruppe Imperial/Cordial war von Anfang an umstritten. Im Zentrum standen sogenannte Verlustbeteiligungen. Rund 15.300 atypisch stille Gesellschafter, sprich Mitunternehmer ohne Mitspracherecht, finanzierten so der Gruppe um Faramarz Ettehadieh Hotels und Ferienresorts in Österreich, Italien, Ungarn und Deutschland. Detail am Rande: Mitte der 1990-er Jahre war Ettehadieh auch der Gründungsfinanzier des mittlerweile eingestellten WirtschaftsBlatt.

Am Dienstag gab die Linzer Gruppe bekannt, dass sie sechs Gesellschaften in die Insolvenz schicken muss. Laut den Gläubigerschutzverbänden Creditreform und KSV1870 beträgt der Schuldenberg - alle sechs Insolvenzanträge zusammengerechnet - insgesamt rund 113 Millionen Euro, davon entfallen 57,6 Millionen Euro auf atypisch stille Gesellschafter. Dieser sperrige Begriff hat es in sich: Atypisch stille Gesellschafter sind am Gewinn und am Verlust eines Unternehmens beteiligt. Die angehäuften Verluste konnten diese "stillen Gesellschafter" früher bei der Finanz zur Gänze steuermindernd geltend machen, später schränkte die Finanz diese ausufernden Steuerersparnis-Modelle massiv ein.

Erfolgreiche Klage

Die Geschäftsmodell von Imperial/Cordial führte zu zahlreichen Prozessen. Die Gesellschafter fühlten sich und ihr Geld schlecht behandelt. So ist es auch kein Wunder, dass auch jetzt eine stille und frustrierte Gesellschafterin sich rechtlich durchgesetzt hat - beim Obersten Gerichtshof (OGH). Sie hatte vor mehr als zehn Jahren auf dem Sekundärmarkt 462 Anteile an der Imperial erworben. Gesamtes Nominale: 335.700 Euro. Aus der vertraglich zugesicherten Mindestverzinsung (sechs Prozent) wurden ihr 29.500 Euro auf dem Verrechnungskonto gutgeschrieben.

Spannende Erkenntnisse

Mitte 2015 kündigte die "Investorin" die Anteile und ersuchte um Auszahlung des Guthabens. Imperial verweigerte die Rückzahlung der Einlage und die Zinszahlung. Begründung: Es handelt sich um eine verbotene Einlagenrückgewähr. Die stillen Einlagen wurden als Eigenkapital eingestuft. Dazu muss man wissen, dass die Imperial-Gruppe bereits sechs Jahre zuvor ihren "stillen Geldgebern" mitteilte, dass Ausschüttungen nur dann gemacht werden, wenn ein Reingewinn vorliegt. Laut Oberstem Gerichtshof (OGH) erzielte die Imperial KG "während der gesamten Geschäftstätigkeit nie einen Bilanzgewinn".

In einem 52 Seiten starken Urteil stärkt der OGH die Rechte der stillen Gesellschafter. Die Einlagen seien nicht als Eigenkapital, sondern als Fremdkapital einzustufen. Es bestehe kein Anhaltspunkt, dass die Gesellschafter "eine Rückzahlungsbeschränkung stillschweigend vereinbart" hätten. Natürlich ist die rechtliche Abhandlung der Höchstrichter unter dem Aktenzeichen 6 Ob 204/16t viel komplexer, Interessierte können sie auch unter https://www.ris.bka.gv.at/Judikatur/ abrufen.

Fakt ist: Mit dem OGH-Urteil war bei der Imperial-Cordial-Gruppe Feuer auf dem Dach. Die stillen Gesellschafter können nun ihr Kapital samt Zinsen zurückfordern.

Allein die Dachgesellschaft Imperial KG hat 68,9 Millionen Euro Schulden, aber nur 12,3 Millionen Euro verwertbares Vermögen. Die insolvente Cordial Ferienclub AG hat 6300 Mitglieder und machte jahrelang mit Timesharing-Verträgen Verluste. Die Gruppe soll fortgeführt, Bereiche sollen geschlossen und Liegenschaften verwertet werden. Den Gläubigern wird 20 Prozent geboten. Das ist für die Investoren mehr als bitter. Die "Gesellschafter" müssen 80 Prozent ihres Kapitals und der Zinsen als Verlust abschreiben.

Die einzelnen Insolvenzen im Detail

Die Imperial Kapitalbeteiligungsgesellschaft m.b.H. & Co. KG und die unbeschränkt haftende Gesellschafterin Imperial Kapitalbeteiligungsgesellschaft m.b.H. haben am Dienstag am Landesgericht Linz Anträge auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. Das berichtet Gerhard Weinhofer vom Österreichischen Verband Creditreform. Auch vier weitere Unternehmen der Gruppe haben Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen wurde 1973 gegründet und hat in 45 Jahren mehr als 100 gewerbliche Objekte errichtet. Dabei handelt es sich um Supermärkte, Bürohäuser, sowie Ressort- und Hotelanlagen in Österreich, Deutschland, Ungarn und Italien. Bei der Imperial Kapitalbeteiligungsgesellschaft m.b.H. & Co. KG sind 23 Gläubiger, sowie 15.300 atypisch stille Gesellschafter und 37 Arbeitnehmer betroffen. Den Aktiva von rund 12,3 Millionen Euro stehen Passiva von 68,9 Millionen Euro gegenüber. Bei der Imperial Kapitalbeteiligungsgesellschaft m.b.H sind 15 Gläubiger betroffen. Den Aktiva von rund 283,000 Euro stehen Passiva von 2,2 Millionen Euro gegenüber.

Die CORDIAL Ferienclub AG und die CORDIAL Hotelbetriebsgesellschaft m.b.H haben laut Creditreform ebenfalls Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Die CORDIAL Ferienclub AG betreibt selbst vier Hotels in Österreich. Die Insolvenzursache liegt in den jahrelangen Verlusten mit Time-Sharing Verträgen. Bei der CORDIAL Ferienclub AG sind 31 Gläubiger und 6300 Clubmitglieder, und fünf Arbeitnehmer betroffen. Den Aktiva von rund 8,5 Millionen Euro stehen Passiva von 36,7 Millionen Euro gegenüber. Bei der CORDIAL Hotelbetriebsgesellschaft m.b.H sind rund 110 Gläubiger und 83 Dienstnehmer betroffen. Den Aktiva von rund 1,2 Millionen Euro stehen Passiva von 3,9 Millionen Euro gegenüber.

Die NIGHTS AND MORE MARKETING GMBH ist ein Tochterunternehmen der insolventen Imperial Kapitalbeteiligungsgesellschaft m.b.H. & Co. KG. Die Unternehmenstätigkeit besteht in Marketingaufgaben für die Gruppe, aber auch für 300 andere Hotels. Die Insolvenzursache liegt in der Insolvenz der Muttergesellschaft. Es sind 23 Gläubiger und drei Arbeitnehmer betroffen. Den Aktiva von rund 46.000 Euro stehen Passiva von 351.000 Euro gegenüber. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent binnen zwei Jahren angeboten.

Die Hermes Holding Gesellschaft g.m.H. diente in der Vergangenheit als Verlustbeteiligungs- und Hotelbetriebsgesellschaft. Die Insolvenzursache liegt laut Creditreform darin, dass die Imperial Kapitalbeteiligungsgesellschaft & Co. KG. ihre Zahlungen einstellte. Es sind zwei Gläubiger betroffen. Den Aktiva von rund 351.000 Euro stehen Passiva von 1,8 Millionen Euro gegenüber.