Wirtschaft 19.01.2012

Hohe Abstriche bei Firmenpensionen

Folge der Finanzkrise: Drei Viertel der Bezieher einer Zusatzpension müssen im Durchschnitt fünf Prozent Leistungskürzung hinnehmen.

Schon in den vergangenen Jahren waren Tausende Bezieher einer Firmenrente von Kürzungen der Auszahlungen betroffen. Heuer trifft es aber gleich 50.000 der 73.000 Pensionisten. Sie erhalten im Durchschnitt fünf Prozent weniger als noch im Vorjahr. „Das ist kein Anlass zur Freude, ganz klar“, sagt Andreas Zakostelsky, Fachverbandsobmann der heimischen Pensionskassen. Allerdings sei das Veranlagungsergebnis von minus drei Prozent angesichts der noch viel größeren Verluste an den Börsen ein „sehr achtbares Ergebnis“.

Dass unterm Strich das Minus für die Pensionisten noch größer ist, liegt daran, dass zum einen Gelder für nötige Rückstellungen in den Deckungsstock fließen. Zum anderen steigt die Zahl der Bezieher. In Einzelfällen soll die Kürzung sogar rund 15 Prozent betragen. Das kann Zakostelsky weder bestätigen noch ausschließen, da von den einzelnen Kassen nur Durchschnittswerte vorliegen.

Immerhin gibt es für rund 15.000 Bezieher einer Zusatzrente minimale Erhöhungen von ein bis zwei Prozent, beim Rest bleiben die Auszahlungen gleich hoch. Anpassungen nach oben oder nach unten hängen vor allem davon ab, welche der fünf Risikokategorien die Kunden gewählt haben (defensiv bis dynamisch). Fallen die Aktienkurse stark, dann leiden die risikoreichen Stufen besonders.

Anleihen

Pensionskassen
© Bild: Grafik: Eber, Quelle: APA/Fachverband der Pensionskassen

Im Durchschnitt reduzierten die Kassen ihren Aktienanteil im Vergleich zu 2010 aber ohnehin von 34 auf 25 Prozent. Ein Teil davon wird zudem abgesichert. Bei den Veranlagungen in Staatsanleihen wurden die Euro-Kernländer stärker gewichtet. Heuer wollen die Kassen auch in kommunale und gemeinnützige Projekte investieren.

Zakostelsky weist darauf hin, dass seit Bestehen der Pensionskassen 1991 das durchschnittliche Ergebnis bei 5,5 Prozent im Jahr liegt (siehe Grafik). Allerdings ist die Mehrzahl der 800.000 Kunden erst seit rund zehn Jahren dabei. Auf diesen Zeitraum berechnet schmilzt der jährliche Durchschnittsertrag auf magere 2,7 Prozent.

Die Reform des Pensionskassengesetzes, dass Kunden mehr Wahlmöglichkeiten bietet, soll laut Zakostelsky im März oder April im Parlament beschlossen werden. Da die Adaptierung bei den Kassen einige Zeit benötige, dürfte es erst Anfang 2013 in Kraft treten.

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( Kurier ) Erstellt am 19.01.2012