Imperiale Gewinne

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Foto: Hofburg Vienna

Pachtvertrag wurde nie ausgeschrieben – die privaten Betreiber fahren zweistellige Renditen ein. Jetzt will der Bund neu verhandeln.

Die Hofburg ist einzigartig. Weltweit gibt es kein zweites Kongress- und Veranstaltungszentrum dieser Größenordnung in einem historischen Gebäude. 17.000 Quadratmeter für Veranstaltungen, 35 Räume für bis zu knapp 5000 Gäste, ein imperialer Rahmen – mitten im Stadtzentrum in Gehweite von Staatsoper und etlichen Sehenswürdigkeiten.

Kaiserlich und traditionsreich sind auch die Gewinne und Renditen der Wiener Kongresszentrum Hofburg Betriebsgesellschaft. 1969 gegründet, managt und organisiert dieses private Unternehmen alle Veranstaltungen in der ehemaligen Winterresidenz der Habsburger, die der Republik gehört.

Die Relation zwischen Umsatz und EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) liegt seit Jahren über 20 Prozent – eine Rendite, von der die meisten Unternehmen nur träumen können. 2011 wurde ein Bilanzgewinn von 1,8 Millionen Euro eingefahren, 2012 waren es 1,75 Millionen, 2013 wird noch besser. Bei einem Umsatz in der Größenordnung von rund 10 Millionen (2011 und 2012) beachtlich.

Fixmieter OSZE

Ein Fixmieter ist die OSZE. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit überweist jährlich rund 3 Millionen an die Betriebsgesellschaft. Der bleiben abzüglich des Anteils an die Burghauptmannschaft etwas über zwei Millionen Euro Erlös. Zu viel, meint man im Bund. Der Aufwand für die OSZE sei nicht sonderlich hoch. Das Außenministerium und die Stadt Wien subventionieren der OSZE (und damit der Betriebsgesellschaft) die Hofburg-Miete obendrein mit 831.000 Euro im Jahr.

Konkurrenz, die in das lukrative Business drängen könnte, brauchten die Gesellschafter nicht zu fürchten. Die Hofburg ist eine geschützte Werkstätte. Der Pachtvertrag mit der Burghauptmannschaft, Verwalterin der historischen Gebäude des Bundes, wurde nie ausgeschrieben. Die Pacht ist umsatzabhängig und beläuft sich auf 1,8 bis 1,9 Millionen Euro im Jahr. Zuletzt wurde der Vertrag 2007 verlängert – unkündbar bis 2019. Unüblich langfristig. Der Bund muss zwar Miet- und Pachtverträge nicht öffentlich ausschreiben, könnte aber natürlich. Wettbewerb ist immer gut und schließlich geht es um die Interessen der Steuerzahler. "Natürlich wären wir interessiert, bei einer Ausschreibung anzubieten. Das ist ja unser ureigenstes Geschäft", beteuert etwa Mondial-Chef Rudolf Kadanka. Doch die Betriebsgesellschaft sei ein "Closed Shop. Das sind Pfründe, die viele Jahre Tradition haben".

Der geschlossene Eigentümer-Zirkel hat sich zuletzt doch verändert. Ende 2012 verkaufte die UNIQA ihre Austria-Hotels an Gerstner-Chef Oliver Braun und die Immo-Investoren und Conwert-Gründer Günter Kerbler und Johann Kowar. Damit fiel dem Trio die Beteiligung der Austria-Hotels an der Hofburg zu.

2012 erwarb der Investor Michael Tojner das Wiener InterContinental, einen der ältesten Gesellschafter der Hofburg. Im Vorjahr stieg das Verkehrsbüro aus und machte mit seinem 12,5-prozentigen Anteil rund 2 Millionen Euro Kasse. "Es kann nur schlechter werden, die öffentliche Hand wird nicht ewig zuschauen. Irgendwann muss ausgeschrieben werden", hört man aus dem Verkehrsbüro, das selbst stark im Veranstaltungsgeschäft ist. Dass die Casinos-Austria ihre Mini-Beteiligung allein wegen des Burschenschafter-Balls versilberten, darf bezweifelt werden. Die Glücksspielgruppe kann das Geld gut brauchen.

Aufgrund von Vorkaufsrechten teilten sich die restlichen Gesellschafter die Anteile von Verkehrsbüro und Casinos, sodass heute die Gruppe um Braun sowie Tojners Wertinvest die Mehrheit haben. Als Alt-Gesellschafter sitzen noch das Hotel Sacher (13,77 Prozent) sowie die Schick-Hotels (19,5 Prozent) in der Hofburg.

Braun & Co. verdienen gleich doppelt. Ihr Gourmet-Imperium Gerstner ist seit etlichen Jahren einer der imperialen Caterer und macht in der Kaiser-Residenz den Großteil des Geschäfts mit der Verpflegung der Gäste. Synergien nennt man das. Wer eine Veranstaltung abhält, muss einen der von der Betriebsgesellschaft zugelassenen Caterer nehmen. Neben Gerstner dürfen noch DO&CO sowie der innovative, junge Caterer Copaloca auftischen. Der bietet preislich am günstigsten an und hat sich einen Top-Namen gemacht. Mit Mitte des Jahres allerdings wird Copaloca abserviert, der einjährige Vertrag wurde nicht mehr verlängert. Stattdessen wird Motto bewirten. Zufall oder nicht? Motto-Chef Bernhard Schlacher ist mit Tojner befreundet und bei dessen Casino-Projekt Flamingo im Hotel Intercont mit am Spieltisch.

Vor Kurzem trennte man sich auch von der langjährigen Geschäftsführerin Renate Danler. Die ehemalige Tourismusdirektorin von Kitzbühel und Chefin des Innsbrucker Kongresshauses war 2007 eingestellt worden, ihr Vertrag wurde vor zwei Jahren bis 2017 verlängert. Warum Danler trotz hervorragender Ergebnisse und zum Bedauern vieler Großkunden nicht mehr in der Hofburg residiert, will keiner der Verantwortlichen beantworten. Auch sie selbst gibt keinen Kommentar dazu ab. Der Burschenschafter-Ball war jedenfalls nicht der Grund für ihren Abgang.

Den Betriebsgesellschaftern droht allerdings Ungemach. 2017 will der Nationalrat wegen des Umbaus des Parlaments für drei Jahre in die Hofburg übersiedeln. Die Burghauptmannschaft prüft derzeit Eigenbedarf. Kann dieser geltend gemacht werden, muss das Parlament keine Miete zahlen. Damit hätte die Republik Chancen, den Pachtvertrag neu und für die Steuerzahler besser zu verhandeln.

(kurier) Erstellt am
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