Wirtschaft 29.01.2015

Hemden-Erzeuger Gloriette ist pleite

Die Textilfirma Gloriette hat ein Konkursverfarhen beantragt.Gloriette © Bild: /Gloriette

Südburgenländische Textilfirma hat rund 13,38 Millionen Euro Schulden, 89 Jobs betroffen.

Die Firma Gloriette Bekleidungswerk GmbH mit Sitz im burgenländischen Stegersbach hat am Landesgericht Eisenstadt einen Konkursantrag gestellt, der dann am frühen Donnerstagnachmittag auch eröffnet wurde. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Von der Pleite sind 300 Gläubiger und 89 Arbeitnehmer betroffen. Die Aktiva haben einen Buchwert von rund acht Millionen Euro, die Verbindlichkeiten sollen mehr als zehn Millionen Euro betragen; dazu könnten nämlich noch weitere Eventualverbindlichkeiten in Höhe von 3,3 Millionen Euro kommen."Diese Insolvenz ist für das Südburgenland eine Katastrophe", sagte Weinhofer zum KURIER. "Denn es gibt in dieser Region sehr wenige Arbeitsplätze im industriellen Bereich."

Die Pleite-Ursache

Als Insolvenzursache wird im Konkursantrag angeführt, dass Mitte Dezember 2014 über die deutsche Tochterfirma Rena Lange Holding ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet wurde und sich die offenen Forderungen gegenüber der Tochter in Höhe von 250.000 Euro somit als wertlos erwiesen. „Der Beteiligungsansatz und die Forderung mussten wertberichtigt werden, wodurch bei Gloriette die Überschuldung eintrat“, heißt es im Insolvenzantrag. „Daraufhin wurden intensive Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, welche jedoch kurzfristig nicht mehr erfolgreich abgeschlossen werden konnten.“

Das Unternehmen

Am Betriebsstandort Stegersbach (18.000 Quadratmeter) hat Gloriette nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Produktion, das Warenlager und ein Factory-Outlet angesiedelt. Zugleich werden aber auch in Ungarn von der Tochterfirma Gloritex Kft Hemden und Blusen gefertigt. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen 13 angemietete Filialen: fünf in Wien, und je eine in Baden, Wr. Neustadt, Linz, Wels, Salzburg, Graz, Klagenfurt und Spittal an der Drau.

Die Eigentümer

Das Unternehmen gehört zu 65,25 Prozent der Gloriette Holding (RPS 6 GmbH) von Claudia und Siegmund Rudigier, 21,56 Prozent hält die BRB Burgenländische Risikokapital Beteiligungen AG, weitere 7,19 Prozent die Athena Burgenland Beteiligungen AG und sechs Prozent hält Claudia Rudigier selbst.

Das Vermögen

Die Gloriette Bekleidungswerk GmbH hat Aktiva mit einem Buchwert von rund 8,18 Millionen Euro, davon entfallen 3,49 Millionen Euro auf Liegenschaften und den Maschinenpark. Die Betriebsliegenschaft ist zugunsten der Salzburger Landes-Hypo mit einem Pfandrecht in Höhe von 4,85 Millionen Euro belastet. Das Umlaufvermögen wird mit 4,25 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 2,51 Millionen Euro auf fertige Erzeugnisse. Rund 260.000 Euro entfallen auf offene Kundenforderungen, die aber auch an die Salzburger Hypo in Form eines sogenannten Zessionsvertrages abgetreten wurden.

Die Schulden

Die Verbindlichkeiten werden insgesamt mit 13,38 Millionen Euro beziffert, davon entfallen rund 5,33 Millionen Euro auf Banken, 1,51 Millionen Euro auf Lieferanten; weitere 3,35 Millionen Euro sollen offenbar unter dem Titel "Eventualverbindlichkeiten Mitkreditnehmerschaft Rena Lange Holding" bei der ÖVAG offen sein.

Verkauf geplant

„Es ist beabsichtigt, das Unternehmen kurzfristig fortzuführen, um eine bessere Verwertung zu ermöglichen“, heißt es im Antrag weiter. „Ob im Zuge der Verwertung Teilbetriebsschließungen zu beantragen sind, wird in Abstimmung mit dem Masseverwalter zu entscheiden sein.“

"Das operative Geschäft wird derzeit weitergeführt und wir sind gerade dabei, den Fortbetrieb so abzusichern, dass der Betrieb an den Bestbieter verkauft werden kann", sagt Sanierungsexpertin Ulla Reisch, die Anwältin der Hemdenfabrik. "Wir sind zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden, auch mit der Salzburger Landes-Hypo und es gibt auch die Fianzierungsvariante des Factorings." Nachsatz: "Wir haben genug Interessenten sowohl aus der Branche als auch Finanzinvestoren." Oft sei es sogar leichter, so Reisch, ein Unternehmen aus der Insolvenz raus zu verkaufen.

Die Tochterfirmen

Die Ungarn-Tochter Gloritex ist laut Firmenangaben nur dann "lebensfähig, wenn die Mutterfirma in Stegersbach fortbetrieben wird. Gloritex sei nur eine "verlängerte Werkbank". Gloriette zahlt pro Monat 30.000 Euro an die ungarische Firma, um deren Kosten zu decken. Auch das Überleben der Tochter Q 1 Manufaktur GmbH, die Gloriette-Waren durch selbstständige Handelsvertreter vertreibt, hängt vom Fortbetrieb der Bekleidungswerke ab.

Rote Zahlen

Die südburgenländische Textilfabrik setzte laut Creditreform im Geschäftsjahr 2011/12 (Stichtag: 31.Jänner) rund 10,62 Millionen Euro um und schleppte aus dem Jahr davor fast eine Millionen Euro Verlust mit. Im Jahr 2012/13 wurde ein Umsatz in Höhe von 11,62 Millionen Euro erzielt, das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) wurde mit minus 254.000 Euro beziffert. Trotz Auflösung von Rücklagen betrug der Bilanzverlust - aufgrund des hohen Verlustvortrages - noch immer minus 338.000 Euro.

Im Laufe des Jahre 2013 und 2014 verschlechterte sich offensichtlich die geschäftliche Lage drastisch. Ende Dezember 2014 betrug der Verlustvortrag 5,71 Millionen Euro. Auch 2014 wurden versteuerte Rücklagen (3,4 Millionen Euro) aufgelöst. Unter dem Strich betrug der Bilanzverlust 2014 aber immer noch 1,35 Millionen und das negative Eigenkapital sogar 1,848 Millionen Euro.

Erstellt am 29.01.2015