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Wirtschaft
12/05/2011

Heftige Schelte für hohe Gaspreise

Sowohl für Minister Mitterlehner als auch für die E-Control sind die Tarifanhebungen bei Gas nicht gerechtfertigt.

von Andreas Anzenberger

Ein "ständiges Ärgernis" ist für Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner die "überdynamische Entwicklung der Erdgas-Preise" in Österreich. Die teilweise deutliche Anhebung der Preise seit Jahresbeginn ist für den Minister "nicht begründbar".

Ab Oktober werden mehrere Anbieter wie etwa Wien-Energie, EVN, Begas oder die Ferngas AG höhere Gastarife verrechnen. Diese Preiserhöhung ist in der Grafik bereits berücksichtigt. Ein Durchschnittshaushalt zahlt um rund 100 Euro mehr als noch vor einem Jahr.

Mitterlehner verwies auf die günstigeren Kosten für Gas in anderen europäischen Ländern. Nur in vier europäischen Hauptstädten sei Gas noch teurer als in Wien. In der Bundeshauptstadt müsse man für dieselbe Menge Gas um knapp 500 Euro mehr zahlen als in Berlin.

Die Gasanbieter argumentieren, dass der Gaspreis am Ölpreis hängt und die Tarife mit einer Verspätung von drei Monaten bis zu einem halben Jahr angepasst werden. Außerdem habe man langfristige Verträge abgeschlossen.

Die Aufsichtsbehörde E-Control überzeugt das allerdings nicht: "Die Margen der Gasanbieter werden nach den Preiserhöhungen am obersten Ende der Bandbreite der vergangenen zwei Jahre liegen", heißt in der Presseaussendung. "Ob das Ausmaß der Preiserhöhung über die Situation an den Großhandelsmärkten gerechtfertigt werden kann, ist zu hinterfragen."

Vorbild

Deutschland Vor allem die günstigen Spotpreise im Sommer sind für E-Control Vorstand Martin Graf ein Argument gegen die Preissteigerungen: "In Deutschland hat der E.ON Konzern angekündigt, die Preise für Haushaltskunden bis April 2012 stabil zu halten. Auch Österreichs Haushaltskunden sollten von den verbesserten Rahmenbedingungen auf den Gasbeschaffungsmärkten profitieren."

E-Control Co-Vorstand Walter Boltz rät daher den Kunden "ihre Rechte wahrzunehmen" und sich einen billigeren Anbieter zu suchen. Das bringt laut E-Control etwa 100 Euro im Jahr.
Wirtschaftsminister Mitterlehner hofft, dass durch das geplante Gaswirtschaftsgesetz der Wettbewerbe belebt wird. Neben zusätzlichen Überwachungsmöglichkeiten für die E-Control wird mit dem neuen Gesetz auch ein rascherer Wechsel des Anbieters möglich.

Allerdings fehlt für den Beschluss des Gesetzes die notwendige Zweidrittelmehrheit im Parlament. Die Opposition stößt sich daran, dass laut dem Gesetz Enteignungen für den Bau von Gasleitungen möglich sind.

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