Wirtschaft
08.05.2017

Haushalte sollen künftig mit Biogas statt mit Erdgas heizen

Österreichs Gasversorger wollen "grün" werden.

Die heimische Gaswirtschaft hat Sorge zum Verlierer der Klima-Strategie zu werden. Bei der Verbrennung von Erdgas entsteht zwar weniger CO2 als bei Öl oder Kohle, klimaschädlich ist dessen Einsatz dennoch. Daher haben die Gasversorger beschlossen, "grün" zu werden: Bis 2050 sollen alle Haushalte, die mit Gas oder Fernwärme heizen, auf Biogas, das aus Abfällen oder aus Ökostrom produziert wird, umgestellt werden.

"Das ist möglich", erklärt Manfred Pachernegg, Präsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach sowie Geschäftsführer der Energienetze Steiermark. Zwei Milliarden Kubikmeter Erdgas, rund ein Viertel des österreichischen Jahresverbrauchs, würden für Raumwärme verwendet. Dies kann zur Gänze in Biogasanlagen erzeugt werden. Reststoffe dafür gebe es genug, hat eine Studie der Linzer Johannes-Kepler-Universität herausgefunden. Etwa drei Viertel dieser Erdgasmenge könnte durch Biogas, gewonnen aus der Biotonne, Stroh oder Klärschlamm, ersetzt werden. Ein Viertel soll aus Sonnen- oder Windstrom erzeugt werden.

Anreize

Natürlich wäre das nicht ganz billig. "Wir bräuchten dafür steuerliche Anreize", meint Pachernegg. Die Branche wünscht sich, dass Biogas in der nächsten großen Ökostrom-Fördernovelle Eingang finde. Pachernegg bevorzugt dabei "marktnahe Fördermodelle, also Investitionsanreize für die Anlagen oder Ausschreibungen. Stufenweise beginnen sollte der Umstieg auf Biogas schon 2019. Zudem fordert die Gasbranche eine Berfreigung des des Biogases, das ins Netz eingespeist wird, von der Erdgasabgabe. Für die Haushalte sollte Biogas dann nicht viel teurer sein als das jetzige Erdgas.

Der Einsatz von Biogas habe nicht nur klimapolitische Gründe, sagt Pachernegg. Der Vorteil sei auch, dass die Gaswirtschaft über die gesamte Infrastruktur - Pipelines und Verteilerstationen - verfüge. Diese könnte genauso für Biogas wie für Erdgas genützt werden. Chemisch gebe es zwischen den beiden keinen Unterschied.

Derzeit speisen gut ein Dutzend Biomethananlagen in Österreich 25 Millionen Kubikmeter "grünes Gas" ins Netz ein. Die übrigen rund 200 Biogasanlagen erzeugen Strom, der Großteil davon schreibt trotz der Ökostromförderung Verluste und dürfte in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden. Ein kleiner Teil dieser Anlagen könnte auch für die Biogaserzeugung genutzt werden. Würde der Raumwärmebedarf aller Privaten von Erdgas und Fernwärme auf Biogas umgestellt, wären rund 500 neue Anlagen nötig.