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Wirtschaft
09/13/2012

Handys: Faire Produktion bleibt Utopie

Nokia und Apple stehen wegen unmenschlicher Arbeitsbedingungen in Indien und China am Pranger.

von Anita Staudacher

Der 22-jährige Schichtarbeiter Santosh arbeitet sechs Tage die Woche jeweils acht Stunden für das Nokia-Werk nahe Chennai in Südindien. 85 Euro pro Monat erhält er dafür. "Für diesen Lohn kann ich mir keine Familie leisten", seufzt er. Ein Großteil des Geldes geht für die Miete einer desolaten Gemeinschaftswohnung ohne Fließwasser drauf.

Dabei ist Santosh noch besser dran als die vielen Leiharbeiter beim benachbarten Nokia-Zulieferer Wintek, die weder in Urlaub noch in Krankenstand gehen können. Ein Aufstand endete mit der Entlassung aller Beteiligten, Personal gibt es in Indien schließlich genug. "Die dunkle Seite der Schnäppchen-Handys", nennt sich ein neuer Film über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Handy-Produktion in Südindien. ORF-Filmer Christian Brüser begleitete dabei ein Team der Menschenrechtsorganisation Südwind.

"Es gibt kein fair produziertes Handy", fasst Nora Holzmann von der Südwind-Agentur ihre Recherchen in Südindien zusammen. Während Handy-Hersteller und ihre Zulieferer in staatlich geförderten Sonderwirtschaftszonen sogar Gratis-Strom beziehen, müssten Arbeiter überhöhte Strompreise bezahlen. Nokia rechtfertigt sich auf Anfrage damit, "die höchsten Löhne in der Region zu bezahlen". Nach mehreren Streiks wurde auch eine Arbeitnehmervertretung zugelassen. Der Nokia-Verhaltenskodex, darin ist von einer "angemessenen Vergütung" die Rede, gelte auch für Vertragspartner. Die Smartphone-Dominanz von Samsung und Apple brachte Nokia zuletzt ins Trudeln, die Finnen stehen daher unter enormem Kostendruck.

iPhone5

Gegen Apple-Partner Foxconn, Hauptzulieferer für das neue iPhone5, werden ebenfalls neue Vorwürfe erhoben. Die englischsprachige Zeitung Shanghai Daily berichtete, dass wegen Personalknappheit Studenten gezwungen wurden, bei der iPhone-Fertigung auszuhelfen. Sechs Tage pro Woche, jeweils zwölf Stunden. Von den 190 Euro Monatslohn hätten sie Kost und Logis selbst bezahlen müssen. Foxconn rechtfertigte sich damit, dass die Studenten ihre Praktika absolvierten. Der Spiegel berichtet von einem chinesischer Journalisten, der undercover bei Foxconn arbeitete und von enormem Arbeitsdruck, stinkenden Schlafsälen und verdreckter Bettwäsche berichtete.

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