Gute Nachricht für Sparer: Zinsen steigen

Zuletzt sind die Preise für Energie und Nahrung kräftig gestiegen
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Die Währungshüter bleiben ihrer Linie treu: Die EZB reagiert auf die anziehenden Preise und hebt den Leitzins auf 1,5 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht die Zügel weiter an. Wegen des anhaltenden Inflationsdrucks wird der Leitzins im Euro-Raum wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent erhöht.

Allerdings bremst die Schuldenkrise in mehreren Euroländern Europas Währungshüter auf ihrem Kurs zu höheren Zinsen: Teures Geld ist Gift für die lahmende Wirtschaft der Pleitekandidaten Griechenland oder Portugal.

Mit dem zweiten kleinen Zinsschritt binnen drei Monaten setzen die Währungshüter ihren allmählichen Ausstieg aus der Krisenpolitik des extrem billigen Geldes fort. Zuvor hatte der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld seit Mai 2009 auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent verharrt.

Wie reagieren Österreichs Banken?

Zuletzt sind die Preise für Energie und Nahrung kräftig gestiegen Foto: Reuters Zuletzt sind die Preise für Energie und Nahrung kräftig gestiegen

Die Entscheidung der Notenbanker hat positive Auswirkungen für die (heimischen) Sparer. Die Erste Bank kündigte an, dass sie die Zinsen für Sparprodukte mit variablen Zinsen Mitte Juli um einen Viertelprozentpunkt anheben wird. Da der EZB-Entscheid in der Branche schon im Vorfeld als sicher galt, habe man die Zinsen für Sparbücher mit fixer Laufzeit bereits Anfang des Monats angehoben. Auch die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien habe die Leitzinserhöhung in ihren Produkten bereits vorweggenommen, hieß es. Die Bank Austria erhöhe die Einlagenzinsen mittels neuem Kapitalsparbuch, das für neun Monate mit 1,8 Prozent verzinst sei. Bei den Kreditzinsen, hieß es bei den Banken unisono, werde es hingegen zu keiner pauschalen Verteuerung kommen.

Salamitaktik

Volkswirte erwarten trotz der lodernden Staatsschuldenkrise in Griechenland und anderen Euroländern mindestens eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr. "Da sich die Inflationsrate stabilisiert und das Wirtschaftswachstum gerade eine kleine Pause einlegt, wird die EZB mit dem nächsten Zinsschritt aber voraussichtlich bis Dezember warten", prognostizierte Berenberg-Ökonom Christian Schulz.

Bis dahin wird Mario Draghi den bisherigen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet als "Mr. Euro" abgelöst haben. Der Italiener könnte mit einer Zinserhöhung zur Amtsübernahme ein Zeichen setzen. In Deutschland und anderen Ländern gibt es Vorbehalte, ob auch ein Südländer der Stabilität der gemeinsamen Währung absoluten Vorrang einräumen wird.

Kampf gegen die Inflation

Zuletzt hatten vor allem die Preise für Energie und Nahrungsmittel kräftig angezogen. Im Juni lag die jährliche Teuerungsrate in den 17 Euro-Ländern daher bei 2,7 Prozent und damit deutlich über dem von der EZB formulierten Stabilitätsziel von knapp unter 2 Prozent.

Höhere Zinsen helfen im Kampf gegen die Inflation: Kredite werden tendenziell teurer, das mindert die Neigung von Unternehmen und Verbrauchern, auf Pump zu investieren und zu konsumieren. Da die deutsche Wirtschaft brummt, halten Volkswirte höhere Zinsen schon seit längerem für erforderlich, um eine Überhitzung mit Blasenbildungen an den Märkten zu vermeiden.

Andererseits könnten höhere Zinsen die Wirtschaftserholung in den europäischen Schuldenländern zusätzlich erschweren. Dort bremsen rigide Sparauflagen den Aufschwung ohnehin. Die britische Notenbank hält ihren Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

Kritik von AK und WKÖ

Nicht alle sind mit dem Schritt der EZB zufrieden: Kritik kommt von Arbeiterkammer (AK) und Wirtschaftskammer (WKÖ). Der Zinsschritt "heizt die negative Spirale für die hoch verschuldeten Länder weiter an", gab AK-Präsident Herbert Tumpel zu bedenken. Er warnte: "Wer die Inflation bekämpfen will, soll nicht die Schulden teurer machen." Stattdessen sollte die EU die "preistreiberische Spekulation mit Rohstoffen stoppen, für mehr Kaufkraft sorgen und die Verursacher der Finanzkrise zur Kassa bitten, zum Beispiel mit einer Finanztransaktionssteuer".

Auch WKÖ-Chef Christoph Leitl zeigte sich enttäuscht. "Die Europäische Zentralbank mahnt zu Recht eine Konsolidierung der Staatshaushalte im Euroraum ein. Mit Zinserhöhungen erschwert sie aber die Konsolidierungsbestrebungen der Euro-Staaten", mahnte Leitl.

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(dpa / js, csm, sho) Erstellt am
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