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Insolvenz-Krimi
02/09/2016

Gulliver’s Reisen: Verdacht auf schweren Betrug

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden Ex-Chefs der Reisebüro-Gruppe. Die weisen die Vorwürfe zurück.

von Kid Möchel

Die Pleite der Reisebüro-Gruppe Gulliver’s Reisen vor gut einem Jahr hat sich zu einem Millionen schweren Kriminalfall ausgewachsen. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt nicht nur wegen des Verdachts der Gläubiger-Schädigung und Bilanzfälschung, sondern auch wegen des Verdachts der Veruntreuung und des schweren Betruges. Im Fokus der Ermittlungen stehen die Ex-Geschäftsführer Carla und Helmut Maurerbauer sowie eine frühere Mitarbeiterin. Sie bestreiten die Vorwürfe. Detail am Rande: Die 18 Gulliver’s-Filialen wurde kurz nach der Pleite an einen Mitbewerber verkauft.

Schwere Vorwürfe

"Wir prüfen den Verdacht des schweren Betruges zum Nachteil einer kreditgebenden Bank", bestätigt Oberstaatsanwalt Norbert Hauser von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft dem KURIER. "2014 sollen die Beschuldigten durch Vorlage unrichtiger Jahresabschlüsse die Kreditfähigkeit vorgespiegelt und dadurch weitere Kredite in Millionenhöhe erhalten haben." Außerdem sollen Reise-Entgelte von Kunden nicht an Reiseveranstalter weitergeleitet, sondern für die eigene Unternehmensgruppe verwendet worden sein. "Hier geht es um einen mutmaßlichen Schaden von rund 900.000 Euro", sagt Hauser. Laut Aktenlage soll die Gulliver’s-Gruppe vor allem "noch nicht abrechenbare Leistungen" und "geleistete Anzahlungen" jahrelang falsch bilanziert haben. Dadurch konnte die Unternehmens-Gruppe positive Ergebnisse und ein positives Eigenkapital ausweisen.

Zwei Gutachten

Nach der Insolvenz ließen die Banken die Bilanzen der Jahre 2011 bis 2013 vom renommierten Sachverständigen Kurt Bernegger durchleuchten. Er kommt in seinem Gutachten zum Schluss, dass die Jahresergebnisse nicht plus zwei Millionen Euro, sondern tatsächlich minus 11,5 Millionen Euro betrugen. Auch das Eigenkapital lag nicht bei plus 6,39 Millionen Euro, wie ausgewiesen, sondern bei minus 18,92 Millionen Euro. Die Berechnungen betreffen aber nur vier Gulliver’s-Gesellschaften.

Bereits 2011 zahlungsunfähig?

Die Premium Reiseholding und das Geschäftsjahr 2014 sind darin noch nicht berücksichtigt. Laut einem weiteren Gutachten waren die "fälligen Schulden bereits (Anfang 2011) höher als die kurzfristig zu deren Deckung verwertbaren Vermögenswerte".

"Die Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaften der Gulliver’s Gruppe lag spätestens im Jänner 2011 vor, wären die Jahresabschlüsse von Beginn an korrekt aufgestellt worden", heißt es in einem zweiten Gutachten des Wirtschaftsprüfers BDO, das die Insolvenzverwalter eingeholt haben. "Dies deshalb, da nicht angenommen werden kann, dass die Kreditinstitute einer Umschuldung oder Neuvergabe von Finanzierungen zugestimmt beziehungsweise gewährt hätten, wenn über die Jahre hinweg Verluste erwirtschaftet werden und ein maßgebliches negatives Eigenkapital vorliegt." Nachsatz: "Die Gruppe konnte seinen Zahlungsverpflichtungen bis Ende 2014 dennoch überwiegend nachkommen, da die Bankenlinien kontinuierlich ausgeweitet wurden."

Alles ganz anders

"Die Vorwürfe sind haltlos, aus der Luft gegriffen und leicht zu widerlegen. Meine Mandanten haben keinen Cent veruntreut und niemanden betrogen", kontert Anwältin Kristina Venturini, die Carla und Helmut Maurerbauer vertritt, im Gespräch mit dem KURIER. "Es waren buchungstechnische Vorgänge, das Geld fehlt ja nicht. Sie hatten jahrelang einen Steuerberater und einen Wirtschaftsprüfer. Die haben die Buchungen gutgeheißen." Letzterer soll aber Anzeige erstattet haben.

Zwei Privatkonkurse und weitere Folgepleiten

Am 11. Dezember 2015 befinden sich Carla und Helmut Maurerbauer, die in den beiden Edikten des Gerichtes als Eventmanager bezeichnet werden, im Privatkonkurs. Die diesbezüglichen Anträge sollen Gläubiger gestellt haben. Dem Vernehmen nach soll das Paar derzeit in einer Firma des Sohnes beschäftigt sein.

Anfang Jänner 2015 wurde der Konkurs über die Travel & Lifstyle Media- Event GmbH eröffnet, auch sie gehört je zur Hälfte Carla und Helmut Maurerbauer. Das Unternehmen wurde vom Masseverwalter Felix Stortecky geschlossen. Der Masseverwalterhat laut Gericht angezeigt, " dass die Insolvenzmasse nicht ausreicht, um die Masseforderungen zu erfüllen". Anfang März 2015 wurde der Konkurs über die Beauty & Lifestyle "The Luxury SPA Company" GmbH eröffnet. Auch dieses Unternehmen, das Carla Mauerbauer gehört, wurde vom Masseverwalter Stephan Riel geschlossen.

Die weiteren Unternehmen der Familie Maurerbauer, die Beauty & Lifestyle Cosmetics, die MM Immobilienentwicklungs GmbH sowie die M&M Invest und Beteiligungs GmbH, sind nicht insolvent.