Wirtschaft
01.09.2018

Gulliver’s-Reisen-Pleite: Ex-Chefs nun verurteilt

Vier Jahre nach dem Millionen-Konkurs präsentierte das Gericht dem Ehepaar M. die Rechnung. Sie melden aber Berufung an.

Sri Lanka, Malediven oder die Karibik – die Reisebüro-Gruppe Gulliver’s Reisen (18 Filialen) aus Himberg, Niederösterreich, spielte „in der Oberliga bei Luxusreisen“. Nach dem Mega-Konkurs Ende 2014 standen die früheren Firmenchefs Carla und Helmut M. sowie eine weitere Person aber jetzt vor dem Strafrichter – und wurden verurteilt. Carla M. erhielt wegen betrügerischer Krida und schweren Betruges 30 Monate Freiheitsstrafe, davon aber nur fünf Monate unbedingt. Den Schaden beziffert das Gericht mit rund

2,6 Millionen Euro, wie ihre Verteidigerin Kristina Venturini dem KURIER betätigt.

Helmut M. und ein dritter Angeklagter wurden wegen betrügerischer Krida zu zwölf Monaten beziehungsweise acht Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt.

„Vom Vorwurf der Veruntreuung sind aber alle drei freigesprochen worden“, sagte Gernot Braitenberg-Zennenberg, Vizepräsident des Landesgerichts Korneuburg, dem KURIER.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Die zuständige Anklägerin der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat noch im Gerichtssaal am Dienstag Berufung gegen das Urteil angekündigt. Die Frist für die Anmeldung dieses Rechtsmittels lief erst Freitagnacht ab. „Auch meine beiden Mandanten werden Berufung anmelden“, sagt Anwältin Venturini, die das Ehepaar M. vertritt.

Dabei ist das frühere Unternehmer-Ehepaar, das angeblich auch privat gern im Luxus schwelgte, eigentlich eher glimpflich davongekommen. Denn es drohten bis zu zehn Jahre Haft.

Schwere Geschütze

Der Sachverständige Martin Geyer war in seinem Gutachten nämlich zum Schluss gekommen, dass die Zahlungsunfähigkeit der Gruppe für die Geschäftsführung spätestens zum 30. Juni 2012 erkennbar war. In vier der sechs Insolvenzverfahren waren fast 33 Mio. Euro Forderungen anerkannt worden, den Befriedigungsausfall der Gläubiger bezifferte Geyer in seiner Expertise mit etwa 16 Mio. Euro. Darin wurden der früheren Firmenchefin auch „übermäßige Entnahmen“ zumindest in den Jahren 2011 bis 2014 vorgeworfen.

Die Reisebüro-Gruppe selbst war kurz nach der Pleite an einen Mitwerber verkauft worden. Kid Möchel