Schauraum von Bene Wien in der Neutorgasse

© KURIER/Franz Gruber

Pleite abgewendet
06/08/2015

Grossnigg und Bartenstein krallen sich Bene

Investoren Grossnigg und Bartenstein wollen Büromöbelfirma wieder auf Schiene bringen. Es geht um 1000 Jobs.

von Kid Möchel

Beim angeschlagenen Büromöbel-Hersteller Bene (973 Mitarbeiter) mit Stammsitz in Waidhofen an der Ybbs bleibt kein Brett auf dem anderen. Die Aktionäre des Unternehmens, das an der Wiener Börse notiert, haben am Montag in einer außerordentlichen Hauptversammlung das weitere Schicksal des Traditionsunternehmens besiegelt.

Nach 225 Jahren geht die Familie Bene, die zuletzt noch 42,5 Prozent über eine Privatstiftung an der Tischlerei hielt, von Bord. Denn: 83 Prozent der anwesenden Aktionäre haben den Einstieg des Sanierers Erhard Grossnigg sowie des Investors und Ex-Wirtschaftsministers Martin Bartenstein abgesegnet. Der Investoren-Einstieg war für die finanziell schwer angeschlagene Firma überlebensnotwendig, anderenfalls wäre Bene in die Pleite geschlittert (der KURIER berichtete).

Die Übernahme von 100 Prozent der Firmenanteile durch Grossnigg & Co. erfolgt in mehreren Stufen. In einem ersten Schritt wird ein Kapitalschnitt durchgeführt. Je 25 Bene-Aktien werden zu zwei Aktien zusammengelegt. In einem zweiten Schritt wird die BGO Beteiligungsverwaltung, die je zur Hälfte Bartenstein und Grossnigg gehört, 18 Millionen Euro in die Hand nehmen, um neue Aktien zu zeichnen.

Ausschluss der restlichen Kleinaktionäre

Unter dem Strich hält die neue Eigentümerin BGO dann mehr als 90 Prozent an der niederösterreichischen Möbelfirma. Mit dieser satten Mehrheit kann sie die restlichen Kleinaktionäre mit einer Abfindungszahlung aus dem Unternehmen drängen. In der Börsensprache nennt man diesen aktienrechtlichen Vorgang Squeeze-out.

Den Ausschluss der Kleinaktionäre will Grossnigg offenbar schnell durchziehen. Nur muss er noch maximal ein Monat damit warten, bis die Übernahme auch formal im Firmenbuch eingetragen ist. Denn: Frustrierte Aktionäre könnten theoretisch noch Klagen gegen den Deal bei Gericht einbringen.

„Die Hauptversammlung war sehr konstruktiv, aber auch durchaus kritisch“, sagt Wilhelm Rasinger, Präsident des Interessenverband für Anleger (IVA) zum KURIER. „Für die neuen Eigentümer war es ein Sieg nach Punkten. Für die Kleinaktionäre war es aber kein schöner Tag.“ Nachsatz: „Herr Bene ließ sich krankheitshalber entschuldigen. Das war besser, denn diese Hauptversammlung hätte ihm das Herz gebrochen.“

Das Übernahmepaket ist laut Rasinger „nicht ausgewogen“. Die Kleinaktionäre würden um 98 Prozent ihrer Anteile geschoren, die Banken lassen 40 Prozent der Schulden nach. „Die Firma ist aber so gut wie gerettet, die Sanierung auf Schiene“, räumt auch Rasinger ein.
Schwierige GewässerIndes war der Geschäftsverlauf von Bene im ersten Quartal 2015/16 (Februar bis April) schwierig. Weitere 65 Jobs wurden gestrichen. Zwar stieg der gesamte Quartalsumsatz um fast zehn Prozent auf 38,53 Millionen Euro, aber in Österreich ging er um 7,6 Prozent zurück. Das Ergebnis vor Steuern betrug minus zwei Millionen Euro. Das Eigenkapital ist mit 40,9 Millionen Euro unter Wasser. Die Netto-Schulden werden mit 72,57 Mio. Euro beziffert.

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