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Insolvenz
09/08/2016

Groß-Pleite eines Bio-Gemüse-Betriebs

Nach einer Steuerprüfung musste Sanierungsverfahren beantragt werden. Inhaber will zweite Chance nutzen und künftig nur noch verpacken.

von Kid Möchel

Im österreichischen Bio-Gemüseanbau gibt es eine relativ große Insolvenz. Das nicht protokollierte Einzelunternehmen Dipl.-Ing. Wilfried Menzinger mit Sitz im niederösterreichischen Franzensdorf bei Groß Enzersdorf hat ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung am Landesgericht Korneuburg beantragt. Am Donnerstag wurde das Verfahren laut den Gläubigerschutzverbänden AKV und Creditreform bereits eröffnet. Das Unternehmen bietet seinen Gläubigern zumindest 20 Prozent Quote in zwei Jahren an.

Der Betrieb baute ursprünglich auf rund 80 Hektar Bio-Wurzelgemüse an, zuletzt waren es nur noch auf 50 bis 60 Hektar. Beliefert werden die großen Player im Lebensmitteleinzelhandel. Pleite-Ursache ist das Resultat einer sogenannten „Gemeinsamen Prüfung aller lohnabhängigen Abgaben (GPLA). Menzinger räumt ein, dass er selbst die Lohnabgaben falsch berechnet habe. Laut AKV hatte Menzinger zu Hochzeiten 50 Mitarbeiter.

„Es gab eine Lohnsteuerprüfung über drei Jahre und die Nachzahlungen sind zu hoch, um sie jetzt zu stemmen“, sagt Menzinger im Gespräch mit dem KURIER. „Es geht um mehrere Hundertausende Euro. Ich habe über die Sommermonate wenig Einkommen und es ist sich nicht ausgegangen. Die Einnahmen haben wir hauptsächlich ab Oktober bis April.“ Nachsatz: „Es wird weitergehen und das Unternehmen wird wieder wirtschaftlich gesund und profitabel.“ Die Ernte läuft derzeit weiter.

Vom Anbau zum Verpacker

Der Bio-Bauer will nun im Zuge des Sanierungsverfahrens neu durchstarten und wird dazu das Geschäftsmodell ändern. Nach Ende der laufenden Saison 2016/17 will er die eigene Gemüse-Produktion stark einschränken und sich auf die reine Verarbeitung und Verpackung von Biogemüse für die Lebensmittelketten konzentrieren. Durch den Wegfall der Kosten für das Saatgut, die Jungpflanzen und die Maschinen soll sich die finanzielle Liquidität des Unternehmens wieder entspannen.

Bereits in der vergangenen Saison 2015/16 hat Menzinger Lohnverpackungen für Marchfeldgemüse durchgeführt. Daher kann er aussagekräftige Kalkulationen für dieses Geschäftsfeld vorlegen. Die Preise sind kostendeckend. Die in den vergangenen Jahren durchgeführten Investitionen in eine Verpackungshalle ermöglicht es die Dienstleistung Verpackung zu erweitern.