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Griechenland
07/07/2015

Sorge um den griechischen Tourismus

Die Reisebranche ist in Alarmstimmung, manche Airlines stoppen den Ticketverkauf.

Es gibt zurzeit genug Ängste, die die Griechen angesichts der Schuldenkrise plagen. Jene um den Tourismus kommt nach dem Referendum noch hinzu. Hoteliers und Restaurantbesitzer fürchten, dass nach dem Nein zu den Sparvorgaben die Urlauber wegbleiben. Der Tourismus ist in dem von hoher Arbeitslosigkeit und Rezession gebeutelten Euro-Land einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Fällt auch er aus, verschärft sich die ohnehin schon dramatische Situation weiter. „Der Schaden ist bereits entstanden“, sagt Christos Pilatakis, Hoteldirektor auf Rhodos. Bereits nach der Ankündigung des Referendums seien vor allem Individualurlauber abgereist. Pauschalreisende seien bisher geblieben. Allerdings gebe es Stornierungen für die nächsten Monate. Vor allem der Last-Minute-Bereich ist betroffen (mehr dazu hier).

Airlines stoppen Ticketverkauf

Am Montag hätten mehrere Fluggesellschaften griechischen Reisebüros und Reiseveranstaltern untersagt, ihre Flugtickets zu verkaufen, berichtete am Dienstag der TV-Sender n-tv unter Berufung auf die griechische Zeitung "To Vima". Unter anderem seien Reisen mit Emirates, Virgin, Turkish Airlines, Qatar, Quantas, Air Baltic, Pegasus, China Airlines, China Eastern, China Southern, Philippines und Cathay betroffen - Flüge der AUA hingegen nicht, wie es von der Airline hieß.

Grund für den Schritt sind nach Angaben der griechischen Zeitung die seit vergangener Woche verhängten Kapitalverkehrskontrollen. Die Unternehmen fürchten, dass Veranstalter ihre Rechnungen nicht begleichen können.

Dennoch bleibt Griechenland eines der beliebtesten Urlaubsziele. Beim deutschen Reiseveranstalter TUI gibt es etwa keine Anfragen der Kunden wegen Stornierungen oder Umbuchungen. Auch die Fluglinien wollen ihr Flugprogramm beibehalten. Für die angeschlagene griechische Wirtschaft ist der Tourismus ein Lichtblick. Er trägt mehr als 16 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Im vergangenen Jahr reisten 22 Millionen Sonnenhungrige aus aller Welt nach Hellas - ein Rekord. Allein rund 2,5 Millionen kamen aus Deutschland. Rund 13,4 Milliarden Euro spülten die Touristen in griechische Kassen.

Ein weiteres Rekordjahr scheint angesichts des Dauerdramas zwar wenig wahrscheinlich. Mit einem drastischen Rückgang der Urlauberzahlen rechnet Branchenexperte Ulf Sonntag vom deutschen Institut für Tourismus und Bäderforschung vorerst aber nicht. „Die Sommersaison ist schon weitgehend gebucht und auch für die Herbstsaison haben viele die Reise schon festgemacht“. Pauschalreisen nach Griechenland lassen sich allein wegen der aktuellen politischen Diskussion ohnehin nicht kostenlos stornieren. Das dürfte so manchen Touristen von einer Änderung seiner Pläne abhalten. „Das Reiseverhalten ändert sich meist dann entscheidend, wenn das Urlaubserlebnis massiv beeinträchtigt wird, beispielsweise durch einen Generalstreik oder Naturkatastrophen“, sagt Sonntag. „Derzeit sehe ich keinen Grund für Stornierungen.“

Griechen bleiben zu Hause

Möglicherweise verzichtet der ein oder andere Sonnenhungrige, der auf eigene Faust unterwegs ist, auf den geplanten Griechenland-Trip. In der Summe dürfte das Sonntag zufolge aber keine allzu große Rolle spielen. Pauschalurlaube machen mit 67 Prozent den größten Teil der Reisen nach Hellas aus. Anders sieht es dagegen bei Touristen aus dem eigenen Land aus. Hotelier Dimitris Skalidis in der Nähe von Nafplion auf der Halbinsel Peloponnes spricht von einer Katastrophe. „Die meisten werden wohl diesen Sommer Ferien bei der Tante oder den Großeltern machen. Man hat den Tourismus zerschmettert“.

Auch die Lebensmittelhersteller warnten, dass in den nächsten Tagen bestimmte Nahrungsmittel knapp werden könnten. Dies dürfte vor allem für Fleisch- und Milchprodukte gelten, die Griechenland größtenteils aus dem Ausland bezieht und die die Importeure wegen der Zahlungsbeschränkungen nicht mehr beschaffen können.

Impressionen aus Griechenland

GREECE ECONOMY CRISIS BANK QUEUES

A pensioner leans against the main door of a branc

A worker cleans graffiti outside the central Bank

A woman sweeps the pavement in front of her shop a

A fishmonger waits for customers in a local market

A butcher smokes as he waits for customers in a lo

People read the front pages of various newspapers

A woman reads a book in the village of Meyisti

A woman reacts as she prepares to enter during a c

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