Gorbachs 9000-Euro-Sekretärin

Bestens vernetzt: Gorbach mit Ex-Telekom-Generaldirektor Heinz Sundt.
Foto: APA/OTS/Telekom Austria/A. Bieniek

Hintergrund - Geringe Firmenaktivität, trotzdem hohe Zahlungen an eine Mitarbeiterin.

Hubert Gorbach dürfte ein sparsamer Geschäftsmann sein. Der Sitz seiner Consulting-Firma befindet sich an der Wohnadresse des Ex-Vizekanzlers in Frastanz (Vorarlberg). Aus den Jahresabschlüssen geht hervor, dass der 55-Jährige nur wenig Geld in den Bürobetrieb investiert hat - 2010 waren es rund 1000 Euro. Und seine Sekretärin soll er sich zwei Jahre lang von der Telekom finanzieren lassen haben.

Das geht aus Belegen hervor, die News veröffentlicht hat. Demnach hat Gorbach-Mitarbeiterin Gabriele K. im Zeitraum 2008/'09 rund 264.000 Euro kassiert. Zum Vergleich: Das Gesamtvermögen der Gorbach Consulting GmbH betrug laut Jahresabschluss 2010 rund 170.000 Euro.

Teure Kraft

Die Sekretärin muss eine wertvolle Kraft gewesen sein. Denn geht man von 14 Gehältern aus, müsste sie monatlich rund 9400 Euro gekostet haben (geflossen ist das Geld laut News über eine Agentur des Ex-Lobbyisten Peter Hochegger). Damit wäre sie eine der bestbezahlten Sekretärinnen Österreichs eines Kleinunternehmens. Oder ist vielleicht ein Teil des Geldes an ihren Chef weitergeflossen? Als Dankeschön der Telekom?

Immerhin soll Gorbach in seiner Zeit als Vizekanzler und Infrastrukturminister (zuerst FPÖ, dann BZÖ) am Ende seiner Polit-Karriere noch für eine Telekom-freundliche Verordnung gesorgt haben. Der Ressortchef war für eine Novelle der sogenannten Universaldienstverordnung verantwortlich, die der Telekom zusätzliche Einnahmen beschert hat - zulasten der privaten Telefon-Anbieter, die sich schon 2006 über die Gesetzesänderung echauffiert haben. "Der Verband der Alternativen Anbieter" kritisierte, Gorbach habe die Novelle "durchgepeitscht", das sei "maßgeschneiderte Anlassgesetzgebung". Die Telekom soll dadurch Mehreinnahmen von mehr als zehn Millionen Euro erzielt haben.

Begleiterin

Wer ist Gorbachs Goldstück Gabriele K.? Sie war schon für ihn tätig, als er noch in der Vorarlberger Landespolitik aktiv war. Sie war auch seine rechte Hand, als er in die Bundespolitik ging. 2003 wurde sie kurzfristig von der FPÖ-Vorarlberg an das Kabinett des Vizekanzlers "verliehen", fungierte danach aber als sein Draht ins Ländle. Nach dem Ende der Polit-Karriere blieb Gabriele K. ihrem Chef treu.

Wie Insider berichten, dürfte sie die Ghostwriterin von Gorbachs berühmtem Brief an den englischen Finanzminister Alistair Darling gewesen sein ("Dear Alistar, (...) I feel the world in Vorarlberg is too small"). In dem Schreiben bat der Neo-Unternehmer den britischen Politiker um Unterstützung beim Start in die Selbstständigkeit.

Mittlerweile ist die Mittvierzigerin K. (sie ist nicht Englisch-Lehrerin) in ihren angestammten Beruf als Pädagogin zurückgekehrt. Ob Gorbach sie sich nicht mehr leisten wollte? Wie auch immer. Der Ex-Politiker ist jedenfalls nach wie vor als Beratungsunternehmer tätig. Daneben sitzt er im Aufsichtsrat von RHI. 2009 hat er laut Geschäftsbericht rund 23.000 Euro dafür kassiert. Außerdem ist Gorbachs Firma seit 2008 Gesellschafter von Supergau. Der Name des Versicherungsbüros hat nichts mit Gorbachs aktuellen Verwicklungen zu tun. Firmengründer ist Ex-FPÖ-Landtagsabgeordneter Walter Gau.

Weder Gorbach noch seine Ex-Mitarbeiterin Gabriele K. waren für Stellungnahmen erreichbar. Laut News bestreitet Gorbach alle Vorwürfe. Für alle Genannten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

(KURIER) Erstellt am
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