Golfstaaten: Die Welt ist nicht genug

Burj Dubai
Foto: Reuters AHMED JADALLAH Mit 828 Metern der höchste Turm der Welt: Burj Khalifa. Er ist nach dem Herrscher Abu Dhabis, Scheikh Khalifa bin Zayed bin Sultan Al- Nahyan, benannt, der zugleich Präsident der VAE ist.

Am Golf. Man baute, als gäbe es kein Morgen. Dann kam die Krise. Jetzt rappelt man sich wieder auf und investiert ins Über-Morgen-Land.

Sehen Sie das? Da sollen Universal Studios entstehen“, sagt der Fahrer des SUV. Ein einsames Portal, blassrosa, sandig, 20 Minuten von Dubai entfernt mitten in der Wüste, taucht auf der linken Seite auf. Von Menschen keine Spur, kein Bauherr, kein Architekt, keine Arbeiter. Wird hier überhaupt noch gebaut? „Das weiß man nicht so genau. Vielleicht wird es auch wieder abgerissen“, sagt der groß gewachsene Palästinenser namens Nemad. Oft wiederholt der Fremdenführer diesen Satz, oft tauchen neben der Straße Rohbauten auf. Relikte des Bauwahns, der Gigantomanie – bevor die Finanz- und Wirtschaftskrise Dubai erreichte.

2009 stand das Emirat kurz vor der Pleite. Nur eine Finanzspritze in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar vom Nachbarn Abu Dhabi konnte den Crash abwenden, die ganze Region wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die heilende Wirkung des Desasters: Die aufgeblasenen Preise sind in Dubai seit 2008 um gut 60 Prozent wieder auf ein Normalmaß gesunken.

Außerhalb des Stadtzentrums von Dubai stehen viele Wohnungen leer. Auch wenn die Preise für Immobilien in schlechter Lage noch weiter sinken, wird Nemad nie in einer eigenen Wohnung leben. Er lebt mit drei Kollegen in einem Raum. „Die Philippinos leben oft zu zehnt in einem Raum. Sie schlafen in Stockbetten“, erzählt er. Ob er auch einheimische Kollegen habe? „Nein. Die Scheichs arbeiten nur in den höchsten Positionen“, sagt Nemad, für ihn ganz selbstverständlich.

Nur acht Prozent der in Dubai lebenden Menschen sind Emiratis. Das Gros der Dubai-Bewohner stammt aus Indien, Bangladesch, Pakistan und den Philippinen. Sie sind Bauarbeiter, Hotelpersonal, Fremdenführer, verdienen hier Geld für die ganze Familie im Heimatland. Die Posten in den internationalen Konzernen werden von Expats aus der ganzen Welt besetzt.

Der Österreicher Markus Tischelmayer ist seit einem Jahr bei der National Bank of Abu Dhabi tätig. „Ich lebe und arbeite sehr gerne hier“, sagt er. „Hier arbeitet man mit den besten Köpfen der Welt zusammen.“ Im Bankenbereich heißt das zumeist mit Briten.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Raumes sieht Markus Tischelmayer positiv. „Mittel- und langfristig wird sich der Markt sicherlich erholen, auch, da die Emirate touristisch immer interessanter und durch den Ausbau der Flughäfen wichtiger werden.“ Die Aktienmärkte würden wieder anziehen, das Handelsvolumen zunehmen, die Investoren zurückkommen.

Expo 2020, WM 2022

Dubais Ehrgeiz scheint nach der Krise wieder voll zurück zu sein. Das Emirat hat sich 2020 für die Weltausstellung beworben und erhofft sich positive Impulse für die Bauwirtschaft. „Das ist jedenfalls nachhaltiger als die WM, die 2022 in Katar ausgetragen wird“, sagt der österreichische Handelsdelegierte Wolfgang Penzias. Neun Stadien werden dafür neu errichtet. Im reichsten Emirat Abu Dhabi wird indes auf Kultur gebaut: Bald soll eine Dependance des Guggenheim-Museums und des Louvre eröffnen. Auch will man dort die Flugzeugindustrie aufbauen und einen eigenen Business-Jet produzieren. Für das nötige Kleingeld sorgt ein riesiges „neues“ Erdölfeld: Mit Hochdruck will Abu Dhabi die Upper-Zakum-Ölfelder erschließen

Von Andritz bis Plasser & Theurer

architect Jean Nouvel Foto: Reuters PHILIPPE WOJAZER Star-Architekt Jean Nouvel hat den Louvre in Abu Dhabi geplant. Die Eröffnung verschiebt sich von 2012 auf 2015.

Auch wenn man für eine touristische Zukunft vorbaut, in den kommenden Jahren werden die Emirate weiterhin massiv vom Erdölsektor abhängig sein: Gegenwärtig trägt er 80 Prozent der Staatseinnahmen. Durch den Anstieg der Erdölpreise werden, so Penzias, die Ölstaaten heuer 1200 Milliarden US-Dollar an Einnahmen generieren. Neben dem Tourismus wird auch massiv ins Transportwesen und die Infrastruktur investiert. Mit dabei: Österreichische Unternehmen, von Andritz über die Planungsfirma Geoconsult, hin zu Kapsch TrafficCom, Gleisbauprofi Plasser & Theurer und Waagner Biro. „Ich müsste eine Brücke suchen, die nicht von Waagner-Biro ist“, scherzt Wolfgang Penzias.

Neben den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist Penzias für Bahrain, Kuwait, Oman, Katar und Pakistan verantwortlich. Er selbst lebt im Emirat Abu Dhabi, das allein über 95 Prozent der Ölvorkommen der Emirate verfügt. „Jeder Österreicher hat in der Region eine Chance“, sagt Penzias. „Vom kleinen technischen Büro bis zu den großen Industriebetrieben.“

220 österreichische Unternehmen haben in den VAE eine Niederlassung. Denn: Ohne Niederlassung kein Vertrauen. „Vertrauen kommt nur dann auf, wenn man vor Ort ist und Fragen beantworten kann“, sagt Wolfgang Penzias. Tipp zwei des Handelsdelegierten: „Bei der Finanzierung immer auf Sicherheit gehen. Auch, wenn hier reiche Scheichs leben, ist das Kreditrisiko genauso zu beachten wie in anderen Überseemärkten.“ Die Zahlungsmoral in den Emiraten sei jedoch hoch. Die Banken sind, so Markus Tischelmayer, aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise aber auch in der Golfregion restriktiver geworden. „Gute und hochqualitative Firmen und staatsnahe Unternehmen sind davon ausgenommen. Ihnen stellen Banken genügend Liquidität zur Verfügung.“

Manche Projekte stehen still oder sind stark verzögert, wie etwa das Prestigeobjekt „Dubai World“. Sie drohte 2011 noch zu versinken, die Arbeiten wurden eingestellt. Am Montag überraschte man jedoch mit der Meldung, dass Erholung in Sicht ist und Schulden schneller zurückgezahlt werden, sagt Penzias. „Der Dubai World geht’s besser als erwartet."

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(kurier) Erstellt am
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