Glyphosat geht in die Verlängerung

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Foto: APA/DPA/PATRICK PLEUL Die Debatte über die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln wird weitergehen.

Der Unkrautvernichter wird in der EU für weitere fünf Jahre zugelassen.

Nach zähen Verhandlungen hat sich gestern, Montag, eine Mehrheit der EU-Staaten für eine Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat ausgesprochen. Das Herbizid darf nun noch weitere fünf Jahre in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Österreich hat gegen die Verlängerung gestimmt. Der Grund für das Nein war weniger sachliche Überzeugung als vielmehr politisches Kalkül. Die Glyphosat-Debatte war ein Thema im Nationalratswahlkampf. Die wichtigsten Punkte zu Glyphosat:

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Gentechnik?

Glyphosat wird in Nord- und Südamerika in Kombination mit gentechnisch veränderten Pflanzen eingesetzt. In Österreich ist das verboten.

Wird Glyphosat in den USA anders angewendet als in Österreich?

Ja. Glyphosat wird in Österreich eingesetzt, bevor die Nutzpflanzen zu wachsen beginnen oder erst nach der Ernte – weil alle Pflanzen vernichtet werden. Gentechnisch veränderte Pflanzen, die gegen Glyphosat resistent sind, sind hierzulande verboten. In den USA wird Glyphosat auch eingesetzt, wenn die Saat schon aufgegangen ist. Dort werden gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, die Glyphosat-resistent sind und daher mehrmaliges Spritzen ermöglichen. Das gilt insbesondere etwa für Rüben, Mais und Soja. Die ausgebrachten Mengen sind deutlich höher und es wird auf die Pflanzen direkt aufgebracht. Das ist auch eine der Ursachen für die Kritik am Glyphosateinsatz in den Vereinigten Staaten.

Warum wird es dann von den Bauern in den USA so häufig angewendet?

Weil es zu beträchtlichen Ertragssteigerungen führt.

Warum wird es in Österreich angewendet?

Um das Unkraut nach einem Verbot von Glyphosat vom Feld zu entfernen, müssten die Bauern vor der Aussaat mehrmals das Feld umpflügen. Das gilt auch für die Zeit nach der Ernte. Die zusätzliche Bodenbearbeitung bedingt einen höheren CO2-Ausstoß und eine stärkere Bodenerosion.

Gibt es Alternativen zu Glyphosat?

Bei einem Verzicht bleibt lediglich die mechanische Unkrautbekämpfung beziehungsweise der Umstieg auf andere Pflanzenschutzmittel. Da es kein anderes Herbizid mit einer ähnlich breiten Wirkung gibt, müssten mehrere Substanzen zum Pflanzenschutz aufgebracht werden. Beim Umstieg auf Biolandwirtschaft kann es zu teilweise beträchtlichen Ertragseinbußen kommen.

  Ist Glyphosat krebserregend?

Wie das deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung gehen auch die EU-Chemikalienagentur ECHA und die EU-Lebensmittelaufsichtsbehörde EFSA davon aus, dass Glyphosat nicht krebserregend ist. Ähnlich sieht das ein Ableger der Weltgesundheitsorganisation WHO, die JMPR.

Warum heißt es dann, Glyphosat sei "wahrscheinlich krebserregend?"

Laut der zur Weltgesundheitsorganisation gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) ist Glyphosat "wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen".

Wie sind so völlig unterschiedliche wissenschaftliche Urteile möglich?

Die IARC bewertet die theoretische Möglichkeit bei sehr hohen Dosierungen an Krebs zu erkranken. Die anderen genannten wissenschaftlichen Einrichtungen bewerten hingegen die reale Gefahr an Krebs zu erkranken.

Was heißt das in der Praxis?

Die Analysemethoden sind so genau, dass selbst kleinste Mengen festgestellt werden können. So wurden im Bier kleinste Mengen an Glyphosat entdeckt. Bevor das Glyphosat bei konsequentem Bierkonsum negative gesundheitliche Auswirkungen haben kann, ist der Biertrinker allerdings längst an den Folgen seines Alkoholkonsums gestorben.

(kurier) Erstellt am
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