Wirtschaft
09.08.2017

Gift-Eier für den Wurstsalat

Es ist wahrscheinlich, aber nicht bewiesen, dass in Österreichs Gastronomie Fipronil-Eier verspeist wurden.

Der Skandal um mit Fipronil belastete Eier erreicht nun auch Österreich. Faktum ist, dass Eier aus dem Ausland für die Gastronomie importiert wurden. Ob sie mit Fipronil belastet sind, ist nicht bekannt. Die Informationsbereitschaft der Behörden hält sich in Grenzen.

Wurden in Österreich mit Fipronil belastete Eier verkauft?

Das ist gut möglich. Nicht im Lebensmittelhandel, aber dafür in der Gastronomie. Die großen Einzelhandelsketten betonen, dass sie nur Eier von Legehennen aus Österreich im Sortiment haben. Ein Gastronomie-Großhändler hat aber Eier aus dem Ausland gekauft und als gekochte Eier ohne Schale an die Gastronomiebetriebe weitergegeben. Diese Eier könnten mit Fipronil belastet sein. Es wurde nun österreichweit eine Rückrufaktion gestartet. Das Gesundheitsministerium hat alle Bundesländer aufgefordert, in diese Richtung zu kontrollieren. In welchem Ausmaß die importierten Eier belastet sind, ist nicht bekannt.

Sind die Fipronil-Eier auf Gäste-Tellern gelandet? Das ist denkbar. Es werden wohl einige verspeist worden sein, bevor die Rückrufaktion gestartet wurde.

Warum haben das Gesundheitsministerium, die Landesbehörden und die Agrarmarkt Austria niemanden darüber informiert, dass Fipronil-Eier in der Gastronomie im Umlauf sein könnten?

Wahrscheinlich ist: Was der Konsument nicht weiß, macht ihn auch nicht heiß.

Kann es sein, dass noch auf anderen Wegen Fipronil-Eier nach Österreich gekommen sind?

Ja. Fipronil-Eier wurden auch für verarbeitete Lebensmittel verwendet. Welche und wie viele verarbeitete Lebensmittel davon betroffen sind, weiß allerdings niemand. Es ist möglich, dass derartige Produkte nach wie vor in den Regalen liegen.

Warum besteht die Möglichkeit, dass belastete Eier in der Gastronomie und in verarbeiteten Lebensmitteln verkauft wurden, aber nicht im Lebensmittelhandel?Im Lebensmitteleinzelhandel müssen die Eier gekennzeichnet werden. In der Gastronomie und bei verarbeiteten Produkten ist das nicht vorgeschrieben. Die Fipronil-Eier kommen aus den Niederlanden. Eier aus heimischer Produktion sind nicht belastet.

Woran erkannt man, ob die Eier aus Österreich oder aus dem Ausland kommen?

An der aufgestempelten Deklaration der Eier. Angegeben sind die Haltungsform der Hühner, das Herkunftsland, der Herstellungsbettrieb und die Mindesthaltbarkeit. Die aufgestempelte landwirtschaftliche Betriebsnummer lässt sich nur einem Betrieb zuordnen. Konsumenten, die wissen wollen, woher ihr Frühstücksei kommt, können das erfahren. Sie müssen lediglich in der Datenbank der AMA nachsehen (www.eierdatenbank.at)

Kann man die Kennzeichnung der Eier fälschen?

Das ist schwierig. Die vom Bauern aufgestempelte landwirtschaftliche Betriebsnummer lässt sich nur einem Betrieb zuordnen. Theoretisch wäre es möglich, in Österreich einen Legebetrieb mit einer Stempelnummer aufzubauen und den Stempel dann für Importeier zu verwenden. Es würde allerdings auffallen, wenn der Betrieb dann viel mehr Eier verkauft als er selbst produzieren kann.

Warum gibt es bei verarbeiteten Lebensmitteln und in der Gastronomie keine Verpflichtung, die Herkunft der Lebensmittel anzugeben?

Weil es eine starke Lobby bisher verhindert hat. Ein Teil der Gastronomen gibt die Herkunft der Lebensmittel freiwillig an. Die anderen befürchten Umsatzeinbußen, wenn die Kunden erfahren, wo das herkommt, was auf dem Teller liegt. Für die Wirtschaftskammer ist eine allgemeine Deklarationspflicht eine unerhörte bürokratische Schikane. Dazu kommt die Lobby der Lebensmittelindustrie. Auch hier gilt: Was der Konsument nicht weiß, macht ihn auch nicht heiß. Im Frühjahr wurde bekannt, dass große Mengen an Gammelfleisch zu Lebensmitteln verarbeitet worden sind. Man kann davon ausgehen, dass solche Produkte auch in Europa verkauft worden sind. Da auf der Packung nicht drauf steht, dass Fleisch aus Brasilien drinnen ist, wurde es weiter an die Konsumenten abgegeben.