Wirtschaft
04.04.2017

Handwerk: Mit Kombilohn zu 1500 Euro Mindestlohn

Floristen, Kosmetiker oder Textilreiniger wollen die Anhebung nicht alleine stemmen. AK ist skeptisch.

Die von der Regierung geforderte rasche Mindestlohn-Erhöhung auf 1500 Euro wird in den Niedriglohnbranchen im Gewerbe & Handwerk zur Existenzfrage. Bei Floristen, Kosmetikern oder den Textilreinigern liegen die Mindestlöhne für Hilfskräfte noch unter 1300 Euro. „Die Mehrkosten über den Preis einfach überzustülpen geht nicht, dafür ist der Preiswettbewerb insbesondere durch das benachbarte Ausland zu stark“, sagt Ursula Krepp, Landesinnungsmeisterin der chemischen Gewerbe in Oberösterreich. Sie fordert Übergangsfristen bis 2025, was die Gewerkschaft jedoch ablehnt.

Weil der Staat durch die höheren Abgaben der „größte Profiteur“ der Anhebung sei, bringen die Branchenvertreter jetzt einen neuen Vorschlag ins Spiel: Sie wollen sich die schrittweise Anhebung auf 1500 Euro mittels Kombilohn fördern lassen. Sprich: Der Staat leistet eine Zuzahlung zum Mindestlohn. Zuletzt hatte auch WIFO-Chef Christoph Badelt einen solchen Kombilohn erwähnt. Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich, hält den Vorschlag für problematisch. „Wo fängt der Kombilohn an, wo hört er auf?“

1700 oder 1750 Euro?

Für die AK sind die 1500 Euro ohnehin nur ein erster Schritt, sie will etappenweise auf 1700 Euro erhöhen. „Das kann ich nicht ernst nehmen“, kontert wiederum Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Sparte Gewerbe & Handwerk in der WKÖ. Inklusive Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) würden die 1500 Euro Mindestlohn jetzt schon 1750 Euro ausmachen: „Österreichs Mindestlohn wird 14 mal ausgezahlt, im Rest von Europa nur 12 mal“, betont die Branchensprecherin. Sie sieht die AK in Sachen Arbeitszeitflexibilisierung am Zug.

Fachkräftesuche

Ausgerechnet in jenen Branchen, wo die Löhne niedrig sind, herrscht akuter Fachkräftemangel (siehe Grafik). Im gesamten Handwerk ist jeder dritte Betrieb betroffen, im Vorjahr waren es 27 Prozent. Ein direkten Zusammenhang zwischen Fachkräftemangel und Lohn bestehe nicht, meint Walter Bornett von der KMU Forschung Austria. Mit 730.000 Beschäftigten erreichte das Gewerbe & Handwerk 2016 einen neuen Höchststand, die Lehrlingszahlen stiegen um 2,7 Prozent. Der Branchenumsatz legte mit 0,6 Prozent nur unterdurchschnittlich zu. „Der Handwerkerbonus hat Schlimmeres verhindert“, meint Bornett.

Dafür ist das heurige Jahr etwas besser angelaufen. "Momentan zeigen sich nur leichte Frühlingsgefühle in Gewerbe und Handwerk", so Bornett. Im ersten Quartal 2017 beurteilen 18 Prozent der befragten Betriebe die Geschäftslage mit ''gut'' (Vorjahr: 15 Prozent), 63 Prozent mit ''saisonüblich'' (Vorjahr: 60 Prozent) und 19 Prozent der Betriebe mit ''schlecht'' (Vorjahr: 25 Prozent).

KV-Einigung bei Kunstoffverarbeiter

Dass die Sozialpartnerschaft noch funktioniert, beweist ein Kollektivvertrags-Abschluss am Dienstag: Die Kunststoffverarbeiter (11.000 Beschäftigte) einigten sich auf 1500 Euro Mindestlohn ab 1. Mai 2018. Schon vor zwei Wochen haben sich die Friseure auf eine Anhebung auf 1500 Euro bis 2020 verständigt. In Summe arbeiten rund 365.000 Beschäftigten in Branchen mit Mindestlöhnen unter 1500 Euro, rund 200.000 sind es in Branchen unter 1300 Euro.