Wirtschaft
19.03.2018

Gerangel um die Zukunft der Ölheizungen

Die Regierung will Ölheizungen verbieten. Die Öl-Branche hält das für sozial unverträglich.

Mehr als 700.000 Haushalte in Österreich heizen noch mit Öl. Mit Blick auf die Klimaschutz-Ziele will die Regierung diese Heizform, die die Luft mit viel CO2 belastet, möglichst rasch abschaffen. Ein Verbot von Ölheizungen im Neubau, wie es in Niederösterreich ab 1. Jänner 2019 umgesetzt wird, dürfte so gut wie fix sein. Gestritten wird noch um die Frage, ob auch ein Austausch alter Ölkessel gegen neue untersagt werden soll.

Für den Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Öltechnik (IWO), Martin Reichard, wäre das "ein völlig unnotwendiges Verbot", wie er im Gespräch mit dem KURIER betont. Denn erstens sinke die Anzahl der Ölheizer ohnehin seit Jahren. Um die Jahrtausendwende heizten knapp unter einer Million Haushalte noch mit Öl, heute sind es fast 300.000 weniger. "Wenn der Rückgang in diesem Tempo anhält, haben wir 2050 keine Ölheizungen mehr", betont er. Und zweitens würde ein Zwang zum Einbau einer anderen Heizung sozial gar nicht verträglich sein. Der Umbau koste 20.000 bis 30.000 Euro. "Das muss man sich leisten können", sagt Reichard. Der IWO-Chef will im Notfall sogar gegen eine solche Reglung, die Öl diskriminiere, klagen.

Umstrittene Förderung

Das IWO unterstützt seit Jahren den Austausch alter Ölkessel mit 2500 Euro. 2017 gab es mit 5763 Förderanträgen sogar einen Rekord. Der Kesseltausch sei nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch gut für die Umwelt. Denn moderne Brennwertkessel würden bis zu 40 Prozent weniger Öl verbrauchen. Dieser geförderte Kesseltausch aber ist den Ölheizungs-Gegnern ein Dorn im Auge. Denn damit werde der Zeitraum, in dem es noch Ölheizungen gebe, dauernd verlängert.

Reichard argumentiert aber auch mit der Verfügbarkeit alternativer Brennstoffe. Würden alle Ölheizungen auf Wärmepumpen umgestellt, bräuchte Österreich zehn Kraftwerke á la Freudenau zusätzlich. Würden die Ölheizungen durch Pellets ersetzt, müssten diese von weit her importiert werden.

Christoph Pfemeter, Geschäftsführer des Biomasseverbandes, sieht die Abschaffung der Ölheizung hingegen "für dringend erforderlich an". "Es ist völlig sinnlos, Öl in Einzelheizungen abzufackeln", sagt er. Auch wenn ein Verbot des Ölkessel-Tausches komme, würde es Jahrzehnte dauern, bis in Österreichs Haushalten niemand mehr mit Öl heize.

Pfemeter sieht das Problem der Nicht-Verfügbarkeit der Alternativ-Brennstoffe nicht. "Wenn Öl-Heizer auf andere Energiequellen umsteigen, werden sie nicht alle dieselbe wählen", ist er überzeugt. Ein Teil werde Wärmepumpen, ein anderer Pellets und einige Gas oder Fernwärme wählen. In Summe werde das für keinen Energieträger eine wesentliche Steigerung bedeuten.

Für die Biomasse-Branche ist der Bereich Raumwärme nur ein kleiner Teil. Viel mehr wird an große Heizwerke und an Stromproduzenten verkauft. Pfemeter will die Gestaltung der Heiz-Zukunft aber nicht als Kampf Biomasse gegen Öl sehen. "Wir müssen alle gemeinsam an einer Lösung arbeiten", betont er und verweist auf eine Studie der TU Wien. Diese belegt, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien für die Raumwärme bis 2050 relativ leicht möglich sei. Der Grund: Neue Heizungen brauchen viel weniger Energie.