Gentechnik auf dem Rückzug

Ferkel
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER In der Schweineproduktion ist Soja als Kraftfutter unverzichtbar. Noch setzen die Bauern auf günstiges Gensoja. Doch der Handel macht Druck.

Noch steckt im Schnitzel oft Gentechnik. Gekennzeichnet wird das nicht. Doch nun machen die Handelsketten Druck.

Für die Umweltschützer von Greenpeace grenzt es an eine Schweinerei: "Schweine und Rinder in Österreich fressen Gentechnik-Futter, doch das muss im Regal nicht gekennzeichnet werden." Sprecherin Dagmar Urban forderte am Donnerstag eine verpflichtende Kennzeichnung und wünscht sich eine komplette Umstellung auf gentechnikfreies Futter bis 2014.

Vonseiten der Bauernschaft gibt es aufgrund der höheren Futterkosten noch Widerstand, doch tatsächlich steigt der Druck der Handelsketten.

Auf Wunsch der Lebensmittelhändler wurde 2010 die Fütterung von Milchkühen auf gentechnikfreies Futter umgestellt, seit Februar heurigen Jahres gilt die Umstellung auch für österreichisches Geflügel. Ab 26. März findet sich in den Billa-Regalen nun auch Genfutter-freies Schweinefleisch. "Wir schätzen den Bedarf auf rund 30 bis 40 Tonnen pro Woche", erklärt Hersteller Franz Oberndorfer von IBO Schwein. Das Fleisch sei mit dem Arge-Gentechnik-Siegel versehen, die Bauern würden sechs Euro je Schwein zusätzlich erhalten.

Das Kilo Schnitzelfleisch ohne Knochen koste im Handel knapp unter zehn Euro. "Der Aufschlag für den Konsumenten beträgt rund zehn Prozent." Entsprechende Wurstwaren sollen folgen.

Derzeit sind nur Bioware und ausdrücklich gekennzeichnete Ware sicher ohne Gen-Futter. Doch auch Händler Spar dringt auf eine Umstellung: "Wir würden ebenfalls gerne umstellen, aber wir brauchen 20.000 Schweine pro Woche", erklärt eine Sprecherin. Man versuche aktuell, eine Lösung mit dem AMA-Gütesiegel zu erarbeiten.

Kostenfrage

Rund zehn Prozent Mehrkosten verursacht die Fütterung mit Gentechnik-freiem Futter etwa bei Geflügel. Nicht alles trägt der Konsument. "So wie es jetzt ist, geht es nicht, dass in der Produktion ständig die Margen sinken", kritisiert etwa Futtermittelhersteller Rupert Bairinger von Fixkraft. Auch bei Milch sei der Gentechnik-Bonus von 1 Cent je Liter für die Bauern still und heimlich verschwunden, kritisieren Bauernvertreter.

Zudem ist gentechfreies Kraftfutter in Österreich derzeit Mangelware: Rund 600.000 Tonnen Soja müssen importiert werden, 400.000 davon sind Gen-Soja.

Grün-Abgeordneter Wolfgang Pirklhuber wirbt seit Jahren darum, den Anbau von gentechnikfreiem Soja in der Donauregion zu erhöhen: "Bis 2020 könnten wir zumindest ein Zehntel des Bedarfs produzieren."

Das könnte auch nötig sein, denn der Bedarf wird steigen, meint Florian Faber von der Arge Gentechnikfrei: "Die gesamte österreichische Fleischbranche überlegt, wie sie die Gentechnikfreiheit umsetzen kann." Er ist optimistisch: "Bei Schweinefleisch reden wir von ein bis drei Jahren, bis die gesamte Branche umgestellt hat."

(kurier) Erstellt am
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