Wirtschaft
29.12.2011

Geldfälscher haben kaum eine Chance

Die Zahl der nachgemachten Euroscheine ist rückläufig. Die Europäische Zentralbank arbeitet an neuen Sicherheitsmerkmalen.

Ein 50-Euro-Schein gedruckt auf Klopapier, ein 20-Euro-Schein in Schwarz-Weiß oder ein 300- Euro-Schein mit leichtbekleideten Frauen auf der Vorderseite: Nur drei extreme Beispiele von gefälschten Euro-Banknoten, die in den vergangenen Jahren aufgetaucht und zum Teil von arglosen Menschen auch angenommen worden sind. Die Mehrzahl der Blüten sind aber professionell gestaltet. „Mit der einfachen Banknotenprüfung ,fühlen – sehen – kippen‘ kann man ohne technische Hilfsmittel echte von falschen Scheinen unterscheiden“, sagt OeNB-Direktor Stefan Augustin.

Trotzdem ist die Gefahr, einen falschen Schein untergejubelt zu bekommen, gering. Laut der Europäischen Polizeibehörde Europol müsste statistisch betrachtet ein Mensch 800 Jahre alt werden, um eine Fälschung in seinem Geldbörsel zu finden. Denn rund 13,8 Milliarden echte Euroscheine befinden sich im Umlauf. Zum Vergleich: 751.000 nachgemachte Noten wurden im Vorjahr aus dem Verkehr gezogen. Die Tendenz ist europaweit und auch in Österreich fallend, wie die Statistik der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt (siehe Grafik).

„Die Bekämpfung der Falschgeld-Kriminalität hat international einen höheren Stellenwert bekommen“, erklärt Rudolf Unterköfler vom heimischen Bundskriminalamt. Bereits mehr als die Hälfte der in Österreich (vor allem im Osten des Landes) sichergestellten Blüten stammt mittlerweile aus Italien. Das Land hat den Balkanstaaten den Rang als Fälscherwerkstatt Nummer eins abgelaufen. Laut Unterköfler tauchen in jüngster Zeit auch vermehrt Blüten aus Südamerika auf.

„Falscher Fuffzger“

EU-weit sind falsche Fünfziger mit einem Anteil von 44 Prozent führend, gefolgt von Zwanzigern (38 Prozent) und Hunderten (14 Prozent). In Österreich werden hingegen vorrangig gefälschte 20er aufgegriffen. Unterköfler zufolge wird kleineren Noten bei der Annahme nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Daher hätten sich die Kriminellen auf die Produktion dieser Scheine konzentriert. In den ersten Euro-Jahren stand hingegen der 100er im Mittelpunkt der Fälscher.

Nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ werden auch gerne Münzen gefälscht. In der EU wurden im Vorjahr 186.000 nachgemachte Euro-Münzen sichergestellt (2009 waren es 172.100). 2-Euro-Fälschungen machten mit 130.300 Stück den größten Anteil aus.

Der Schilling war früher aufgrund seiner geringen Verbreitung für Gauner kaum von Interesse. Jährlich wurden nur etwas mehr als 1000 Fälschungen sichergestellt. Wer sich selbst als Geldfälscher versuchen will, sollte sich der Konsequenzen bewusst sein. Die Höchststrafe liegt bei zehn Jahren Haft. „Wer sich den Schein nur daheim an die Wand hängt, wird kein Problem kriegen“, sagt Unterköfler. „Aber schon der Versuch, ihn unters Volk zu bringen, wird als Straftat gewertet.“ Um das Bargeld noch sicherer zu machen, will die EZB ab 2013 die Euro-Scheine mit neuen Sicherheitsmerkmalen herausbringen. Das Design der Banknoten bleibt aber gleich.

Sicherheitsmerkmale: Vorgehensweise

Sehen Im Gegenlicht sind auf den Banknoten Wasserzeichen zu sehen, die das jeweilige Architekturmotiv des Geldscheines zeigen und außerdem seinen Wert angeben. Ebenfalls ist eine dunkle Linie in der Mitte der Note erkennbar – der Sicherheitsfaden.

Fühlen Die Euro-Noten bestehen aus Baumwoll-Papier, das sich spürbar von normalem Papier unterscheidet. Durch Verwendung des Stichtiefdrucks sind einige Bildelemente auf der Vorderseite der Banknoten ertastbar.

Kippen Beim Kippen der Note erscheinen auf einem silbrigen Streifen das Euro-Symbol oder der jeweilige Wert der Note als Hologramm. Auch wird ein gelblicher Streifen mit Euro-Symbol und der Wertzahl sichtbar.

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