Wirtschaft
10.01.2012

Geier Sturzflug

Die Politik ist maßgeblich mitverantwortlich für das Desaster der AUA.

Die Konzernmutter in Frankfurt wird nicht mehr lange zuschauen. Sollte es die AUA heuer nicht schaffen, endlich wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen, wird sie von der Lufthansa vermutlich auf einen kleinen Regional-Carrier zurückgestutzt. Der deutsche Kranich will der Not leidenden Tochter erst dann finanziell unter die Flügel greifen, wenn diese aus eigener Kraft aus den Turbulenzen kommt.

Das ist nicht überraschend. Die Lufthansa ist kein Wohlfahrtsverein, der konkursreife Airlines durchfüttert, sondern ein gewinnorientierter Großkonzern. Den Sanierungskurs, den der neue AUA-Chef nun startet, hätte die Fluggesellschaft bereits vor zehn Jahren in Eigenregie durchziehen müssen. Schon damals war abzusehen, dass die Billigkonkurrenz der Low-Coster Passagiere in Scharen abziehen wird. Schon damals waren die Gebühren des halbstaatlichen Wiener Flughafens und der gänzlich staatlichen Flugsicherung im internationalen Vergleich zu hoch. Schon damals hätte die AUA nicht nur einen professionellen Sanierer gebraucht, sondern einen starken internationalen Partner. Stattdessen durften unfähige Manager dilettieren.

Die österreichische Politik hat die Braut erst verschenkt, als sie schon potthässlich und nicht mehr aufzumascherln war. Viel zu lange wurden nationalistische Sprüche geklopft – wie, die AUA müsse „österreichisch bleiben“, und ähnlicher Schwachsinn. Der langjährige Chef der Staatsholding ÖIAG, Peter Michaelis, hatte nie den Mut, gegen die Politik aufzustehen. Dass er bei seinem Abgang in die finanziell hoch dotierte und gesicherte Pension den Verkauf der AUA an die Lufthansa als seine herausragendste Leistung bezeichnete, ist purer Zynismus. Verkauft wurde nämlich gar nichts. Die AUA wurde verschenkt, als Morgengabe gab der Staat noch 500 Millionen Euro drauf. Und den Besserungsschein von 164 Millionen Euro – falls die AUA 2011 Gewinne gemacht hätte – kann der Staat auch vergessen.

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