Wirtschaft 01.02.2012

Gazprom: Gaslieferungen nach Europa konstant

© Bild: EPA

Gazprom dementiert: Die europäischen Kunden bekommen die vertraglich vereinbarten Gasmengen geliefert.

Die Agentur Interfax hatte am Dienstag gemeldet, dass Gazprom seine Gaslieferungen nach Europa wegen der gestiegenen Nachfrage auf dem heimischen Markt deutlich reduziert habe. Zehn Prozent weniger Gas etwa sei durch die Jamal-Europa-Pipeline von Russland über Weißrussland und Polen nach Deutschland geflossen. Für Italien nannte Interfax Einbußen in Höhe von rund acht Prozent.

Stimmt nicht, teilte der russische Gasmonopolist am Mittwoch in Moskau mit. Die europäischen Kunden würden die vertraglich vereinbarten Gasmengen geliefert bekommen. "Um die Exporte zu gewährleisten, hat der Konzern alle vorhandenen Pipelines ausgelastet und entnimmt seinen Speichern in Europa deutlich mehr Gas."

Heimische Erdgasspeicher sind voll

In Österreich muss man sich ob der Kältewelle keine Sorgen machen: "Die Erdgasspeicher in Österreich sind voll. Das ist gut: Damit können mit Erdgas selbst extreme Bedarfsspitzen bei Rekordkälte einfach und zuverlässig abgedeckt werden", sagt Mag. Michael Mock, Sprecher der Initiative "Nichts leichter als Erdgas".

In den Speichern österreichischer Erdgasunternehmen sind aktuell rund sieben Milliarden Kubikmeter Erdgas vorrätig. Das entspricht rund 85 Prozent des österreichischen Jahresbedarfs von 8,4 Milliarden Kubikmetern.

In Österreich setzen eine Million Haushalte auf Erdgas - Tendenz steigend. So wurden 2003 noch 896.000 Haushalte mit Erdgas versorgt - zuletzt waren es bereits rund eine Million. Im Bundesschnitt wird damit nahezu jeder dritte Haushalt Österreichs mit Erdgas versorgt.

South Stream

Ein Gazprom-Mitarbeiter an einer Gasstation nahe der russisch-ukrainischen Grenze.
© Bild: EPA

Der russische Gaskonzern drückt indes beim Pipeline-Vorhaben South Stream aufs Tempo. Der Export-Monopolist kündigte jüngst an, mit dem Bau der Erdgasleitung bereits Ende 2012 und nicht erst 2013 beginnen zu wollen. Unter Umgehung der Ukraine soll die Leitung von 2015 an 63 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas nach Südeuropa pumpen. Der russische Energiekonzern ist mit 50 Prozent an dem Konsortium beteiligt. Die italienische Eni hält 20 Prozent der Anteile, die französische EDF und Wintershall sind mit je 15 Prozent beteiligt.

Experten halten das Projekt mit einem Volumen von mehr als 15 Mrd. Euro für zu teuer. Gazprom sollte sich besser mit der Ukraine auf neue Regeln für den Gastransit nach Westeuropa einigen. Der Ukraine, die die Hauptlast des Transits trägt, ist der von Russland geforderte Gaspreis für den eigenen Verbrauch zu teuer. Statt der geforderten 416 Dollar pro tausend Kubikmeter hält das Land 250 Dollar für angemessen. Russland und die Ukraine verhandeln derzeit über den Preis.

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Erstellt am 01.02.2012