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Bürokratiekeule
02/08/2016

Gastwirte gegen Kennzeichnung des Schnitzels

Gastronomie erteilt den Forderungen der heimischen Landwirte eine Abfuhr.

Die Forderung der heimischen Bauern nach einer Kennzeichnung von Fleisch in Restaurants (der KURIER berichtete) lässt bei Gastronomen die Alarmglocken schrillen. "Klares Nein zu einer neuen Bürokratie-Keule für unsere Gastwirte", ließ der Fachverband Gastronomie (Wirtschaftskammer Österreich) per Aussendung wissen.

Angst vor Bürokratie

Es sei grundsätzlich verständlich und legitim, dass sich die heimischen Bauern einen höheren Absatz von heimischen Lebensmitteln in Österreich wünschen, so Fachverbandsobmann Mario Pulker. Es könne aber nicht sein, dass dafür die Gastronomen die Zeche in Form weiterer Zwangsauflagen zahlen müssten. Die verlangte Kennzeichnung nach "Schweizer Vorbild" würde zu einer weiteren Bürokratielawine für die Gastronomie führen. Die Schweizer Kollegen würden derzeit dagegen ankämpfen, dass die derzeit nur für Fleisch geltende Regelung noch auf alle anderen Zutaten ausgedehnt werde.

Landwirtschaftskammer für Ehrlichkeit

Die österreichischen Landwirte kämpfen ihrerseits gegen billiges Fleisch und Eier aus dem Ausland und sehen in der Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel eine Überlebenschance: "Es soll draufstehen, was es ist. Wo das Schnitzel herkommt." Wenn der Betrieb billige Gerichte kochen will, dann sollte man es auch zugeben, etwa "Wiener Backhuhn (Polen) mit Salat", betonte der Präsident der Landwirtschaftkammer, Hermann Schultes. "Ich habe nichts gegen Polen. Es sollte aber möglichst ehrlich mit den Konsumenten umgegangen werden."

Der WKÖ-Fachverband verweist auf das freiwillige AMA Gastrosiegel, mit dem derzeit 1300 Betriebe ausgezeichnet seien: "Hier wäre durchaus auch noch Potenzial vorhanden, wenn die AMA ihre Kostenbeiträge für die Kontrolltätigkeit absenkt." Man unterstütze alle sinnvollen Maßnahmen, solange diese nicht auf Zwang basieren würden.

Hotellerie warnt vor Trend zu Fertigprodukten

Auch die Hotellerie kann sich mit einer Fleischkennzeichnung nicht anfreunden. "Bitte lassen wir es bei einer Empfehlung und machen kein Gesetz", sagte Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Dies würde den Gastro-Trend zu vorgekochten Convenienceprodukten von Nahrungsmittelgroßkonzernen wie Nestle oder Kraft Food verstärken, weil die noch selber kochenden, kleinen Betrieb vor den Vorschriften kapitulieren würden.

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