Wirtschaft
05.10.2017

Gasspeicher für den Winter ausreichend gefüllt

Die Gasmarktöffnung brachte Kunden laut E-Control mehr Angebote und tiefere Preise. Schon fünf Prozent wechseln im Jahr ihren Anbieter.

Die in Österreich befindlichen Erdgasspeicher sind für den bevorstehenden Winter ausreichend gefüllt. Aktuell sind sie zu 83 Prozent voll. "Österreich weist im europaweiten Vergleich hohe Speicherkapazitäten auf - und diese haben sich in den letzten 15 Jahren fast verdreifacht", erklärte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch am Donnerstag.

Anfang dieser Woche, mit Stand 2. Oktober, war in den heimischen Erdgasspeichern, die insgesamt mehr als 92.000 GWh Speichervolumen aufweisen, eine Arbeitsgasmenge von 76.000 GWh oder 6,8 Mrd. m3 vorhanden, sagte der Leiter der Gasabteilung beim Regulator, Bernhard Painz, vor Journalisten. Es sei also ausreichend Versorgungssicherheit bei Erdgas gegeben, auch für die österreichischen Kunden sei genug Gas da.

Painz erinnerte daran, dass die heimischen Gasspeicher bei der letzten Gaskrise im Jahr 2009 erst über rund 40.000 GWh Speichervolumen verfügten, zuletzt waren es - mit Stand 2016 - 92.173 Gigawattstunden (rund 8,2 Mrd. m3). 2002, zu Beginn der Gasmarktliberalisierung vor 15 Jahren, betrugen die Speicherkapazitäten erst 32.202 GWh; auch die Zahl der Speicherunternehmen hat sich seither deutlich erhöht - von zwei auf fünf.

Gasmarktöffnung brachte Kunden mehr Angebote

Der seit 15 Jahren liberalisierte Gasmarkt hat den heimischen Kunden mehr Auswahl bei den Angeboten und höhere Einsparpotenziale bei den Erdgaspreisen gebracht. Mittlerweile nützen die Menschen diese Möglichkeiten auch aus, jährlich wechseln fünf Prozent ihren Anbieter. Damit können Haushalte samt Neukundenrabatt im ersten Jahr 420 bis 700 Euro sparen, ohne Einmalrabatte auch noch bis zu 300 Euro.

Aktuell geben heimische Durchschnittshaushalte im Jahr zwischen 880 Euro in Vorarlberg und 1.210 Euro im Netzgebiet Klagenfurt aus, jeweils inklusive Netzkosten sowie Steuern und Abgaben), erklärte der Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control am Donnerstag. Die durch einen Wechsel erzielbaren Einsparungen stellen das höchste Einsparpotenzial seit Beginn der Liberalisierung dar. Allein in den letzten zehn Jahren, von 2007 bis 2016, hätten sich alle Haushalte und Gewerbebetriebe mit neuen Gaslieferanten insgesamt rund 90 Mio. Euro erspart.

25 Anbieter im Osten

Ende 2016 konnten die rund 1,3 Mio. Haushalts- und Kleinkunden bereits zwischen 25 Gasanbietern im Marktgebiet Ost und 20 im Marktgebiet Tirol/ Vorarlberg wählen, 2002 hatte es erst vier bundesweit tätige Lieferanten gegeben. Allein 2016 sind neun neue dazugekommen, mehr als die Hälfte aller Anbieter sind Alternativlieferanten, also Akteure, die nicht schon vor der Marktöffnung hier tätig gewesen sind.

Im Marktgebiet Ost können Haushalte zwischen mehr als 65 Angeboten wählen. In Tirol, wo der Markt wie in Vorarlberg erst 2013 geöffnet wurde, erhalten Kleinkunden mittlerweile bis zu 60 Angebote von 20 verschiedenen Anbietern.

Trotz hoher Investitionen in die Gasnetze sind die Netzkosten im Österreich-Schnitt für durchschnittliche Haushaltskunden von 2006 bis 2016 inflationsbereinigt (und bereinigt um die Schwankungen der Gesamtabgabe an Endverbraucher) um rund sieben Prozent gesunken, sagte E-Control-Vorstandsdirektor Wolfgang Urbantschitsch bei einem Pressegespräch. Dabei hätten die Netzbetreiber in den letzten 15 Jahren 500 Mio. Euro in den Ausbau des überregionalen Gasnetzes und rund 1,9 Mrd. Euro in laufende Erhaltung und Erweiterung investiert. In näherer Zukunft seien jedoch keine weiteren Großinvestitionen zu erwarten, kostenmäßig positiv für die Gaskunden.

Statt der früheren Take-or-Pay-Verträge mit Ölpreisbindung erfolgt die Gasbeschaffung nun in hohem Ausmaß flexibel an Handelsplätzen (Gas-Hubs), für Österreich wesentlich ist der Central European Gas Hub (CEGH). Die Zahl der hier tätigen Händler stieg von 100 auf knapp 190, die Börsen- und Broker-Handelsmenge wuchs von fast Null auf bis zu 10 TWh im Monat, so Urbantschitsch. Durch geplante Projekte wie eine Gasleitung zwischen Österreich und Tschechien bestehe die Chance, die regionale Bedeutung des heimischen Gasmarkts weiter zu stärken - dazu arbeite man weiter an den Überlegungen -, ebenso mit einer Verbindung Rumänien-Ungarn-Österreich (ROHUAT), auch wenn dabei Ungarn auf der Bremse stehen soll.

"Wir bemühen uns sehr, dass diese Projekte weiter aufrechterhalten werden. Wir wollen eine Stärkung des Handelsplatzes Österreich", sagte Urbantschitsch. Eine Stärkung sei möglich mit einer Diversifizierung der Quellen oder mit zusätzlichen Leitungen, die Gas nach Österreich bringen. Unter dem Aspekt möglicher zusätzlicher Gasmengen, die am Hub CEGH ankommen könnten, begrüße man auch das Nord-Stream-2-Vorhaben. Ob der sehr ambitionierte Zeitplan halten könne, sei schwierig zu beantworten. Aus der OMV hieß es vorige Woche, man wolle zu Nord Stream II bis Jahresende die regulatorischen Fragen erledigt haben, dann könne 2018 der Bau beginnen. Bei dem Pipeline-Vorhaben unter Federführung der russischen Gazprom macht unter anderem auch die OMV mit.

Synthesegas

Künftig vermehrt attraktiv werden wird aus Sicht der E-Control Synthesegas, also regeneratives Gas, sowohl Biomethan als auch künstliches Methan. Damit könne eine klimaneutrale, volkswirtschaftlich sinnvolle Energieversorgung realisiert und eine sektorgekoppelte Versorgungssicherheit gewährleistet werden, meinte E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer. Indem Strom durch Power-to-Gas in Wasserstoff oder synthetisches Methan verwandelt wird, wie dies etwa nun die EVN-Tochter Rohöl Aufsuchungs-AG (RAG) mit flüssigem Erdgas (LNG) macht, könnten große Energiemengen im Gasnetz gespeichert werden. Das über 40.000 km lange Gasnetz in Österreich habe 2016 fast 500 Mrd. kWh Energie transportiert - fünfmal so viel wie die 100 Mrd. kWh, die das Stromnetz transportiert. Das Gasnetz habe also ein viel höheres Transport- sowie auch ein Speicherpotenzial.

Zur Stromversorgung leiste Gas einen wichtigen Beitrag. Die flexibel einsetzbaren und präzise steuerbaren Gaskraftwerke seien ein wichtiger Partner der stark schwankenden erneuerbaren Erzeugung etwa aus Wind und PV. Dabei hat Gas unter den fossilen Erzeugungstechnologien die niedrigsten CO2-Emissionen. Gerade in Übergangs- und Wintermonaten würden Gaskraftwerke mit bis zu 30 Prozent einen wesentlichen Beitrag zur Stromerzeugung in Österreich leisten, sagte Eigenbauer. Gas sei zur Stromerzeugung als Brückentechnologie geeignet, "wir brauchen sie auch in den nächsten zwanzig Jahren, sonst werden wir die Energiewende nicht schaffen", hatte vorige Woche Leonhard Schitter, Präsident von Oesterreichs Energie, dem Interessenverband der heimischen E-Wirtschaft, erklärt.