Wirtschaft 01.02.2012

Früher in Pension ohne Mehrkosten

Früher in die Rente, aber ohne das Pensionssystem zu belasten. Wie das funktionieren kann, rechnen Ökonomen nun vor.

Knapp die Hälfte der Österreicher gehen als Frühpensionisten in den Ruhestand. Also vor Erreichen des Regelpensionsalter (Frauen 60, Männer 65). Das effektive Antrittsalter von 58 Jahren (ohne Beamte) zählt zu den niedrigsten in der EU. 2012 werden die Pensionszuschüsse des Bundes mit 10,2 Milliarden Euro erstmals höher sein als das Defizit des Gesamtstaates.

Während in der Pensionsreformkommission nur vage über höhere Abschläge für Frühpensionen diskutiert wird, legt die Ökonomengruppe proMarktwirtschaft jetzt ein versicherungsmathematisch durchkalkuliertes Modell vor. „Faire Abschlagssätze ohne Deckelung senken den Bundeszuschuss zu den Pensionen. Und der Einzelne kann frei wählen, wann er in den Ruhestand geht“, erklären Peter Brezinschek (Chefanalyst der Raiffeisen Bank International) und Wirtschaftsforscher Thomas Url (WIFO).


Beispiele

Die Abschlagssätze (in Prozent der Bemessungsgrundlage) sind nach Antrittsalter, Geschlecht und Einkommen unterschiedlich kalkuliert. Am Beispiel durchschnittlicher Einkommensbezieher: Eine Angestellte, die mit 59 Jahren in Pension geht, würde um 5,8 Prozent weniger Rente pro Jahr bekommen. Verabschiedet sich die Dame bereits mit 55 aus dem Job, gibt’s 19,5 Prozent weniger.

Die Abschläge für Männer sind wegen der niedrigeren Lebenserwartung höher. Ein Arbeiter würde bei einem Pensionsantritt mit 60 Jahren 29 Prozent Einbuße in Kauf nehmen müssen, mit 64 Jahren acht Prozent. proMarktwirtschaft geht in ihren Berechnungen vom Barwert einer Pension vom Antritt bis zum Ableben aus, sprich: wie viel diese in Summe kostet. Je länger die Pension in Anspruch genommen wird, umso billiger wird ein einzelnes Jahr. Da Männer aufgrund ihrer kürzeren Lebenserwartung auch kürzer in Pension sind, kostet ein Männer-Pensionsjahr versicherungsmathematisch mehr. Wenn die Laufzeit der Pension durch einen früheren Antritt verlängert wird, muss der Abschlag höher sein als bei Frauen, da jedes zusätzliche Pensionsjahr im Vergleich zur gesamten Pensionsbezugsdauer ein größeres Gewicht hat.

Während die Abschläge derzeit bei der Korridorpension mit 15 Prozent begrenzt sind, plädieren die Ökonomen für die Aufhebung jeglicher Deckelung. Wer länger arbeitet als bis 60/65, der soll entsprechend höhere Zuschläge erhalten – in etwa zwischen 5,8 und 8 Prozent jährlich. Das derzeitige System biete die falschen Anreize. "Es zahlt sich einfach nicht aus, ein Jahr länger zu arbeiten" (Url).

Wie aber die in Unternehmen beliebten Praxis, ältere Arbeitnehmer aus Kostengründen zu kündigen, abstellen? Nicht mit Strafzahlungen für die Arbeitgeber, sondern mit neuen, weniger altersabhängigen Entlohnungssystemen, meinen die Ökonomen. Die Schere zwischen Stundenlöhnen und Produktivität älterer Arbeitnehmer sei in Österreich ohnehin wesentlich höher als im OECD-Schnitt.

( Kurier ) Erstellt am 01.02.2012