Wirtschaft
04.08.2017

Frauenquote? Männliche Führungskräfte dagegen

Quoten-Gegner hätten lieber Selbstverpflichtung, da es zu wenige qualifizierte Frauen für Führungspositionen gebe - so das Argument vieler männlicher Führungskräfte.

Die Zahl der weiblichen Aufsichtsräte in österreichischen Unternehmen soll ab kommendem Jahr deutlich steigen: 2018 kommt die verpflichtende Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten von Großunternehmen. Anfreunden können sich die männlichen Führungskräfte damit aber noch nicht so recht, geht aus einer Kienbaum-Umfrage her.

Während die klare Mehrheit der befragten Frauen die Einführung der Quote befürwortet, sind fast alle Männer dagegen. Die Hälfte der Quoten-Gegner hätte lieber eine freiwillige Selbstverpflichtung für das eigene Unternehmen. Dies geht aus einer Studie des Beraters Kienbaum hervor, für die 62 Vorstandsmitglieder, Aufsichtsräte und Personalleiter - mit fast ausgeglichenem Geschlechterverhältnis - österreichischer Großunternehmen befragt wurden.

Von Akzeptanz der Quote noch weit entfernt

"Je nach Geschlecht unterscheiden sich die Ansichten bezüglich der Frauenquote fundamental. Von einer Akzeptanz der Quote durch beide Geschlechter ist Österreich noch weit entfernt", so Alfred Berger, Studienleiter bei Kienbaum in Wien. Befragte Frauen führen ins Feld, dass ein breiteres Spektrum an Sichtweisen wichtig ist und dass eine angemessene Repräsentanz von Frauen in den Unternehmen gesellschaftlich wünschenswert ist.

Jene, die eine gesetzliche Frauenquote ablehnen, fürchten, dass die Leistung bei einer Bestellung dann nicht mehr im Vordergrund steht. Die geringe Anzahl an qualifizierten weiblichen Kandidaten wird, sowohl von Männern als auch Frauen, als die größte Hürde bei der Besetzung von Führungsfunktionen gesehen.

Frauenförderung und Familienfreundlichkeit seien in heimischen Unternehmen, etwa durch Teilzeitmodelle und die Möglichkeit im Home-Office zu arbeiten, zumindest in Grundzügen gegeben. Weitergehende Maßnahmen wie eine betriebliche Kinderbetreuung würden hingegen nur selten angeboten.

Zum jetzigen Zeitpunkt erfüllt laut der Umfrage nur ein Bruchteil der betroffenen Unternehmen die gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent im Aufsichtsrat. Die Quote tritt per 1. Jänner 2018 in Kraft. Dann soll in börsennotierten Unternehmen sowie Betrieben mit mehr als 1.000 Beschäftigten ein 30 Prozent-Frauenanteil in den Gremien erreicht werden. 200 Unternehmen dürften von der Maßnahme betroffen sein.