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Wirtschaft
06/27/2012

Frankreich vor Jobkrise

Frankreich Unternehmen werden Jobs abbauen. Sarkozy machte Druck auf die Gewerkschaften, dies erst nach den Wahlen bekannt zu geben.

von Josef Siffert

Die Arbeitslosigkeit beschäftigt die Franzosen – laut Umfragen war es das wichtigste Thema im Präsidentschaftswahlkampf. Francois Hollande hat seinen Konkurrenten Nicolas Sarkozy heftig kritisiert, sein Versprechen, die Arbeitslosigkeit auf fünf Prozent zu senken, nicht eingehalten zu haben. Mittlerweile liegt die Arbeitslosenrate bei rund zehn Prozent und hat damit den höchsten Stand seit dem Jahr 1999 erreicht. Nach einer Einschätzung des Statistikamts Insee wird die Quote die zehn Prozent-Marke im laufenden Jahr noch überschreiten. Am 7. Juni werden neue Daten veröffentlicht.

Hollande tritt am 15. Mai somit ein schweres Erbe an, denn eine Besserung am Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Eine Reihe von Unternehmen sollen schon bald neue Stellenstreichungen bekannt geben, warnen Beobachter. Nach Angaben von Gewerkschaften haben viele Betriebe die Ankündigung von Sozialplänen auf die Zeit nach der Wahl verschoben, berichtet die Welt. Nicolas Sarkozy soll Druck auf Konzerne ausgeübt haben, den geplanten Stellenabbau erst nach der Wahl zu verkünden, zitiert das Blatt den Arbeitnehmervertreter François Chérèque von der CFDT.

Unternehmen in der Krise

Viele französische Unternehmen haben mit der Krise zu kämpfen: Zu den Branchen, die nun Sozialpläne verkünden könnten, gehören der Automobilbau, der Transportsektor, die Banken, Pharma- und Telekomunternehmen, Stahlerzeuger, Medien und Einzelhändler. Beispiele: Air France, die eben erst einen Quartalsverlust von 368 Mio. Euro einflog, muss sparen und hat einen Einstellungsstopp ausgesprochen. Betriebsseitige Entlassungen will die Air France/KLM-Tochter vermeiden und setzt auf Freiwilligkeit. Dennoch sollen 1500 bis 2000 Arbeitsplätze eingespart werden.

Bei Renault fürchten Gewerkschaften, dass die Produktion auf Tanger in Marokko konzentriert werden könnte und deshalb Arbeitsplätze in den Werken in Maubeuge und Douai abgebaut werden könnten. Bei PSA Peugeot Citroën läuft die Produktion des C3 im Jahr 2014 aus. Was dann mit den 3100 Beschäftigten im Werk in Aulnay-sous-Bois geschieht, ist offen.

Der Einzelhändler Carrefour hatte 2011 starke Gewinneinbußen hinzunehmen. Dem neuen Konzernchef Georges Plassat wird zugetraut, mindestens 3000 Stellen zu streichen. Beim Mobilfunkabieter SFR gelten rund 1000 Arbeitsplätze als gefährdet. Auch bei der französischen Bahn SNCF werden Stellenkürzungen befürchtet. Darüber hinaus droht Aluminium-Werken des Bergbauriesen Rio Tinto und Werken des Elektronikkonzerns Technicolor die Schließung.

Hollandes Rezept

Mit welchen Maßnahmen der künftige Präsident der steigenden Arbeitslosigkeit entgegenwirken will, ist nicht bekannt. Im Wahlkampf kündigte er lediglich einen Generationen-Vertrag an. Demnach soll Konzernen, die junge Arbeitnehmer (unter 30) einstellen, ein Teil der Sozialabgaben erlassen werden.

Weiters will Hollande die Wettbewerbsfähigkeit ankurbeln und setzt dabei auf einen öffentliche Investitions-Bank, die Mittel für Forschung und Innovationen bereitstellen soll.
Bei der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie geriet Frankreich schleichend ins Hintertreffen: Der Marktanteil Frankreichs am weltweiten Handel ist seit 1995 von 5,8 Prozent auf 3,3 Prozent gesunken. "Sie (die französische Industrie, Anm.) ist noch nicht mal mehr in der Lage, die Binnennachfrage zu decken", kritisierte der Chefökonom der Investmentbank Natixis, Patrick Artus. "Den Unternehmen muss die Lust zu produzieren wiedergegeben werden. Davon hängt alles ab, die Arbeitslosigkeit und das Handelsbilanzdefizit."

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