Wirtschaft
23.01.2018

Fragwürdige Verpfändung von Wienwert-Immobilien

Die Besicherungen für Anleihezeichner wurden später zugunsten von Banken abgeändert.

Die bevorstehende Millionen-Pleite der Wienwert Holding AG, die heute WW Holding AG heißt, soll ihre Tochter, die neue Wienwert AG, nicht betreffen. Das behauptet zumindest Stefan Gruze, der in beiden Gesellschaften Vorstandschef ist. Dabei hätte die Wienwert AG ihre marode Mutter "durch Gewinnausschüttungen in Zukunft mit ausreichend Liquidität ausstatten" sollen. Die Mutter sitzt auf einem Anleihen-Schuldenberg von 35 Millionen Euro, der Immobilienbestand ist bis auf Einzelstücke offenbar verkauft. Im schlimmsten Fall werden die Anleihezeichner mit einem Totalverlust aussteigen.

Dabei waren die Anleihen der alten Wienwert ursprünglich mit einer "grundbücherlichen Besicherung" ausgestattet. Dazu wurde ein Wiener Anwalt sogar als Treuhänder für die Anleihegläubiger eingesetzt. Dieser hat dann Pfandrechte in Höhe von je 7,5 Mio. Euro auf Wienwert-Liegenschaften ins Grundbuch eintragen lassen.

Doch diese Pfandrechte wurde später zugunsten von Banken abgeändert. Oder anders gesagt: Die Pfandrechte der Banken erhielten nun Vorrang vor den Pfandrechten der Anleihegläubiger. So hat sich eine einzige Bank im April 2016 auf Grundstücke in Höhe von 12,84 Millionen Euro besichern lassen. Der Wiener "Anleihen-Treuhänder" wollte auf Anfrage des KURIER keine Stellungnahme abgeben.

Neue Anleihen

Alleine 180 der angeblich 900 Anleger der alten Wienwert-Anleihetranchen mit einem mutmaßlichen Schadensvolumen in Höhe von 7,6 Millionen Euro haben sich bei der Anlageschutz-Plattform Cobin Claims registriert. Doch die Plattform wird auch für die Anleger der zwei Anleihen (rund acht Millionen Euro) der neuen Wienwert-AG rechtlich in den Ring steigen.

"Herr Gruze behauptet, die neue Wienwert ist nicht von der Insolvenz betroffen", sagt der Buchsachverständige Manfred Biegler von Cobin Claims zum KURIER. "Wenn dem so ist, dann kann es ja für Herrn Gruze kein Problem sein, dass er die Anleihenkäufe rückabwickelt, weil die Anleger über das Risiko des Geschäftsmodells nicht richtig informiert wurden." Dieser Vorwurf wird von Wienwert bestritten.

Der künftige Insolvenzverwalter WW Holding AG wird die konzerninternen Verflechtungen zwischen der Muttergesellschaft und der Tochter Wienwert AG sowie die vorgenommene Umstrukturierung genau unter die Lupe nehmen müssen. Allein im Jahr 2016 hat die alte Wienwert Holding 542.000 Euro für Provisionen für den Vertrieb der Anleihen ausgegeben und 1,66 Millionen Euro "für Werbung, Sponsoring und Markenbildung".